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Hirscheber

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Schweine

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Babyrousa (Gattung); bekannteste Art: Babyrousa celebensis (Sulawesi-Hirscheber)
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Unterordnung: Schweineartige (Suina)
  • Familie: Echte Schweine (Suidae)
  • Gattung: Babyrousa
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Sumpfgebiete und Flussufer auf der indonesischen Insel Sulawesi und vorgelagerten Inseln
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 85–110 cm, Schulterhöhe 65–80 cm
  • Gewicht: 60–100 kg
  • Lebenserwartung: Bis zu 24 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn vermutlich 10–15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Hirscheber unterscheidet sich äußerlich deutlich von allen anderen Vertretern der Familie der Echten Schweine. Sein Körperbau ist vergleichsweise schlank und hochbeinig, was ihm eine fast hirschähnliche Silhouette verleiht – ein Umstand, der ihm auch seinen deutschen Namen eingebracht hat. Das Fell ist graubraun bis dunkelgrau und auffällig dünn und spärlich, sodass die darunter liegende Haut an vielen Körperstellen durchscheint. Die Haut selbst wirkt oft faltig und ledrig. Ein Borstenkamm entlang des Rückens, wie er bei vielen Wildschweinen vorkommt, fehlt weitgehend.

Das auffälligste Merkmal der Hirscheber sind die Eckzähne der Männchen. Die unteren Hauer ragen – wie bei anderen Schweineartigen auch – seitlich aus dem Maul nach oben. Einzigartig in der gesamten Säugetierwelt sind jedoch die oberen Eckzähne: Statt nach unten zu wachsen, durchstoßen sie die Oberseite des Oberkiefers und des Nasenrückens und krümmen sich in einem Bogen nach hinten, manchmal bis zur Stirn hin. Bei alten Männchen können diese Zähne eine Länge von über 30 cm erreichen und sich im Extremfall spiralförmig einrollen. Der Kopf ist relativ klein, der Rüssel kürzer als bei europäischen Wildschweinen. Weibchen besitzen deutlich kleinere Eckzähne, die die Haut nicht durchbrechen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Babyrousa beschränkt sich auf die indonesische Insel Sulawesi sowie einige kleinere vorgelagerte Inseln wie Togian, Sula und Buru. Damit gehören Hirscheber zu den Säugetieren mit einem sehr begrenzten natürlichen Areal. Innerhalb der Gattung werden heute vier Arten unterschieden: der Sulawesi-Hirscheber (B. celebensis), der Togian-Hirscheber (B. togeanensis), der Molukken-Hirscheber (B. babyrussa) und der Gold-Hirscheber (B. bolabatuensis), der erst 2017 beschrieben wurde.

Ihr bevorzugtes Habitat sind dichte tropische Regenwälder im Tiefland, insbesondere in der Nähe von Flüssen, Seen und Sumpfgebieten. Die Tiere nutzen Gewässer regelmäßig zum Baden und Suhlen. Gelegentlich werden sie auch in Sekundärwäldern und an Waldrändern beobachtet, meiden jedoch offenes Grasland und landwirtschaftlich genutzte Flächen weitgehend. Die enge Bindung an ungestörte Waldgebiete macht sie besonders anfällig für Lebensraumverlust.

Ernährung

Hirscheber sind Allesfresser, wobei pflanzliche Nahrung den Hauptanteil der Ernährung ausmacht. Sie fressen Früchte, Blätter, Wurzeln, Pilze und Baumrinde. Anders als viele andere Schweineartige wühlen Hirscheber den Boden nur selten mit dem Rüssel auf, was möglicherweise mit dem vergleichsweise schwach ausgebildeten Rüssel zusammenhängt. Stattdessen sammeln sie herabgefallene Früchte vom Waldboden auf. Ergänzt wird die pflanzliche Kost durch Insektenlarven, Würmer und gelegentlich kleine Wirbeltiere. An bestimmten Stellen im Wald, sogenannten Salzlecken, nehmen die Tiere mineralhaltige Erde auf, um ihren Mineralstoffbedarf zu decken. Diese Salzlecken dienen auch als soziale Treffpunkte.

Verhalten & Lebensweise

Hirscheber sind überwiegend tagaktiv, zeigen in Gebieten mit menschlicher Störung aber auch dämmerungs- und nachtaktive Verhaltensweisen. Männchen leben außerhalb der Paarungszeit meist einzelgängerisch und durchstreifen ein relativ großes Revier. Weibchen bilden kleine Gruppen von zwei bis fünf Tieren, oft zusammen mit ihrem Nachwuchs.

Die imposanten Eckzähne der Männchen spielen bei innerartlichen Auseinandersetzungen eine Rolle. Rivalisierende Männchen stellen sich auf die Hinterbeine und versuchen, den Gegner mit den unteren Hauern zu verletzen, während die oberen Eckzähne möglicherweise als eine Art Schutzschild dienen, um Schläge des Kontrahenten abzufangen. Diese Deutung ist in der Forschung allerdings umstritten; manche Zoologen halten die oberen Hauer eher für ein sexuelles Selektionsmerkmal ohne direkte Kampffunktion. Die Kommunikation erfolgt über Grunzlaute, Schnaufen und Klappern der Zähne.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung der Hirscheber weist einige Besonderheiten innerhalb der Schweinefamilie auf. Die Tragzeit beträgt 150 bis 165 Tage und ist damit länger als bei den meisten anderen Schweineartigen. Pro Wurf kommen in der Regel nur ein bis zwei, selten drei Jungtiere zur Welt – eine für Schweine ungewöhnlich niedrige Zahl. Die Frischlinge besitzen kein gestreiftes Jugendkleid, wie es etwa bei Wildschweinen (Sus scrofa) typisch ist, sondern sind einheitlich braun gefärbt.

Die Mutter säugt die Jungen etwa sechs bis acht Monate lang. Weibchen verfügen über nur ein Paar funktionsf