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Bullenhai

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Tierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Carcharhinus leucas
  • Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
  • Familie: Requiemhaie (Carcharhinidae)
  • Gattung: Carcharhinus
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Küstengewässer, Flussmündungen, Süßwassersysteme
  • Größe: 2,0–3,4 m (Weibchen größer als Männchen)
  • Gewicht: 95–230 kg, Einzeltiere bis über 300 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Bullenhai ist ein kräftig gebauter, stämmiger Hai mit einer breiten, stumpfen Schnauze, die ihm seinen englischen Namen „Bull Shark" eingebracht hat. Der Körper ist spindelförmig und wirkt im Vergleich zu anderen Requiemhaien gedrungen. Die Oberseite ist grau bis graubraun gefärbt, die Unterseite weißlich – eine typische Gegenschattierung, die als Tarnung sowohl gegenüber Beutetieren als auch gegenüber Fressfeinden dient.

Die erste Rückenflosse ist groß und dreieckig, die zweite deutlich kleiner. Die Brustflossen sind breit und lang. Die Augen sind im Verhältnis zum Kopf klein, was mit dem bevorzugten Aufenthalt in trüben Gewässern zusammenhängt, in denen das Sehvermögen ohnehin eine untergeordnete Rolle spielt. Die Haut ist mit Placoidschuppen (Hautzähnchen) bedeckt, die dem Körper eine raue Oberfläche verleihen und den Strömungswiderstand verringern.

Das Gebiss besteht aus dreieckigen, gezackten Zähnen im Oberkiefer und schmaleren, spitzen Zähnen im Unterkiefer. Diese Kombination ermöglicht es dem Bullenhai, sowohl große Beutestücke herauszureißen als auch kleinere Fische festzuhalten. Wie bei allen Haien werden die Zähne zeitlebens ersetzt; ein sogenanntes Revolvergebiss sorgt dafür, dass hintere Zahnreihen kontinuierlich nachrücken.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Bullenhais erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Küstengewässer aller Ozeane. Er kommt im westlichen Atlantik von Massachusetts bis Südbrasilien vor, im östlichen Atlantik von Marokko bis Angola, im Indischen Ozean von Südafrika bis Indien und Australien sowie im westlichen Pazifik von Vietnam bis Australien.

Sein bevorzugtes Habitat sind flache Küstengewässer, Buchten, Lagunen und Flussmündungen (Ästuare). Die herausragende Eigenschaft des Bullenhais ist jedoch seine Fähigkeit, in Süßwasser vorzudringen. Er wurde tausende Kilometer flussaufwärts im Mississippi, im Amazonas, im Ganges und im Sambesi nachgewiesen. Im Nicaraguasee lebt eine permanente Süßwasserpopulation. Diese osmoregulatorische Anpassung – die Fähigkeit, den Salzgehalt des Körpers unabhängig vom umgebenden Wasser zu regulieren – ist unter Haien nahezu einzigartig. Die Nieren des Bullenhais können die Harnstoffkonzentration im Blut aktiv anpassen, und eine spezielle Rektaldrüse unterstützt die Ausscheidung überschüssiger Salze bzw. deren Rückhaltung.

Aufgrund dieser Süßwassertoleranz wird der Bullenhai in verschiedenen Regionen unter unterschiedlichen Namen geführt: Sambesihai in Afrika, Gangeshai (nicht zu verwechseln mit dem seltenen Glyphis gangeticus) in Indien oder Nicaraguahai in Mittelamerika.

Ernährung

Der Bullenhai ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Er frisst Knochenfische, kleinere Haie und Rochen, Meeresschildkröten, Krebstiere, Kopffüßer und gelegentlich Seevögel. In Süßgewässern erbeutet er auch Süßwasserfische und wurde dabei beobachtet, wie er Nilpferde und Rinder an Tränkstellen attackiert, wobei es sich dabei in der Regel um Aas handelt.

Die Jagd erfolgt überwiegend in trübem Wasser, wo der Bullenhai seine Elektrorezeptoren (Lorenzinische Ampullen) und sein Seitenlinienorgan einsetzt, um Beutetiere aufzuspüren. Er jagt bevorzugt in der Dämmerung und den frühen Nachtstunden, kann aber zu jeder Tageszeit aktiv sein. Seine Jagdstrategie besteht häufig aus einem einzelnen, kraftvollen Stoßangriff – dem sogenannten „bump-and-bite": Der Hai rammt das Beutetier zunächst mit der Schnauze und beißt unmittelbar darauf zu.

Verhalten & Lebensweise

Bullenhaie sind Einzelgänger, die kein festes Revier verteidigen, aber durchaus regelmäßig dieselben Gebiete aufsuchen. Jüngere Tiere halten sich bevorzugt in flachen Küstengewässern und Flussmündungen auf, wo sie vor größeren Raubfischen besser geschützt sind. Adulte Individuen unternehmen teils weite Wanderungen entlang der Küsten, wobei saisonale Temperaturverschiebungen eine Rolle spielen.

Der Bullenhai gilt als eine der aggressivsten Haiarten. Er hat einen hohen Testosteronspiegel – bei Männchen wurden Werte gemessen, die zu den höchsten im Tierreich zählen. Zusammen mit seiner Vorliebe für flache, trübe Gewässer in Küstennähe und Flüssen erklärt dies, warum der Bullenhai neben dem Weißen Hai (Carcharodon carcharias) und dem Tigerhai (Galeocerdo cuvier) zu den drei Haiarten gehört, die am häufigsten in Zwischenfälle mit Menschen verwickelt sind. Viele Angriffe, die anderen Arten zugeschrieben werden, gehen nach Einschätzung von Experten tatsächlich auf das Konto von Bullenhaien.

Fortpflanzung & Aufzucht

Bullenhaie sind lebendgebärend mit Dottersack-Plazenta (vivipar). Die Paarung findet in der Regel im Spätsommer und Frühherbst statt, wobei die Männchen die Weibchen durch Bisse in die Brustflossen fixieren – ein bei Haien verbreit