Atlasfalter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Attacus atlas
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Pfauenspinner (Saturniidae)
- Gattung: Attacus
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Südostasiens
- Flügelspannweite: 25–30 cm, Weibchen bis zu 32 cm
- Gewicht: Etwa 10–12 g (Imagines)
- Lebenserwartung: 1–2 Wochen als erwachsener Falter; Gesamtentwicklungszyklus ca. 3–4 Monate
Aussehen & Merkmale
Der Atlasfalter zählt zu den größten Schmetterlingen der Welt. Seine Flügelspannweite übertrifft die Handspanne eines erwachsenen Menschen deutlich – gemessen an der Flügelfläche gilt er sogar als der größte Schmetterling überhaupt. Die Vorderflügel tragen an den Spitzen auffällige, sichelförmig nach außen gebogene Verlängerungen, deren Form und Zeichnung an einen Schlangenkopf erinnern. Diese Mimikry dient vermutlich der Abschreckung potenzieller Fressfeinde wie Vögel und Eidechsen.
Die Grundfärbung der Flügel variiert zwischen Rostbraun, Rotbraun und warmem Ocker. Beide Flügelpaare tragen jeweils ein dreieckiges, durchscheinendes Fensterchen – sogenannte Hyalinflecken –, die frei von Schuppen sind und wie kleine Glasscheiben wirken. Breite, unregelmäßig geschwungene Querbänder in Weiß, Rosa und Schwarz durchziehen die Flügeloberfläche und verleihen dem Falter ein markantes, kontrastartig gemustertes Erscheinungsbild.
Der Körper ist dick und dicht mit samtigen, pelzartigen Schuppen bedeckt. Die Fühler sind bei beiden Geschlechtern gefiedert, beim Männchen jedoch deutlich breiter und stärker verzweigt. Dieser Geschlechtsdimorphismus zeigt sich auch in der Körpergröße: Weibchen sind insgesamt größer und schwerer als Männchen, besitzen aber kürzere Fühler im Verhältnis zur Körpergröße. Die Rüsselbildung ist stark reduziert – der Saugrüssel ist verkümmert und funktionslos.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Atlasfalters erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südostasiens. Er kommt von Indien und Sri Lanka über Nepal, Myanmar, Thailand, Malaysia und Indonesien bis zu den Philippinen und Südchina vor. Sein bevorzugtes Habitat sind tropische und subtropische Regenwälder, doch er besiedelt auch lichte Sekundärwälder, Plantagen und Gärten im Tiefland sowie in Höhenlagen bis etwa 1.500 Meter.
In dicht bewaldeten Biotopen halten sich die Falter bevorzugt in den mittleren und oberen Baumschichten auf. Die Raupen finden sich häufig an den Blättern verschiedener Laubbäume und Sträucher, die als Nahrungspflanzen dienen. Vereinzelt tritt die Art auch in der Nähe menschlicher Siedlungen auf, insbesondere dort, wo geeignete Futterpflanzen vorhanden sind.
Ernährung
Die Raupen des Atlasfalters sind polyphag und fressen an einer Vielzahl von Laubgehölzen. Zu den bevorzugten Futterpflanzen gehören Zimt (Cinnamomum), Götterbaum (Ailanthus), verschiedene Zitrusarten (Citrus), Liguster (Ligustrum), Guave (Psidium) und Hibiskus. Die Raupen durchlaufen fünf Larvenstadien und nehmen in dieser Phase erheblich an Masse zu – eine ausgewachsene Raupe kann eine Länge von 10 bis 12 cm erreichen.
Die erwachsenen Falter nehmen keinerlei Nahrung zu sich. Ihr verkümmerter Saugrüssel ist nicht funktionsfähig, sodass sie weder Nektar noch andere Flüssigkeiten aufnehmen können. Die gesamte Energie für Flug, Partnerfindung und Fortpflanzung stammt aus den Fettreserven, die während des Raupenstadiums angelegt wurden. Diese Eigenschaft teilt der Atlasfalter mit anderen Vertretern der Familie der Pfauenspinner.
Verhalten & Lebensweise
Atlasfalter sind überwiegend nachtaktiv und werden von künstlichen Lichtquellen angezogen. Tagsüber ruhen sie mit ausgebreiteten Flügeln an Baumstämmen, Ästen oder Blättern, wo ihre Tarnfärbung sie vor Fressfeinden schützt. Bei Störung lassen sie sich häufig zu Boden fallen und verharren dort reglos – eine Schreckhaltung, bei der die Flügelspitzen mit dem Schlangenkopf-Muster nach vorn gerichtet werden.
Männchen sind deutlich flugaktiver als Weibchen. Sie legen auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen mitunter weite Strecken zurück und orientieren sich dabei maßgeblich über ihren ausgeprägten Geruchssinn. Die stark gefiederten Fühler der Männchen können die Pheromone eines Weibchens über Entfernungen von mehreren Kilometern wahrnehmen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach dem Schlupf aus der Puppe beginnt die Suche nach einem Partner unmittelbar. Das Weibchen verströmt aus einer Drüse am Hinterleib artspezifische Sexualpheromone, die Männchen über große Distanzen anlocken. Die Paarung findet in der Regel in den Nachtstunden statt und kann mehrere Stunden dauern.
Das Weibchen legt anschließend seine Eier in kleinen Gruppen auf die Blattunterseiten geeigneter Futterpflanzen. Die Eier sind rundlich, etwa 2,5 mm groß und von einer weißlichen, klebrigen Schicht überzogen. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Raupen. Diese sind in den ersten Stadien blass grünlich und tragen wachsartige, weiße Auflagerungen auf dem Körper, die mit zunehmendem Alter abnehmen. Im letzten Larvenstadium erscheinen die Raupen hellgrün mit weißen, dornenartigen Auswüchsen.
Zur Verpuppung spinnt die Raupe einen großen, braunen Kokon aus kräftiger Seide, der in Blätter eingewoben wird.