Bienenelfe
BTierart – Vögel > Tropische & exotische Vögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mellisuga helenae
- Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
- Familie: Kolibris (Trochilidae)
- Gattung: Mellisuga
- Lebensraum: Küstenwälder, Sumpfgebiete und Gärten auf Kuba und der Isla de la Juventud
- Größe: 5–6 cm (einschließlich Schnabel und Schwanz)
- Gewicht: 1,6–2,6 g (Männchen im Durchschnitt leichter als Weibchen)
- Lebenserwartung: ca. 7–10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Bienenelfe gilt als der kleinste Vogel der Welt. Mit einer Gesamtlänge von nur fünf bis sechs Zentimetern und einem Gewicht, das unter dem einer handelsüblichen Büroklammer liegt, ist sie kaum größer als eine Hummel – daher auch ihr englischer Name „Bee Hummingbird".
Beim Gefieder zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Das Männchen trägt während der Brutzeit eine leuchtend schillernde Kehlfärbung (Gorget) in intensivem Rot bis Rosa, die je nach Lichteinfall metallisch irisiert. Kopf und Hals schimmern blau bis türkisfarben, der Rücken ist grünlich-blau. Außerhalb der Brutzeit verblasst die Kehlzeichnung und ähnelt stärker der des Weibchens. Das Weibchen ist insgesamt unauffälliger gefärbt: Die Oberseite erscheint blaugrün, die Unterseite ist blassgrau bis weiß. Beide Geschlechter besitzen einen kurzen, geraden Schnabel, der für die Familie der Kolibris typisch ist, sowie relativ kurze Schwanzfedern.
Die Flügel schlagen im Normalflug etwa 80-mal pro Sekunde, im Balzflug kann die Frequenz auf über 200 Schläge pro Sekunde ansteigen. Wie alle Kolibris besitzt die Bienenelfe ein stark vergrößertes Herz im Verhältnis zur Körpergröße – es macht etwa 2,5 % des Gesamtgewichts aus und schlägt in Ruhe rund 300- bis 500-mal pro Minute, bei Anstrengung bis zu 1.200-mal.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Bienenelfe ist auf Kuba und die vorgelagerte Isla de la Juventud (früher Isla de Pinos) beschränkt. Sie ist damit ein Endemit der Karibik. Innerhalb dieses begrenzten Areals besiedelt sie verschiedene Habitate: küstennahe Wälder, Sumpflandschaften mit dichtem Unterwuchs, Buschvegetation sowie Gärten und Parks in ländlichen Gebieten. Bevorzugt werden Biotope mit reichhaltigem Blütenangebot, insbesondere solche mit Lianen und Epiphyten.
Historisch war die Art über ganz Kuba verbreitet. Heute konzentrieren sich die Bestände vor allem auf die Halbinsel Zapata im Südwesten, die Sierra de Anafe bei Havanna, die Halbinsel Guanahacabibes im äußersten Westen sowie einige Gebiete im Osten der Insel. Diese Fragmentierung des Verbreitungsgebiets geht hauptsächlich auf die Umwandlung natürlicher Lebensräume in landwirtschaftliche Nutzflächen zurück.
Ernährung
Die Bienenelfe ernährt sich vorwiegend von Blütennektar, den sie im Schwirrflug aufnimmt. Die lange, gespaltene Zunge kann bis zu 13-mal pro Sekunde in eine Blüte ein- und ausgefahren werden und funktioniert dabei nach dem Kapillarprinzip. Bevorzugt werden Blüten mit hoher Nektarproduktion, etwa von Solanumarten, verschiedenen Ingwergewächsen und einheimischen Lianen.
Neben Nektar frisst die Bienenelfe kleine Insekten und Spinnen, die sie im Flug ergreift oder von Blättern und Rinde abliest. Diese tierische Nahrung liefert das nötige Protein, das der zuckerreiche Nektar allein nicht bieten kann. Täglich nimmt der Vogel die Hälfte seines Körpergewichts an Nahrung auf und besucht dabei bis zu 1.500 Blüten.
Verhalten & Lebensweise
Die Bienenelfe ist tagaktiv und einzelgängerisch. Männchen verteidigen kein festes Revier, sondern patrouillieren blühende Bäume und Sträucher, an denen sie Nahrung aufnehmen. Bei Begegnungen mit Artgenossen kann es zu kurzen, aggressiven Verfolgungsflügen kommen.
Um den enormen Energieverbrauch über die Nacht auszugleichen, verfällt die Bienenelfe regelmäßig in einen Torporzustand – eine Art kontrollierte Unterkühlung, bei der die Körpertemperatur von etwa 40 °C auf bis zu 19 °C absinkt und die Herzfrequenz auf rund 36 Schläge pro Minute gedrosselt wird. Ohne diesen Mechanismus würde der winzige Vogel seine Energiereserven nicht bis zum Morgen aufrechterhalten können.
Der Flug der Bienenelfe gleicht in seiner Manövrierfähigkeit dem aller Kolibris: Sie kann vorwärts, rückwärts, seitwärts und stationär in der Luft schweben. Das dabei erzeugte Summgeräusch ähnelt dem einer großen Biene, was ebenfalls zur Namensgebung beigetragen hat.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit erstreckt sich von März bis Juni und fällt mit der Blütezeit vieler einheimischer Pflanzen zusammen. Die Balz des Männchens besteht aus auffälligen Schauflügen, bei denen es in U-förmigen Bahnen vor dem Weibchen fliegt und dabei hohe, metallische Töne erzeugt. Das irisierend gefärbte Kehlgefieder wird dabei maximal präsentiert.
Nach der Paarung übernimmt das Weibchen allein den Nestbau und die Aufzucht. Das napfförmige Nest hat einen Durchmesser von nur etwa 2,5 Zentimetern und wird aus Rindenfasern, Flechten und Spinnweben gebaut. Spinnenseide verleiht dem Nest Elastizität, sodass es sich mit den wachsenden Jungvögeln ausdehnen kann. Das Gelege besteht aus zwei weißen Eiern, die