Augenfalter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Satyrinae (Unterfamilie)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
- Artenanzahl: Weltweit etwa 2.500 Arten, in Mitteleuropa rund 60 Arten
- Lebensraum: Grasland, Waldlichtungen, Magerrasen, Feuchtwiesen, alpine Matten
- Flügelspannweite: 25–70 mm je nach Art
- Gewicht: 0,1–0,5 g
- Lebenserwartung: Als Falter wenige Wochen; gesamter Lebenszyklus inklusive Larvalstadium etwa 10–12 Monate
Aussehen & Merkmale
Augenfalter verdanken ihren deutschen Namen den auffälligen, ringförmigen Flecken auf den Flügelunterseiten und oft auch auf den Flügeloberseiten. Diese sogenannten Augenflecken – in der Fachsprache Ocelli – bestehen aus konzentrischen Ringen in Schwarz, Braun, Orange und Weiß, häufig mit einem hellen Kernpunkt. Die Grundfärbung der Flügel ist bei den meisten Arten unauffällig: Braun-, Ocker- und Grautöne dominieren, was den Tieren in Ruhestellung eine gute Tarnung im Gras und auf dem Waldboden verschafft.
Die Flügelschuppen sind bei vielen Arten auf der Unterseite feiner strukturiert als auf der Oberseite, was das typische marmorierte Muster erzeugt. Männchen besitzen bei einigen Gattungen sogenannte Duftschuppen (Androconien) auf den Vorderflügeln, die als dunklere Flecken oder Streifen sichtbar sind und bei der Balz eine Rolle spielen.
Ein weiteres Merkmal der Augenfalter ist die Verdickung einzelner Flügeladern an der Basis der Vorderflügel. Diese aufgeblähten Adern – bei den Vorderflügeln betrifft es vor allem die Costal-, Subcostal- und Medianader – dienen als Resonanzkörper und sind ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Unterfamilien der Edelfalter. Die Vorderbeine sind wie bei allen Nymphalidae zu kleinen Putzpfoten zurückgebildet und werden nicht zum Laufen genutzt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Augenfalter erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die größte Artenvielfalt findet sich in den Tropen Südostasiens und Südamerikas, doch auch in Europa ist die Unterfamilie mit zahlreichen Arten vertreten. In Mitteleuropa zählen das Große Ochsenauge (Maniola jurtina), der Schornsteinfeger oder Braune Waldvogel (Aphantopus hyperantus), das Waldbrettspiel (Pararge aegeria) und der Kleine Heufalter (Coenonympha pamphilus) zu den häufigsten Vertretern.
Die einzelnen Arten besiedeln sehr unterschiedliche Habitate. Während das Große Ochsenauge offene Wiesen und Wegränder bevorzugt, ist das Waldbrettspiel an lichte Laubwälder und schattige Waldwege gebunden. Alpine Arten wie der Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops) oder der Unpunktierte Mohrenfalter (Erebia pharte) bewohnen Bergwiesen und subalpine Matten. Einige Arten, etwa der Gletscherfalter (Oeneis glacialis), kommen ausschließlich oberhalb der Baumgrenze vor. Diese enge Bindung an bestimmte Biotope macht viele Augenfalter zu wertvollen Zeigerarten für den Zustand von Lebensräumen.
Ernährung
Erwachsene Augenfalter saugen Nektar an Blüten, wobei sie verglichen mit anderen Tagfaltern weniger stark auf bestimmte Blütenpflanzen angewiesen sind. Viele Arten nutzen zusätzlich oder bevorzugt andere Nahrungsquellen: überreifes Fallobst, ausfließende Baumsäfte, feuchte Erdstellen und gelegentlich Tierkot. Das Waldbrettspiel etwa wird selten an Blüten beobachtet und ernährt sich überwiegend von Baumsäften und Honigtau.
Die Raupen der Augenfalter sind fast ausnahmslos Grasfresser. Sie ernähren sich von verschiedenen Süßgräsern (Poaceae) und in einigen Fällen von Sauergräsern (Cyperaceae) oder Binsengewächsen (Juncaceae). Diese Spezialisierung auf Gräser unterscheidet die Satyrinae deutlich von vielen anderen Tagfalter-Gruppen. Die Raupen fressen vorwiegend in der Dämmerung und nachts, um Fressfeinden auszuweichen.
Verhalten & Lebensweise
Augenfalter sind tagaktive Schmetterlinge, deren Aktivitätsphase je nach Art und Lebensraum variiert. Das Waldbrettspiel zeigt ein ausgeprägtes Revierverhalten: Männchen besetzen sonnenbeschienene Stellen am Waldboden oder auf Blättern und vertreiben andere Männchen durch kurze, spiralförmige Verfolgungsflüge. Andere Arten wie das Große Ochsenauge sind weniger territorial und durchstreifen größere Areale auf der Suche nach Weibchen.
Der Flugstil der Augenfalter ist typischerweise hüpfend und wellenförmig, oft bodennah über der Grasnarbe. Bei Störung klappen viele Arten die Flügel zusammen und zeigen die Unterseite – die kryptische Färbung lässt sie dann zwischen trockenen Blättern oder Grashalmen nahezu verschwinden. Die Augenflecken auf den Flügeln erfüllen dabei eine doppelte Funktion: In der Abschreckposition werden sie ruckartig gezeigt, um Fressfeinde kurz zu irritieren. Gleichzeitig lenken sie Angriffe von Vögeln auf die Flügelränder, sodass der Falter zwar beschädigte Flügel davonträgt, aber überlebt.
Die meisten mitteleuropäischen Arten überwintern als Raupe, seltener als Puppe. Einige Raupen fallen dabei in eine Diapause, noch bevor sie nennenswert Nahrung aufgenommen haben, und beginnen erst im Frühjahr zu fressen.
Fortpflanzung & Aufzucht
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