Dornhai
DTierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Squalus acanthias
- Ordnung: Dornhaiartige (Squaliformes)
- Familie: Dornhaie (Squalidae)
- Gattung: Squalus
- Lebensraum: Küstennahe und pelagische Gewässer der gemäßigten Meere, vom Flachwasser bis in Tiefen von etwa 900 Metern
- Größe: 70–120 cm, maximal bis 160 cm (Weibchen größer als Männchen)
- Gewicht: 3–9 kg, in Ausnahmefällen über 10 kg
- Lebenserwartung: 25–40 Jahre, teils über 70 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Dornhai besitzt einen schlanken, torpedoförmigen Körper, der hydrodynamisch optimal an ein Leben im offenen Wasser angepasst ist. Die Oberseite ist schiefergrau bis bräunlich-grau gefärbt, die Bauchseite deutlich heller, oft weißlich. Bei Jungtieren finden sich häufig kleine weiße Flecken entlang der Flanken, die mit zunehmendem Alter verblassen.
Das namensgebende Merkmal dieser Art sind die kräftigen Dornstacheln, die jeweils vor den beiden Rückenflossen sitzen. Diese Stacheln dienen als Verteidigungswaffe gegen Fressfeinde und sind an der Basis mit einer Giftdrüse verbunden. Der Stich ist für Menschen schmerzhaft, aber nicht lebensbedrohlich. Eine Afterflosse fehlt dem Dornhai – ein diagnostisches Unterscheidungsmerkmal gegenüber vielen anderen Haiarten.
Die Haut ist wie bei allen Haien mit Placoidschuppen (Hautzähnchen) bedeckt, die sich rau anfühlen und den Strömungswiderstand im Wasser verringern. Die Schnauze ist zugespitzt, die Augen auffallend groß – eine Anpassung an lichtarme Wassertiefen. Das Gebiss besteht aus kleinen, gleichförmigen Zähnen, die zum Ergreifen und Festhalten glitschiger Beute geeignet sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Dornhais umfasst nahezu alle gemäßigten und subarktischen Meere beider Hemisphären. Er kommt im Nordatlantik von Norwegen und Island bis zur nordafrikanischen Küste vor, ebenso an der Ostküste Nordamerikas. Im Pazifik reicht sein Habitat von Japan und Korea über den Golf von Alaska bis zur Küste Kaliforniens. Auch vor Südamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland ist die Art verbreitet. Tropische Gewässer meidet der Dornhai konsequent.
Sein bevorzugtes Biotop sind küstennahe Schelfgebiete mit Wassertiefen zwischen 10 und 200 Metern. Er hält sich jedoch auch in deutlich tieferen Zonen bis etwa 900 Meter auf. Die Art toleriert eine breite Temperaturspanne von etwa 6 bis 15 °C und unternimmt saisonale Wanderungen, die dem Nahrungsangebot und den Wassertemperaturen folgen. Im Sommer ziehen die Tiere in höhere Breiten und flachere Gewässer, im Winter in tiefere und wärmere Regionen.
Ernährung
Der Dornhai ist ein opportunistischer Räuber, der ein breites Nahrungsspektrum nutzt. Zu seiner Beute zählen Schwarmfische wie Heringe, Sprotten, Sardinen und Makrelen, daneben Tintenfische, Krebstiere, Garnelen und verschiedene Bodenfische. Gelegentlich frisst er auch Quallen und Würmer. Die Jagd erfolgt sowohl im Freiwasser als auch in Bodennähe. Dornhaie jagen häufig in Gruppen und treiben dabei Fischschwärme zusammen – ein kooperatives Verhalten, das bei Haien nicht selbstverständlich ist.
Verhalten & Lebensweise
Der Dornhai zählt zu den geselligsten Haiarten überhaupt. Er bildet Schwärme, die nach Größe und Geschlecht getrennt sein können und mitunter mehrere Tausend Individuen umfassen. Diese Schwarmbildung dient sowohl dem Schutz vor Fressfeinden als auch der effizienteren Nahrungssuche.
Die Art zeigt ein ausgeprägtes Wanderverhalten. Markierungsexperimente haben Strecken von mehreren Tausend Kilometern dokumentiert – einzelne Tiere legten über 6.000 Kilometer zurück. Solche Wanderungen verbinden Sommer- und Winterhabitate und können transatlantische Distanzen überbrücken.
Dornhaie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich häufig in tieferem Wasser auf und steigen zur Nahrungsaufnahme in der Dämmerung in flachere Zonen auf – ein Verhalten, das als vertikale Wanderung bezeichnet wird. Zu den natürlichen Feinden gehören größere Haie wie der Weiße Hai, Orcas und Robben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie des Dornhais ist außergewöhnlich und stellt einen der Gründe für seine Gefährdung dar. Die Art ist ovovivipar: Die Embryonen entwickeln sich in Eihüllen innerhalb des Uterus der Mutter und werden lebend geboren. Die Tragzeit beträgt 18 bis 24 Monate – sie zählt damit zu den längsten aller Wirbeltiere.
Ein Wurf umfasst in der Regel 1 bis 20 Jungtiere, im Durchschnitt etwa 6 bis 7. Die Neugeborenen sind bei der Geburt 20 bis 33 Zentimeter lang und sofort selbstständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt. Die Geschlechtsreife wird bei Männchen mit etwa 11 Jahren, bei Weibchen erst mit 18 bis 21 Jahren erreicht. Diese späte Geschlechtsreife in Kombination mit der langen Tragzeit und der geringen Nachkommenzahl macht die Population extrem anfällig gegenüber Überfischung.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Dornhai war über Jahrhunderte einer der am intensivsten befischten Haie weltweit. Sein Fleisch wird unter verschiedenen Handelsnamen vermarktet – in Deutschland etwa als „Schillerlocken" (geräucherter Bauchlappen) oder „Seeaal". Auch Lebertran wurde in großem Umfang aus Dornhaien gewonnen.
Durch jahrzehn