Geistermantis
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Phyllocrania paradoxa Burmeister, 1838
- Ordnung: Fangschrecken (Mantodea)
- Familie: Hymenopodidae
- Gattung: Phyllocrania (monotypisch)
- Lebensraum: Trockensavannen, Buschland und lichte Wälder in Afrika und Madagaskar
- Größe: Weibchen ca. 45–50 mm, Männchen ca. 40–45 mm Körperlänge
- Gewicht: ca. 1–2 g
- Lebenserwartung: etwa 8–12 Monate (Imaginalstadium ca. 6–8 Monate)
Aussehen & Merkmale
Die Geistermantis gehört zu den eindrucksvollsten Beispielen für Phytomimese – die Nachahmung pflanzlicher Strukturen – innerhalb der Fangschrecken. Der gesamte Körperbau ist darauf ausgerichtet, ein welkes, vertrocknetes Blatt zu imitieren. Die Grundfärbung variiert zwischen verschiedenen Brauntönen, Grau, Grünlich und gelegentlich fast Schwarz, abhängig von den Umgebungsbedingungen während der Häutungsphasen.
Das auffälligste Merkmal ist ein kegelförmiger, blattartiger Fortsatz auf dem Kopf (Vertex-Auswuchs), der wie ein verdrehtes Blattstück aussieht. Ähnliche lappenförmige Auswüchse finden sich an den Femora und Tibien der Mittel- und Hinterbeine sowie seitlich am Abdomen. Diese Loben sind flach, unregelmäßig geformt und verstärken die Silhouettenauflösung. Der Prothorax ist im Verhältnis zur Körpergröße mäßig verlängert und seitlich abgeflacht.
Die Facettenaugen sind vergleichsweise groß und ermöglichen die für Mantiden typische binokulare Entfernungsmessung. Wie bei allen Fangschrecken trägt die Geistermantis ein Paar zu Fangbeinen umgebildete Vorderextremitäten mit bedornten Femora und Tibien, die blitzschnell nach Beute greifen können. Die Flügel sind beim Weibchen verkürzt und nicht flugfähig, während Männchen voll ausgebildete Flügel besitzen und kurze Strecken fliegen können.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Phyllocrania paradoxa erstreckt sich über weite Teile des subsaharischen Afrika sowie Madagaskar. Die Art besiedelt ein breites Spektrum von Habitaten, bevorzugt jedoch trockene bis halbtrockene Biotope: Trockensavannen, Dornbuschland, offene Akazienwälder und Waldränder. Auch in Kulturlandschaften und Gärten wird sie angetroffen.
Die Geistermantis hält sich bevorzugt in niedrigem Gebüsch und auf trockenen Zweigen auf, wo ihre Tarnung optimal zur Geltung kommt. In feuchteren Regenwaldgebieten fehlt sie weitgehend, da dort die ökologische Nische der Blattmimikry von anderen Arten besetzt wird. Die weite geographische Verbreitung und die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume deuten auf eine ökologisch erfolgreiche Art hin.
Ernährung
Wie alle Fangschrecken ist die Geistermantis ein reiner Fleischfresser, der ausschließlich lebende Beute erbeutet. Das Nahrungsspektrum umfasst vor allem Fluginsekten wie Fliegen, Motten, kleine Falter und andere Kleininsekten. Im Gegensatz zu größeren Mantiden-Arten wie der Afrikanischen Riesenmantis (Sphodromantis) bleibt die Geistermantis aufgrund ihrer geringen Körpergröße auf entsprechend kleine Beutetiere beschränkt.
Die Jagdstrategie ist die eines typischen Lauerjägers: Die Mantis verharrt regungslos auf einem Ast oder Zweig und wartet, bis ein Beutetier in Fangreichweite gerät. Der Fangschlag der Vorderbeine erfolgt in weniger als 60 Millisekunden. Gelegentlich zeigt die Geistermantis auch ein leichtes, rhythmisches Wiegen des Körpers, das an ein im Wind bewegtes Blatt erinnert und möglicherweise Beute anlockt – ein Verhalten, das als aggressive Mimikry gedeutet wird.
Verhalten & Lebensweise
Die Geistermantis ist überwiegend tagaktiv, zeigt jedoch auch in der Dämmerung Jagdverhalten. Männchen sind insbesondere nachts aktiv, wenn sie fliegend nach paarungsbereiten Weibchen suchen. Die Art ist solitär und zeigt kein Sozialverhalten. Begegnungen mit Artgenossen führen, sofern es sich nicht um paarungsbereite Tiere handelt, häufig zu Kannibalismus – insbesondere bei Weibchen, die kleinere Männchen oder Nymphen erbeuten.
Bei Bedrohung setzt die Geistermantis in erster Linie auf ihre hervorragende Tarnung und verharrt völlig bewegungslos. Wird sie dennoch entdeckt, kann sie eine Drohgebärde (Deimatik) zeigen: Die Fangarme werden gespreizt, die Flügel leicht geöffnet, und der Körper wird aufgerichtet, um größer zu wirken. Dieses Verhalten ist bei Phyllocrania paradoxa allerdings weniger ausgeprägt als bei verwandten Arten der Familie Hymenopodidae, etwa der Orchideenmantis (Hymenopus coronatus).
Die Entwicklung verläuft über eine unvollständige Metamorphose (Hemimetabolie). Die Nymphen durchlaufen je nach Geschlecht sechs bis acht Häutungsstadien (Instare), bevor sie das Adultstadium erreichen. Bereits im ersten Nymphenstadium sind die blattartigen Körperanhänge erkennbar.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird vom Männchen eingeleitet, das sich dem Weibchen vorsichtig von hinten nähert. Die Kopulation kann mehrere Stunden andauern. Sexueller Kannibalismus kommt vor, ist bei dieser Art aber seltener als bei manchen anderen Mantiden-Gattungen, sofern das Weibchen gut genährt ist.
Das Weibchen produziert nach der Paarung mehrere Ootheken – schaumige Eipakete, die an Zweigen oder Rinde befestigt