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Dornschrecke

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tetrigidae (Familie); zahlreiche Gattungen, u. a. Tetrix, Cladonotus, Scelimena
  • Ordnung: Heuschrecken (Orthoptera)
  • Unterordnung: Kurzfühlerschrecken (Caelifera)
  • Familie: Dornschrecken (Tetrigidae)
  • Lebensraum: Feuchtwiesen, Ufergebiete, Waldränder, tropische Regenwälder – je nach Art weltweit verbreitet
  • Größe: 5–25 mm Körperlänge (je nach Art); tropische Vertreter bis etwa 30 mm
  • Gewicht: Wenige Milligramm bis ca. 0,5 g
  • Lebenserwartung: Etwa 1–2 Jahre, abhängig von Art und Klima

Aussehen & Merkmale

Dornschrecken sind kleine bis sehr kleine Heuschrecken, die auf den ersten Blick leicht mit Grillen oder jungen Feldheuschrecken verwechselt werden können. Ihr auffälligstes Merkmal ist das stark verlängerte Halsschild (Pronotum), das sich nach hinten über den gesamten Hinterleib erstreckt und häufig in einer dornartigen Spitze ausläuft – daher der deutsche Name. Dieses Halsschild variiert je nach Art erheblich in Form und Struktur: Bei einigen Gattungen ist es glatt und dachförmig, bei anderen, vor allem tropischen Vertretern wie Cladonotus oder Discotettix, trägt es bizarre Auswüchse, Kiele und Höcker, die der Tarnung dienen.

Die Körperoberfläche ist meist rau und körnig strukturiert. Die Färbung reicht von Grau, Braun und Schwarz bis hin zu Grün und Olivtönen, wobei innerhalb einer Art erhebliche Farbvariation auftreten kann. Die Vorderflügel (Tegmina) sind bei Dornschrecken zu winzigen, schuppenartigen Resten reduziert, während die Hinterflügel bei vielen Arten voll entwickelt und unter dem verlängerten Halsschild verborgen sind. Einige Arten sind allerdings kurzflügelig oder völlig flugunfähig. Die Hinterbeine sind kräftig und ermöglichen weite Sprünge. Die kurzen, fadenförmigen Antennen bestehen in der Regel aus weniger als 22 Gliedern – ein typisches Merkmal der Kurzfühlerschrecken.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Tetrigidae ist weltweit verbreitet und umfasst rund 1.800 beschriebene Arten in über 200 Gattungen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den gemäßigten Zonen Europas und Nordamerikas bis in die tropischen Regenwälder Südostasiens, Afrikas und Mittelamerikas. Die größte Artendichte findet sich in den Tropen, insbesondere in den Bergwäldern Borneos, Neuguineas und der Philippinen.

In Mitteleuropa kommen mehrere Arten der Gattung Tetrix vor, darunter die Gemeine Dornschrecke (Tetrix undulata), die Säbeldornschrecke (Tetrix subulata) und die Langfühler-Dornschrecke (Tetrix tenuicornis). Diese Arten besiedeln bevorzugt feuchte Habitate: Ufer von Bächen und Flüssen, Nasswiesen, Kiesgruben, Moore und lückig bewachsene Rohbodenstandorte. Die Nähe zu offenem, feuchtem Substrat ist für die meisten einheimischen Arten ein entscheidender Standortfaktor, da sie dort sowohl Nahrung als auch Deckung finden. Tropische Vertreter bewohnen dagegen die Laubstreu und die bodennahe Vegetation dichter Wälder.

Ernährung

Dornschrecken ernähren sich überwiegend von Algen, Moosen, Flechten und zersetzender Pflanzenmasse. Damit unterscheiden sie sich deutlich von den meisten anderen Kurzfühlerschrecken, die vorwiegend frische Gräser und Kräuter fressen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt am Boden, wo die Tiere mit ihren Mundwerkzeugen den Algenbewuchs von Steinen, feuchter Erde oder morschem Holz abraspeln. Einige Arten nehmen auch Detritus und organische Partikel aus dem Bodenschlamm auf. Diese Ernährungsweise erklärt die starke Bindung vieler Tetrigidae an feuchte Biotope, in denen Algen- und Moospolster ganzjährig verfügbar sind.

Verhalten & Lebensweise

Dornschrecken sind überwiegend tagaktiv und halten sich bodennah auf. Ihre geringe Größe und die rindenähnliche oder erdbraune Körperfarbe machen sie am Boden nahezu unsichtbar – eine hocheffektive Kryptotarnung, die sie vor Fressfeinden wie Vögeln, Spinnen und Laufkäfern schützt. Bei Störung reagieren die Tiere mit schnellen Sprüngen, seltener mit kurzen Flügen. Manche tropische Arten, etwa der Gattung Scelimena, sind bemerkenswert gute Schwimmer und können auf Wasseroberflächen laufen oder kurze Strecken schwimmend zurücklegen.

Dornschrecken sind Einzelgänger ohne ausgeprägte Revierbildung. Sie bilden keine Schwärme und kommunizieren – anders als viele Laubheuschrecken oder Grillen – nicht über Stridulation. Ein Gesang fehlt, da die für die Lautproduktion nötigen Strukturen (Schrillkanten) nicht ausgebildet sind. Die Tiere orientieren sich primär visuell und über Vibrationsreize.

In Mitteleuropa überwintern adulte Dornschrecken oder Nymphen in späten Larvenstadien unter Laub, Moos und Steinen. Bereits im zeitigen Frühjahr – oft schon im März – können sie an sonnigen Tagen aktiv beobachtet werden, was sie zu den frühesten im Jahr auftretenden Heuschrecken in Europa macht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet im Frühjahr und Frühsommer statt. Das Männchen nähert sich dem Weibchen ohne aufwendige Balzrituale und steigt direkt zur Kopulation auf. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in feuchte Erde, Sand oder Moos ab. Eine