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Bläuling

B

Tierart – Insekten > Schmetterlinge – Tagfalter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lycaenidae (Familie); zahlreiche Gattungen und Arten, z. B. Polyommatus icarus (Hauhechel-Bläuling)
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
  • Lebensraum: Magerrasen, Trockenwiesen, Heiden, Feuchtwiesen, Waldränder, Brachflächen
  • Größe: Flügelspannweite je nach Art 20–40 mm
  • Gewicht: ca. 0,02–0,05 g
  • Lebenserwartung: Imago (Falter) etwa 1–3 Wochen; gesamter Lebenszyklus einschließlich Ei, Raupe und Puppe mehrere Monate bis über ein Jahr

Aussehen & Merkmale

Die Bläulinge gehören zu den kleinsten heimischen Tagfaltern. Ihr auffälligstes Merkmal ist die Flügeloberseite der Männchen, die in verschiedenen Blau-, Violett- oder Kupfertönen schillert. Diese Färbung entsteht nicht allein durch Pigmente, sondern zu einem erheblichen Teil durch Strukturfarben: Mikroskopisch feine Schuppen auf der Flügeloberfläche brechen das Licht und erzeugen so den metallischen Glanz. Die Weibchen vieler Arten sind dagegen unauffälliger gefärbt – häufig braun mit orangefarbenen Randflecken.

Die Flügelunterseiten beider Geschlechter zeigen ein artspezifisches Muster aus dunklen, oft hell umrandeten Augenflecken (Ozellen) auf grauem, beigem oder bräunlichem Grund. Dieses Muster dient der Tarnung bei zusammengeklappten Flügeln und ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal zur Unterscheidung der einzelnen Arten. Der Körper ist schlank, die Fühler enden in einer deutlichen Kolbe, und die Facettenaugen sind vergleichsweise groß. Die Vorderbeine sind bei beiden Geschlechtern voll ausgebildet und funktionsfähig – ein Unterschied zu manchen anderen Tagfalterfamilien wie den Edelfaltern (Nymphalidae), bei denen das erste Beinpaar reduziert ist.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Lycaenidae ist weltweit verbreitet und umfasst schätzungsweise 5.000 bis 6.000 Arten. In Mitteleuropa kommen etwa 50 Arten vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis, wobei die größte Artenvielfalt in den Tropen liegt.

In Deutschland besiedeln Bläulinge sehr unterschiedliche Habitate. Viele Arten sind an nährstoffarme, extensiv genutzte Biotope gebunden: Kalkmagerrasen, Sandtrockenrasen, Heiden und magere Feuchtwiesen zählen zu den bevorzugten Lebensräumen. Der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) gilt als die häufigste und am wenigsten spezialisierte Art und kommt auch in Gärten, an Straßenrändern und auf Ruderalflächen vor. Andere Arten wie der Lungenenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon) oder der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) stellen dagegen sehr enge Ansprüche an ihr Habitat und sind auf das Vorkommen bestimmter Futterpflanzen und Wirtsameisen angewiesen.

Ernährung

Die ausgewachsenen Falter ernähren sich von Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Bevorzugt werden niedrigwüchsige Kräuter und Wildblumen wie Hornklee, Esparsette, Thymian und verschiedene Kleearten. Die Raupen sind dagegen je nach Art auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert. Viele Lycaeniden-Raupen fressen an Schmetterlingsblütlern (Fabaceae), andere an Enziangewächsen, Storchschnabelgewächsen oder Wiesenknopf-Arten.

Eine Besonderheit zeigen die Raupen einiger Ameisenbläulinge der Gattung Phengaris: Sie werden nach einer anfänglichen pflanzenfressenden Phase von Ameisen in deren Nest getragen, wo sie sich räuberisch von der Ameisenbrut ernähren oder sich von den Arbeiterinnen füttern lassen. Diese myrmekophile Lebensweise ist ein Schlüsselmerkmal der gesamten Familie, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Viele Lycaeniden-Raupen unterhalten zumindest lockere Beziehungen zu Ameisen, indem sie über spezielle Drüsen (Newcomer-Drüse) zuckerhaltige Sekrete absondern, die Ameisen anlocken und im Gegenzug einen gewissen Schutz vor Fressfeinden bieten.

Verhalten & Lebensweise

Bläulinge sind tagaktive Schmetterlinge, die vor allem bei sonnigem, warmem Wetter fliegen. Bei bedecktem Himmel oder kühlen Temperaturen sitzen sie mit geschlossenen Flügeln an Grashalmen und Pflanzenstängeln. Zur Thermoregulation richten sie ihre Flügel seitlich zur Sonne aus, um die Körpertemperatur auf das für die Flugmuskulatur notwendige Niveau zu bringen.

Männchen vieler Arten zeigen ein territoriales Verhalten und verteidigen kleine Reviere, die sie im Patrouillenflug überwachen. Die Balz besteht aus kurzen Verfolgungsflügen, bei denen das Männchen das Weibchen umkreist. Pheromone spielen bei der Partnerfindung eine wesentliche Rolle. Männchen besitzen auf den Flügeloberseiten oft sogenannte Duftschuppen (Androconien), die artspezifische Duftstoffe freisetzen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen direkt auf oder nahe der jeweiligen Raupen-Futterpflanze ab. Die Eier sind linsenförmig und fein strukturiert. Je nach Art und Witterung schlüpfen die Raupen nach ein bis drei Wochen. Die Raupenentwicklung umfasst in der Regel vier Larvenstadien. Die Raupen sind gedrungen, asselfürmig und häufig grün gefärbt mit artspezifischen Zeichnungen.

Die Verpuppung findet entweder am Boden, in der Streuschicht