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Pinselohrschwein

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Schweine

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Potamochoerus porcus
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Echte Schweine (Suidae)
  • Gattung: Potamochoerus
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Galeriewälder, Sumpfgebiete und Savannen West- und Zentralafrikas
  • Körperlänge: 100–150 cm
  • Schulterhöhe: 55–80 cm
  • Gewicht: 45–130 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre (in Gefangenschaft bis zu 22 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Das Pinselohrschwein gilt als eine der farbenprächtigsten Wildschweinarten weltweit. Das Fell ist überwiegend leuchtend rotbraun bis orangerot gefärbt und hebt sich dadurch deutlich von den gedeckten Tönen verwandter Arten ab. Entlang des Rückens verläuft ein auffälliger weißer Aalstrich – ein schmaler Streifen heller Haare von den Schultern bis zur Kruppe. Die Flanken können je nach Unterart und Verbreitungsgebiet unterschiedlich intensiv gefärbt sein.

Namensgebend sind die langen, weißen oder gelblichen Haarbüschel an den Ohrenspitzen, die als „Pinsel" bezeichnet werden. Sie verleihen dem Tier sein unverwechselbares Erscheinungsbild. Das Gesicht ist überwiegend schwarz mit weißlichen Zeichnungen um die Augen und an den Wangen. Beide Geschlechter tragen kurze, nach oben gebogene Eckzähne (Hauer), die beim Keiler deutlich stärker ausgeprägt sind als bei der Bache. Seitlich am Rüssel sitzen bei älteren Männchen knöcherne Wülste, die als Schutzpolster bei Rangkämpfen dienen.

Der Körperbau ist kompakt und seitlich leicht abgeflacht – eine Anpassung an das Leben in dichter Vegetation. Die Beine sind relativ kurz, aber kräftig. Der Schwanz ist dünn, mittellang und endet in einer dunklen Quaste. Jungtiere weisen eine bräunliche Grundfärbung mit hellen Längsstreifen auf, die als Tarnmuster im Unterholz dient und sich mit zunehmendem Alter verliert.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Pinselohrschweins erstreckt sich über weite Teile West- und Zentralafrikas, von Senegal und Guinea im Westen bis in den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Vereinzelte Populationen kommen auch auf den Inseln im Golf von Guinea vor, etwa auf São Tomé, wo die Art wahrscheinlich durch den Menschen eingeführt wurde.

Als bevorzugtes Habitat dienen tropische Regenwälder, dichte Sekundärwälder, Galeriewälder entlang von Flussläufen und feuchte Savannengebiete. Pinselohrschweine sind eng an Gewässer gebunden und meiden offene, trockene Landschaften. Sie besiedeln Tieflandwälder ebenso wie montane Wälder bis in Höhen von etwa 2.000 Metern. In Gebieten, in denen Wälder durch landwirtschaftliche Nutzung fragmentiert wurden, dringen sie gelegentlich in Plantagen und Anbauflächen vor, was regelmäßig zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung führt.

Die nah verwandte Schwesterart, das Buschschwein (Potamochoerus larvatus), besiedelt das östliche und südliche Afrika. In den Überlappungszonen beider Arten – etwa im östlichen Kongo – kommen Hybridisierungen vor.

Ernährung

Pinselohrschweine sind ausgesprochene Allesfresser (Omnivoren). Ihr Nahrungsspektrum umfasst Wurzeln, Knollen, Früchte, Samen, Pilze, Gräser und Blätter. Daneben fressen sie Insekten, Larven, Schnecken, Würmer, Eier, kleine Wirbeltiere und Aas. Mit ihrem kräftigen, knorpeligen Rüssel durchwühlen sie systematisch den Waldboden und legen dabei tiefe Furchen an.

In der Nähe menschlicher Siedlungen plündern Pinselohrschweine Felder mit Maniok, Erdnüssen, Mais und anderen Feldfrüchten. Dieser Ernteschaden macht die Tiere in vielen Regionen zu unerwünschten Kulturfolgern. Saisonal passen sie ihre Nahrungswahl an das verfügbare Angebot an: In der Fruchtzeit dominieren herabgefallene Früchte den Speiseplan, während in Trockenperioden vermehrt unterirdische Pflanzenteile ausgegraben werden.

Verhalten & Lebensweise

Pinselohrschweine sind überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruhen sie in selbst angelegten Nestern aus Laub und Pflanzenmaterial, die in dichter Vegetation verborgen liegen. In Gebieten mit geringem Jagddruck können sie auch tagsüber aktiv sein.

Die Tiere leben in Gruppen (Rotten) von typischerweise 6 bis 20 Individuen, gelegentlich auch in größeren Verbänden von bis zu 60 Tieren. Eine Rotte besteht in der Regel aus einem dominanten Keiler, mehreren Bachen und deren Nachwuchs. Jungkeiler werden mit Erreichen der Geschlechtsreife aus der Gruppe vertrieben und leben vorübergehend einzelgängerisch oder in lockeren Junggesellengruppen.

Die Kommunikation erfolgt über ein breites Repertoire an Lautäußerungen – Grunzlaute, Quieken und Warnrufe – sowie über olfaktorische Markierungen. Keiler markieren ihr Revier durch Reiben spezieller Duftdrüsen an Bäumen und Felsen. Bei Konflikten zwischen Rivalen kommt es zu ritualisierten Kämpfen, bei denen die Kontrahenten mit den Schädeln gegeneinanderstoßen. Die knöchernen Gesichtswülste fungieren dabei als Stoßdämpfer.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung ist in vielen Teilen des Verbreitungsgebiets saisonal und fällt häufig mit dem Beginn der Regenzeit zusammen, wenn das Nahrungsangebot am größten ist. Nach einer Tragzeit von etwa 120 bis 130 Tagen bringt die Bache einen Wurf