Bartschwein
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sus barbatus
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Echte Schweine (Suidae)
- Gattung: Sus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Mangrovenwälder und Sekundärwälder Südostasiens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 100–165 cm, Schulterhöhe 70–85 cm
- Gewicht: 57–150 kg, in Ausnahmefällen bis über 200 kg
- Lebenserwartung: 16–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Bartschwein verdankt seinen deutschen Namen dem auffälligen Haarbüschel, der sich beidseitig entlang des Unterkiefers und über die Wangen bis zur Schnauzenspitze erstreckt. Dieser namensgebende „Bart" besteht aus langen, hellen bis gelblichen Borstenhaaren, die besonders bei adulten Keilern stark ausgeprägt sind. Die übrige Körperbehaarung ist vergleichsweise spärlich und von graubrauner bis dunkelbrauner Färbung. Die Haut schimmert an wenig behaarten Stellen rötlich bis dunkelgrau.
Der Körperbau ist robust und langgestreckt, mit relativ schlanken Beinen im Vergleich zu anderen Vertretern der Gattung Sus. Der Rüssel ist lang und schmal, die Warzen im Gesichtsbereich – typisch für viele Suidae – sind beim Bartschwein weniger prominent als etwa beim Warzenschwein (Phacochoerus africanus). Die Ohren sind klein und abgerundet. Keiler besitzen gut entwickelte, nach oben gebogene Eckzähne (Hauer), die sowohl als Waffe bei Rivalenkämpfen als auch beim Aufbrechen des Waldbodens dienen.
Es werden zwei bis drei Unterarten unterschieden: das Borneo-Bartschwein (Sus barbatus barbatus), das Palawan-Bartschwein (Sus barbatus ahoenobarbus) und das von manchen Autoren als eigene Unterart geführte Sumatra-Bartschwein. Die Unterarten unterscheiden sich vor allem in der Ausprägung des Bartes und geringfügig in Körpergröße und Schädelmorphologie.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Bartschweins umfasst die Malaiische Halbinsel, Sumatra, Borneo sowie mehrere kleinere Inseln der Philippinen, insbesondere Palawan. Das bevorzugte Habitat sind tropische Tiefland- und Bergregenwälder bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern. Bartscheine besiedeln darüber hinaus Mangrovenwälder, Sumpfgebiete, Sekundärwälder und gelegentlich auch landwirtschaftlich genutzte Flächen in Waldnähe.
Die höchsten Populationsdichten finden sich auf Borneo, wo die Art in den ausgedehnten Dipterocarpaceen-Wäldern optimale Lebensbedingungen vorfindet. Die Bindung an den tropischen Regenwald ist eng: Die Verfügbarkeit von Früchten bestimmter Baumarten – vor allem der Flügelfruchtgewächse (Dipterocarpaceae) – bestimmt maßgeblich die Raumnutzung und Wanderbewegungen der Populationen.
Ernährung
Bartschweine sind Allesfresser mit einem deutlichen Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Den Hauptanteil der Nahrung bilden herabgefallene Früchte, Samen, Wurzeln und Knollen. Daneben fressen sie Pilze, Wirbellose wie Regenwürmer und Insektenlarven sowie gelegentlich kleine Wirbeltiere und Aas. Die Schnauze dient als effizientes Grabwerkzeug, mit dem der Waldboden systematisch durchgewühlt wird.
Eine ökologisch bedeutsame Rolle spielen Bartschweine als Samenverbreiter: Zahlreiche Pflanzensamen passieren den Verdauungstrakt unbeschadet und werden an entfernten Stellen ausgeschieden. Gleichzeitig fungieren sie als Prädatoren bestimmter Samenarten und beeinflussen so die Zusammensetzung der Waldvegetation erheblich.
Verhalten & Lebensweise
Bartschweine sind überwiegend tagaktiv, zeigen in Gebieten mit starkem menschlichem Störungsdruck jedoch zunehmend dämmerungs- und nachtaktive Tendenzen. Sie leben in Gruppen (Rotten) von meist 5 bis 30 Tieren, die aus mehreren Bachen mit ihrem Nachwuchs bestehen. Keiler schließen sich außerhalb der Paarungszeit häufig zu lockeren Junggesellenverbänden zusammen oder streifen einzelgängerisch umher.
Besonders auf Borneo sind Bartschweine für ihre ausgedehnten Wanderungen bekannt. Hunderte bis tausende Tiere ziehen dabei in großen Herden durch den Regenwald – ausgelöst durch die Massenfruktifikation der Dipterocarpaceen, die in unregelmäßigen Abständen von mehreren Jahren auftritt. Diese Wanderzüge können sich über Strecken von mehreren hundert Kilometern erstrecken und stellen eines der eindrucksvollsten Phänomene der südostasiatischen Tierwelt dar. Die Tiere folgen dabei traditionellen Routen, die über Generationen beibehalten werden.
Die Kommunikation erfolgt über ein breites Repertoire an Lautäußerungen – von tiefen Grunzlauten zur Kontaktpflege innerhalb der Rotte bis zu scharfen Warnrufen bei Gefahr. Zu den natürlichen Feindarten zählen der Nebelparder (Neofelis nebulosa), größere Pythonarten und auf Borneo in historischer Zeit auch der inzwischen dort ausgestorbene Tiger.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit ist eng an die Nahrungsverfügbarkeit gekoppelt und fällt häufig in die Monate vor oder während einer Massenfruktifikation. Keiler konkurrieren um paarungsbereite Bachen, wobei es zu Kämpfen mit den Hauern kommen kann. Die Tragzeit beträgt etwa 120 bis 150 Tage. Die Bache errichtet kurz vor der Geburt ein Nest aus Zweigen, Blättern und Gräsern am Waldboden.
Ein Wurf umfasst in der Regel zwei bis acht Frischlinge