Riesenwaldschwein
RTierart – Säugetiere > Huftiere – Schweine
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hylochoerus meinertzhageni
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Echte Schweine (Suidae)
- Gattung: Hylochoerus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder und Bergwälder Zentral- und Ostafrikas
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 130–210 cm, Schulterhöhe 75–110 cm
- Gewicht: 130–275 kg
- Lebenserwartung: Bis etwa 18 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Das Riesenwaldschwein ist die größte lebende Wildschweinart Afrikas und zugleich der größte rezente Vertreter der Familie der Echten Schweine (Suidae). Der massige, tonnenförmige Körper wird von relativ kurzen, kräftigen Beinen getragen. Der Kopf ist groß und breit mit einer stumpfen, nackten Rüsselscheibe. Besonders auffällig sind die stark ausgeprägten, fleischigen Wülste unterhalb der Augen – Drüsenschwellungen, die bei Keilern deutlich stärker hervortreten als bei Bachen. Diese Präorbitaldrüsen sondern ein öliges Sekret ab, das der Reviermarkierung dient.
Das Fell ist dunkelbraun bis schwarz und besteht aus grobem, borstigem Haar, das am Körper relativ spärlich verteilt ist, sodass die dunkle Haut durchscheint. Entlang des Rückens verläuft eine Mähne aus langen, aufrichtbaren Borsten. Die Ohren sind groß und rund, im Unterschied zu denen des Buschschweins (Potamochoerus larvatus) jedoch ohne Pinsel. Beide Geschlechter tragen nach oben und außen gebogene Hauer, wobei die oberen Eckzähne beim Keiler bis zu 30 cm lang werden können. Der Schwanz ist lang und endet in einer Quaste.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Riesenwaldschwein erstreckt sich in einem lückenhaften Muster über das tropische Afrika – von den Tieflandregenwäldern des Kongobeckens über die Bergwälder Ostafrikas bis in Teile Westafrikas (Guinea, Liberia, Elfenbeinküste). Die Art besiedelt dichte tropische und subtropische Wälder in Höhenlagen von Meeresniveau bis etwa 3.800 Meter, wobei sie in den Bergwäldern des Ruwenzori-Gebirges, am Mount Kenya und an den Virunga-Vulkanen nachgewiesen wurde.
Das bevorzugte Habitat sind geschlossene Waldgebiete mit dichtem Unterwuchs und Zugang zu Lichtungen, Waldrändern oder Bambuszonen. Das Riesenwaldschwein meidet offene Savannen weitgehend und ist enger an Waldbiotope gebunden als alle anderen afrikanischen Schweinarten. Die fragmentierte Verbreitung hängt eng mit dem Rückgang zusammenhängender Waldgebiete zusammen. Die drei anerkannten Unterarten – H. m. meinertzhageni (Ostafrika), H. m. rimator (Zentralafrika) und H. m. ivoriensis (Westafrika) – spiegeln diese räumliche Isolation wider.
Ernährung
Das Riesenwaldschwein ernährt sich überwiegend pflanzlich und gilt als der am stärksten herbivore Vertreter unter den Echten Schweinen. Den Hauptanteil der Nahrung bilden Gräser, Kräuter und Seggen, die auf Waldlichtungen und an Gewässerufern wachsen. Ergänzend frisst es Blätter, Triebe, Früchte und unterirdische Pflanzenteile wie Knollen und Wurzeln. Anders als viele andere Suidae durchwühlt das Riesenwaldschwein den Boden vergleichsweise selten mit dem Rüssel, was mit seiner stärker grasfressenden Lebensweise zusammenhängt.
Gelegentlich wird auch tierische Kost aufgenommen – darunter Aas, Eier und Wirbellose –, doch macht dies nur einen geringen Teil des Nahrungsspektrums aus. Minerallecken und salzhaltiger Boden werden regelmäßig aufgesucht, um den Mineralstoffbedarf zu decken.
Verhalten & Lebensweise
Riesenwaldschweine leben in Familiengruppen (Rotten) von typischerweise 6 bis 14 Tieren, bestehend aus einem erwachsenen Keiler, mehreren Bachen und deren Nachwuchs. Größere Ansammlungen von bis zu 20 Tieren wurden vereinzelt dokumentiert. Die Gruppen sind territorial und verteidigen feste Reviere, deren Grenzen durch Drüsensekrete, Kotplätze und Bodenmarkierungen abgesteckt werden.
Die Art ist vorwiegend tagaktiv, wobei die Hauptaktivitätszeiten in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden liegen. In Gebieten mit starkem menschlichem Störungsdruck verschieben sich die Aktivitätsphasen zunehmend in die Dämmerung und Nacht. Riesenwaldschweine nutzen regelmäßig dieselben Wechsel durch den Wald und legen dabei ein ausgedehntes Pfadnetz an. Zur Ruhe ziehen sich die Tiere in dichte Vegetation oder unter umgestürzte Bäume zurück. Suhlen in Schlamm gehört zum regelmäßigen Komfortverhalten und dient der Thermoregulation sowie dem Schutz vor Ektoparasiten.
Bei Bedrohung ergreift die Rotte in der Regel die Flucht. In die Enge getrieben, kann das Riesenwaldschwein jedoch aggressiv reagieren – vor allem Bachen mit Frischlingen und Keiler in der Brunft sind als wehrhaft bekannt. Die langen Hauer können schwere Verletzungen verursachen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung ist nicht streng saisongebunden, konzentriert sich aber in vielen Regionen auf den Beginn der Regenzeit. Nach einer Tragzeit von etwa 151 Tagen bringt die Bache einen Wurf von in der Regel zwei bis vier Frischlingen zur Welt – deutlich weniger als bei den meisten anderen Suidae. Die Jungtiere sind dunkelbraun gefärbt und tragen im Gegensatz zu jungen Wildschweinen keine Streifenzeichnung.
Die Bache zieht sich zur Geburt in ein