Arassari
ATierart – Vögel > Tropische & exotische Vögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gattung Pteroglossus (sowie Selenidera und Aulacorhynchus)
- Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
- Familie: Tukane (Ramphastidae)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Regenwälder Mittel- und Südamerikas
- Größe: 30–45 cm (je nach Art)
- Gewicht: 100–280 g
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre (in Gefangenschaft bis zu 25 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Arassaris sind die kleineren Vertreter innerhalb der Familie der Tukane (Ramphastidae). Im Vergleich zu den großen Tukanen der Gattung Ramphastos wirken sie zierlicher und schlanker. Ihr auffälligstes Merkmal ist – wie bei allen Tukanen – der überproportional große, leicht gebogene Schnabel. Dieser besteht aus einer leichten Knochenstruktur mit wabenartigen Hohlräumen und ist trotz seiner Größe erstaunlich leicht. Die Schnabelfärbung variiert je nach Art stark und kann gelbe, rote, orangefarbene, schwarze und elfenbeinfarbene Anteile aufweisen.
Das Gefieder der Arassaris ist überwiegend dunkel auf der Oberseite – häufig in tiefem Grün oder Schwarz mit metallischem Glanz. Die Unterseite zeigt bei vielen Arten leuchtende Gelb- oder Rottöne, oft mit einem markanten roten oder schwarzen Brustband. Der Bürzel kann je nach Art rot, gelb oder grün gefärbt sein. Die Haut um die Augen ist häufig unbefiedert und auffällig gefärbt, was den Gesichtsausdruck betont. Die Füße sind zygodaktyl, das heißt zwei Zehen weisen nach vorn und zwei nach hinten – eine Anpassung, die typisch für die Ordnung der Spechtvögel ist und das Klettern an Ästen erleichtert.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Arassaris erstreckt sich von Südmexiko über Mittelamerika bis in weite Teile Südamerikas, wobei der Schwerpunkt im Amazonasbecken und den angrenzenden Tieflandregenwäldern liegt. Ihr bevorzugtes Habitat sind tropische und subtropische Feuchtwälder vom Tiefland bis in Höhenlagen von etwa 2.500 Metern. Einige Arten wie der Braunohrarassari (Pteroglossus castanotis) besiedeln auch Sekundärwälder, Waldränder und Galeriewälder entlang von Flüssen. Der Grünarassari (Pteroglossus viridis) ist dagegen stärker an geschlossene Primärwälder gebunden.
Die einzelnen Arten zeigen oft recht klar abgegrenzte Verbreitungsgebiete, die sich teilweise überlappen. Im selben Waldgebiet können durchaus zwei oder drei Arassari-Arten nebeneinander vorkommen, sofern sie unterschiedliche ökologische Nischen besetzen oder sich in der Nutzung der Waldstockwerke unterscheiden.
Ernährung
Arassaris ernähren sich überwiegend frugivor, also von Früchten. Sie spielen dadurch eine bedeutende Rolle als Samenverbreiter in ihrem Biotop. Bevorzugt werden weiche, fleischige Früchte von Palmen, Feigen, Cecropien und zahlreichen anderen tropischen Baumarten. Der große Schnabel ermöglicht es, Früchte von dünnen Zweigenden zu pflücken, die für schwerere Vögel nicht zugänglich wären.
Neben Früchten ergänzen Arassaris ihre Nahrung mit Insekten, Spinnen, kleinen Eidechsen und gelegentlich Eiern sowie Nestlingen anderer Vogelarten. Dieses opportunistische Verhalten tritt vor allem während der Brutzeit auf, wenn der Proteinbedarf erhöht ist. In Gefangenschaft werden sie mit einer Mischung aus kleingeschnittenem Obst, speziellen Weichfresserpellets und tierischem Eiweiß gefüttert.
Verhalten & Lebensweise
Arassaris sind tagaktive Vögel, die in kleinen Gruppen von vier bis zwölf Individuen durch die mittleren und oberen Stockwerke des Waldes streifen. Sie bewegen sich mit kurzen, wellenförmigen Flügen von Baum zu Baum und wirken im Flug durch den großen Schnabel und den langen, gestuften Schwanz etwas unbeholfen.
Eine Besonderheit der Arassaris ist ihr Schlafverhalten: Mehrere Tiere einer Gruppe übernachten gemeinsam in Baumhöhlen. Dabei sitzen sie dicht aneinandergedrängt, den Schwanz über den Rücken geklappt und den Schnabel unter einen Flügel gesteckt. Diese Gemeinschaftsschlafplätze dienen der Wärmeregulation, da die Temperaturen in tropischen Wäldern nachts deutlich absinken können. Eine einzelne Höhle kann fünf bis sechs Tiere beherbergen.
Die Kommunikation erfolgt über eine Reihe scharfer, nasaler Rufe und Schnatterlaute, die je nach Art variieren. Der Schwarzkehl-Arassari (Pteroglossus aracari) etwa gibt ein durchdringendes, zweisilbiges „iih-sik" von sich, das über weite Strecken hörbar ist. Ein festes Revier im engeren Sinne verteidigen Arassaris nicht; vielmehr nutzen die Gruppen überlappende Streifgebiete.
Fortpflanzung & Aufzucht
Arassaris brüten in bestehenden Baumhöhlen, die sie nicht selbst zimmern, sondern von Spechten übernehmen oder in natürlichen Hohlräumen finden. Das Gelege besteht aus zwei bis vier weißen, rundlichen Eiern. Beide Elternvögel bebrüten die Eier abwechselnd über einen Zeitraum von etwa 16 bis 18 Tagen.
Die Küken schlüpfen nackt und blind. Sie sind typische Nesthocker und werden von beiden Altvögeln – in manchen Fällen auch von weiteren Gruppenmitgliedern – gefüttert. Dieses kooperative Brutverhalten, bei dem nicht-brütende Artgenossen bei der Aufzucht helfen, ist unter den Ramphastidae verbreitet und erhöht den Bruterfolg. Nach rund 40 bis 45 Tagen verlassen die Jungvögel die Bruthöhle. Ihr Schnabel ist zunächst deutlich kürzer