T Tierlexikon.net
← Lexikon

Glasflügelfalter

G

Tierart – weltweit > Insekten & Wirbellose – weltweit (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Greta oto (häufigste Art); Tribus Ithomiini
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Edelfalter (Nymphalidae), Unterfamilie Danainae, Tribus Ithomiini
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Regenwälder Mittel- und Südamerikas
  • Größe: Flügelspannweite 56–61 mm
  • Gewicht: ca. 0,3–0,5 g
  • Lebenserwartung: Imagines ca. 6–12 Wochen; gesamter Lebenszyklus etwa 3–4 Monate

Aussehen & Merkmale

Glasflügelfalter, im Englischen als „Glasswing Butterflies" bekannt, verdanken ihren Namen der auffälligsten Eigenschaft ihres Körperbaus: Große Bereiche ihrer Flügel sind nahezu vollständig transparent. Während die Flügel der meisten Schmetterlinge dicht mit mikroskopisch kleinen Schuppen bedeckt sind, die für Farbmuster sorgen, fehlen diese Schuppen bei den Glasflügelfaltern in weiten Teilen der Flügelfläche. Stattdessen sind die Flügelmembranen dort extrem dünn und mit winzigen nanostrukturierten Säulen besetzt, die einfallendes Licht kaum reflektieren. Das Ergebnis ist eine Durchsichtigkeit, die unter Schmetterlingen ihresgleichen sucht.

Die transparenten Flügelfelder werden von dunkelbraunen bis orangebraunen Aderrändern und Flügelsäumen eingefasst. Entlang der äußeren Flügelkante verläuft häufig ein schmales, weißlich-opakes Band. Der Körper selbst ist schlank, dunkel gefärbt und trägt am Thorax eine feine Behaarung. Die Fühler sind fadenförmig mit leicht verdickten Enden – typisch für Tagfalter. Die Facettenaugen sind verhältnismäßig groß und dunkel.

Der Gattung Greta gehören rund 30 beschriebene Arten an. Daneben umfasst der Tribus Ithomiini insgesamt über 390 Arten in etwa 45 Gattungen, von denen viele ebenfalls transparente oder teiltransparente Flügel besitzen. Verwandte Gattungen mit ähnlicher Durchsichtigkeit sind unter anderem Hymenitis, Ithomia und Pseudoscada.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Glasflügelfalter erstreckt sich von Südmexiko über ganz Mittelamerika bis in die tropischen Tieflandregionen Südamerikas, etwa Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien. Einzelne Populationen werden gelegentlich auch im südlichen Texas nachgewiesen, wobei es sich um saisonale Irrgäste handelt.

Als Habitat bevorzugen Glasflügelfalter feuchte tropische Bergwälder und Nebelwälder in Höhenlagen zwischen 500 und 1.600 Metern. Sie besiedeln das Unterholz und die mittlere Vegetationsschicht dichter Primär- und Sekundärwälder, wo das gedämpfte Licht ihre Tarnung durch Transparenz besonders wirkungsvoll macht. In offenen Biotopen wie Lichtungen oder Waldrändern sind sie seltener anzutreffen, nutzen diese jedoch zur Nektaraufnahme.

Ernährung

Adulte Glasflügelfalter ernähren sich von Blütennektar. Sie besuchen bevorzugt Blütenstände von Pflanzen der Gattungen Lantana, Eupatorium und verschiedenen Asteraceae. Darüber hinaus nehmen vor allem die Männchen gezielt Nektar von Pflanzen auf, die Pyrrolizidinalkaloide enthalten – etwa Arten der Gattungen Heliotropium und Borago. Diese sekundären Pflanzenstoffe werden im Körper gespeichert und dienen sowohl der chemischen Abwehr gegen Fressfeinde als auch als Vorstufe für die Produktion von Sexualpheromonen.

Die Raupen ernähren sich von Blättern giftiger Nachtschattengewächse (Solanaceae), insbesondere aus der Gattung Cestrum. Durch die Aufnahme der darin enthaltenen Alkaloide werden die Larven und später auch die Puppen und Imagines für viele Prädatoren ungenießbar.

Verhalten & Lebensweise

Glasflügelfalter sind tagaktiv. Sie fliegen mit relativ langsamen, gleichmäßigen Flügelschlägen durch das Unterholz, wobei ihre Transparenz eine hocheffiziente Tarnung darstellt: Vor dem unruhigen Hintergrund der Vegetation lösen sich ihre Konturen auf und machen sie für Fressfeinde wie insektivore Vögel schwer erkennbar.

Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Sie besetzen kleine Reviere entlang schattiger Waldpfade und patrouillieren diese regelmäßig. Während der Balz versammeln sich Männchen an sogenannten Leks – offenen Stellen im Wald, an denen sie mit ihren Haarbüscheln am Hinterleib Pheromone verströmen, um Weibchen anzulocken. Diese Pheromone basieren auf den zuvor aufgenommenen Pyrrolizidinalkaloiden.

Glasflügelfalter unternehmen saisonale Wanderungen über Strecken von mehreren Dutzend Kilometern, wobei sie Höhenunterschiede von bis zu 1.000 Metern überwinden. Diese Wanderungen folgen vermutlich dem saisonalen Angebot an Nektarpflanzen und geeigneten Eiablagepflanzen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung legt das Weibchen einzelne Eier auf der Blattunterseite geeigneter Wirtspflanzen ab, überwiegend auf jungen Blättern von Cestrum-Arten. Die Eier sind weiß, leicht oval und etwa 1 mm groß.

Die Raupen schlüpfen nach etwa fünf bis sieben Tagen und durchlaufen fünf Larvenstadien. Im Erscheinungsbild sind sie grün mit violetten und roten Längsstreifen, was vor dem Hintergrund der Blattvegetation eine gewisse Tarnung bietet. Die gesamte Larvalentwicklung dauert rund drei Wochen.

Die Verpuppung erfolgt als Stürzpuppe, die frei an der Unterseite von Blättern oder Zweigen hängt. Die Puppe hat eine spiegelnde, silbrig-metallische Oberfläche – eine unter Ithomiini verbreitete Eigenschaft