Blattschrecke
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Phylliidae (Familie); zahlreiche Gattungen, u. a. Phyllium, Pulchriphyllium, Chitoniscus
- Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
- Familie: Phylliidae (Wandelnde Blätter)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Regenwälder Süd- und Südostasiens, Australiens, Melanesiens
- Größe: 40–110 mm Körperlänge, je nach Art und Geschlecht
- Gewicht: ca. 2–8 g
- Lebenserwartung: 6–12 Monate (Imaginalstadium); Gesamtentwicklung mit Eistadium bis zu zwei Jahre
Aussehen & Merkmale
Blattschrecken gehören zu den extremsten Beispielen für Phytomimese – also die Nachahmung pflanzlicher Strukturen – im gesamten Tierreich. Der dorsoventral stark abgeflachte Körper ist blattförmig verbreitert. Kopf, Thorax und vor allem das Abdomen tragen seitliche, lappenartige Auswüchse, die zusammen mit der blattgrünen Grundfärbung den Eindruck eines intakten oder leicht verwelkten Laubblattes erzeugen. Auf der Körperoberfläche verlaufen erhabene Adern, die in Verlauf und Verzweigung den Blattnerven zweikeimblättriger Pflanzen gleichen.
Die Vorderflügel (Tegmina) der Weibchen sind stark verbreitert und bedecken den Hinterleib nahezu vollständig. Sie dienen nicht dem Flug, sondern ausschließlich der Tarnung. Männchen besitzen dagegen funktionsfähige Hinterflügel und sind deutlich schlanker. Der Sexualdimorphismus ist bei Blattschrecken daher stark ausgeprägt: Weibchen erreichen eine erheblich größere Körperbreite, während Männchen kleiner, schmaler und deutlich mobiler sind.
Die sechs Beine sind abgeflacht; besonders die Femora der Vorder- und Mittelbeine tragen blattartige Erweiterungen. An den Tibien sitzen kleine Dornen, die Halt auf der Vegetation bieten. Die fadenförmigen Antennen sind bei Weibchen kurz, bei Männchen deutlich länger. Die Färbung variiert artspezifisch und individuell von kräftigem Grün über gelbgrün bis hin zu bräunlichen Tönungen, die welkendes Laub imitieren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Phylliidae erstreckt sich über die tropischen Regionen Süd- und Südostasiens – von Indien und Sri Lanka über Malaysia, Indonesien und die Philippinen bis nach Neuguinea und Nordaustralien. Einzelne Arten kommen auch auf den Seychellen und weiteren Inseln des Indischen Ozeans vor.
Ihr bevorzugtes Habitat sind dichte, immergrüne Regenwälder mit hoher Luftfeuchtigkeit und ganzjährig warmem Klima. Blattschrecken halten sich überwiegend in der Strauch- und Baumschicht auf, wo sie zwischen lebendem Laub sitzen. In diesem Biotop ist ihre Tarnung am wirksamsten. In gestörten Waldgebieten, Sekundärwäldern oder Plantagen sind sie seltener anzutreffen, da offenere Strukturen die Effektivität der Mimese verringern.
Ernährung
Blattschrecken sind ausschließlich herbivor. Sie fressen die Blätter verschiedener tropischer Laubbäume und Sträucher. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Guave (Psidium guajava), Mango (Mangifera indica), Rambutan (Nephelium lappaceum) sowie verschiedene Eichenarten. In Gefangenschaft werden auch Brombeer- und Eichenblätter gut angenommen.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt fast ausschließlich nachts. Tagsüber verharren die Tiere regungslos an Zweigen oder Blättern, um ihre Tarnung nicht zu gefährden. Der Fraß beginnt typischerweise am Blattrand; die Mandibeln schneiden dabei halbkreisförmige Buchten aus dem Blattgewebe.
Verhalten & Lebensweise
Blattschrecken sind nachtaktiv und leben einzelgängerisch. Tagsüber sitzen sie in einer für sie typischen Ruheposition mit seitlich angelegten Vorderbeinen und leicht pendelndem Körper. Diese Pendelbewegung, die durch leichten Windeinfluss ausgelöst oder verstärkt wird, ahmt die Bewegung eines Blattes im Wind nach und steigert den Tarneffekt zusätzlich.
Bei Störung lassen sich Blattschrecken häufig vom Ast fallen und verharren am Boden regungslos – ein Verhalten, das als Thanatose (Todstellreflex) bezeichnet wird. Manche Arten pressen die Beine dabei eng an den Körper und ähneln so einem abgefallenen Blatt noch stärker. Fluchtverhalten durch Wegrennen oder Flug ist bei Weibchen selten, bei flugfähigen Männchen gelegentlich zu beobachten.
Blattschrecken verteidigen kein Revier. Ihre einzige Überlebensstrategie gegenüber Fressfeinden wie Vögeln, Geckos und Spinnen ist die Kryptsis – das Vermeiden der Entdeckung durch optische Täuschung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung verläuft bei vielen Blattschreckenarten sowohl sexuell als auch parthenogenetisch. Weibchen können auch ohne Begattung durch ein Männchen fertile Eier ablegen; aus diesen unbefruchteten Eiern schlüpfen ausschließlich weibliche Nachkommen. Parthenogenese ist insbesondere bei Arten verbreitet, deren Männchen selten oder in manchen Populationen nahezu unbekannt sind.
Die Eiablage erfolgt einzeln. Die Weibchen lassen die Eier vom Ast auf den Waldboden fallen oder schleudern sie mit einer Abdominalbewegung seitlich weg. Die Eier sind hartschalig, samenartig geformt und ähneln kleinen Pflanzensamen – eine zusätzliche Mimese auf Eistadiumebene. Die Embryonalentwicklung dauert je nach Art und Umgebungstemperatur zwischen drei und neun Monaten.
Die Nymphen durchlaufen sechs bis sieben Häutungen bis zum Erreichen des Imaginalstadiums. Frisch geschlüpfte Nymp