Engelshai
ETierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Squatina squatina
- Ordnung: Engelhaiartige (Squatiniformes)
- Familie: Engelhaie (Squatinidae)
- Gattung: Squatina
- Lebensraum: Küstennahe Meeresböden, Sand- und Schlammgrund, Seegraswiesen
- Größe: Bis zu 2,4 Meter Gesamtlänge, meist 1,5–1,8 Meter
- Gewicht: Bis zu 80 kg
- Lebenserwartung: Geschätzt 25–35 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Engelshai besitzt einen stark dorsoventral abgeflachten Körper, der auf den ersten Blick eher an einen Rochen als an einen typischen Hai erinnert. Tatsächlich handelt es sich jedoch eindeutig um einen Hai – die Kiemenspalten liegen seitlich am Kopf und reichen bis auf die Unterseite, während sie bei Rochen ausschließlich ventral angeordnet sind. Die großen, flügelartigen Brustflossen sind nicht mit dem Kopf verwachsen und stehen weit vom Rumpf ab, was dem Tier sein namensgebendes engelsflügelartiges Erscheinungsbild verleiht.
Die Oberseite ist sandfarben bis graubraun gefärbt und mit einem Muster aus dunkleren und helleren Flecken überzogen, das eine hervorragende Tarnung auf dem Meeresboden ermöglicht. Die Bauchseite ist weißlich. Das breite, stumpfe Maul sitzt endständig – also an der Kopfspitze – und nicht wie bei vielen anderen Haien unterständig. Vor den Augen befinden sich kurze, mit Hautlappen besetzte Nasenfortsätze (Nasalbarbeln), die als Tastorgane dienen. Zwei kleine, weit nach hinten versetzte Rückenflossen sitzen auf dem Schwanzstiel. Eine Analflosse fehlt. Die Haut ist mit feinen Placoidschuppen (Hautzähnchen) bedeckt, die sich rau anfühlen und eine für Haie typische Struktur aufweisen.
Lebensraum & Verbreitung
Das historische Verbreitungsgebiet des Engelshai erstreckte sich über weite Teile des nordöstlichen Atlantiks – von Südnorwegen und der Nordsee über die Küsten Westeuropas und des Mittelmeers bis hinunter nach Mauretanien und zu den Kanarischen Inseln. Auch im westlichen Mittelmeer und in der Adria war die Art einst verbreitet.
Heute ist das Verbreitungsgebiet stark geschrumpft. In der Nordsee und weiten Teilen des Mittelmeers gilt der Engelshai als regional ausgestorben oder extrem selten. Die letzten stabilen Vorkommen finden sich vor allem rund um die Kanarischen Inseln, die damit zum wichtigsten Refugium dieser Art geworden sind.
Als Habitat bevorzugt der Engelshai flache Küstengewässer mit sandigem oder schlammigem Grund in Tiefen von 5 bis 150 Metern, gelegentlich auch bis 500 Meter. Seegraswiesen, Sandebenen und Flussmündungen mit weichem Sediment bieten ideale Bedingungen, da sich das Tier dort eingraben und auf Beute lauern kann.
Ernährung
Der Engelshai ist ein spezialisierter Lauerjäger. Eingegraben im Sand, mit nur den Augen und Spritzlöchern über der Sedimentoberfläche, wartet er bewegungslos auf vorbeiziehende Beute. Nähert sich ein geeignetes Beutetier auf Schlagdistanz, schnellt der Hai in einer Aufwärtsbewegung empor und schnappt es mit einer extrem schnellen Kieferbewegung – der gesamte Angriff dauert weniger als eine Zehntelsekunde.
Das Nahrungsspektrum umfasst vorwiegend kleine Knochenfische wie Plattfische, Grundeln und Meerbarben. Daneben stehen Tintenfische, Krebstiere und andere bodenlebende Wirbellose auf dem Speiseplan. Die spitzen, nadelartigen Zähne im Ober- und Unterkiefer sind ideal geeignet, glitschige und schnelle Beute festzuhalten.
Verhalten & Lebensweise
Engelhaie sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie eingegraben im Sediment und verlassen ihren Liegeplatz erst nach Einbruch der Dämmerung zur aktiven Nahrungssuche. Sie gelten als standorttreu und nutzen über längere Zeiträume bevorzugte Ruheplätze, wobei saisonale Wanderungen zwischen flacheren und tieferen Gewässern dokumentiert sind. Im Sommer halten sich die Tiere tendenziell in küstennahen Flachwasserbereichen auf, im Winter ziehen sie in größere Tiefen.
Engelhaie sind Einzelgänger und verteidigen kein festes Revier, können aber an ergiebigen Nahrungsquellen in lockeren Ansammlungen auftreten. Die Art ist gegenüber Tauchern normalerweise friedlich, kann jedoch bei Störung – etwa wenn man versehentlich auf ein eingegrabenes Tier tritt – blitzschnell zubeißen. Die Bisswunden können aufgrund der scharfen Zähne schmerzhaft sein, sind für den Menschen aber nicht lebensbedrohlich.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Engelshai pflanzt sich ovovivipar fort: Die Eier werden im Mutterleib befruchtet und entwickeln sich dort, bis die Jungen vollständig entwickelt zur Welt kommen. Die Embryonen ernähren sich dabei vom Dottervorrat ihres Eies, eine Plazentaverbindung zum Muttertier besteht nicht. Nach einer Tragzeit von etwa 8 bis 12 Monaten bringt das Weibchen zwischen 7 und 25 Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen messen rund 24 bis 30 Zentimeter und sind sofort selbstständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt.
Die Geschlechtsreife wird bei Weibchen mit etwa 126–169 cm Körperlänge erreicht, bei Männchen etwas früher bei rund 80–132 cm. Der Fortpflanzungszyklus ist mit einem Wurf alle zwei Jahre relativ langsam, was die Anfälligkeit der Art gegenüber Überfischung deutlich erhöht.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Engelshai gilt als eine der am stärksten bedrohten Haiarten im nordöstlichen Atlantik und im Mittelmeer. Die IUCN stuft Squatina squatina