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Baumweißling

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Aporia crataegi
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Weißlinge (Pieridae)
  • Gattung: Aporia
  • Lebensraum: Streuobstwiesen, Waldränder, Heckenlandschaften, Obstgärten
  • Flügelspannweite: 50–65 mm
  • Gewicht: ca. 0,2–0,4 g
  • Lebenserwartung: etwa 2–3 Wochen als Falter; gesamter Lebenszyklus ca. 1 Jahr

Aussehen & Merkmale

Der Baumweißling ist ein mittelgroßer Tagfalter mit einer Flügelspannweite von 50 bis 65 Millimetern. Die Grundfarbe der Flügel ist weiß, wobei die Flügeladern auffällig dunkelbraun bis schwarz hervortreten. Dieses markante Adernmuster unterscheidet ihn deutlich von anderen heimischen Weißlingen wie dem Großen Kohlweißling (Pieris brassicae) oder dem Kleinen Kohlweißling (Pieris rapae), deren Adern weniger kontrastreich gezeichnet sind.

Die Flügelschuppen sind bei älteren Exemplaren teilweise abgerieben, sodass die Flügel stellenweise durchscheinend wirken – ein Merkmal, das unter den europäischen Tagfaltern nahezu einzigartig ist. Frisch geschlüpfte Tiere zeigen dagegen eine dichtere Beschuppung und wirken insgesamt weißer. Weibchen sind in der Regel etwas größer als Männchen und besitzen breitere, stärker gerundete Flügel. Die Unterseite der Hinterflügel weist gelegentlich eine zart gelbliche Tönung auf. Der Körper ist schlank, dunkel behaart und trägt die für Weißlinge typischen keulenförmigen Fühler.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Aporia crataegi erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Mittelasien bis nach Japan und Nordafrika. In Europa kommt der Baumweißling von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien vor, fehlt jedoch auf den Britischen Inseln, wo er seit den 1920er-Jahren als ausgestorben gilt.

Als bevorzugtes Habitat dienen dem Baumweißling offene, strukturreiche Landschaften mit einem ausreichenden Angebot an Gehölzen. Typische Biotope sind Streuobstwiesen, verbuschte Magerrasen, Waldränder, Heckenlandschaften und extensiv bewirtschaftete Obstgärten. Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit von Weißdorn (Crataegus), Schlehe (Prunus spinosa) und verschiedenen Obstbaumarten, die als Raupennahrungspflanzen dienen. In höheren Lagen besiedelt die Art auch alpine Wiesen bis auf etwa 2.000 Meter.

Ernährung

Die Raupen des Baumweißlings ernähren sich oligophag, also von einem eingeschränkten Spektrum an Nahrungspflanzen. Bevorzugt werden die Blätter von Weißdorn, Schlehe, Vogelbeere (Sorbus aucuparia) sowie verschiedener Obstbäume wie Kirsche, Pflaume, Apfel und Birne. In Obstanbaugebieten konnte die Art historisch als Schädling in Erscheinung treten, wenn große Populationen die Bäume entlaubten.

Die erwachsenen Falter (Imagines) nehmen ausschließlich flüssige Nahrung auf. Sie saugen Nektar an einer Vielzahl von Blütenpflanzen, darunter Flockenblumen, Natternkopf, Disteln und Rotklee. Darüber hinaus werden die Falter häufig an feuchten Bodenstellen beim sogenannten „Mud-Puddling" beobachtet, bei dem sie mineralhaltige Flüssigkeit aufnehmen – ein Verhalten, das vor allem bei Männchen auftritt.

Verhalten & Lebensweise

Der Baumweißling ist ein ausschließlich tagaktiver Schmetterling. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich je nach Höhenlage und Region von Mai bis Juli, wobei in Mitteleuropa der Schwerpunkt im Juni liegt. Die Art bildet pro Jahr nur eine Generation aus (univoltin).

Auffällig ist das ausgeprägte Sozialverhalten der Raupen, die in den ersten Larvenstadien gemeinschaftlich in Gespinstnestern leben. Diese seidigen Gespinste werden an den Fraßpflanzen angelegt und dienen als Schutz vor Witterung und Fressfeinden. Die Raupen überwintern gemeinsam in einem verstärkten Wintergespinst, das sie bereits im Herbst anlegen. Erst im Frühjahr verlassen sie das Gespinst und fressen einzeln an den austreibenden Knospen und Blättern.

Die Falter selbst bilden gelegentlich größere Ansammlungen an Nektarquellen oder an Schlafplätzen, wo sie die Nacht in Gruppen an Grashalmen verbringen. Solche gemeinsamen Schlafgemeinschaften können mehrere Dutzend Individuen umfassen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet kurz nach dem Schlupf der Falter statt. Das Weibchen legt seine Eier in Gelegen von 30 bis über 100 Stück an der Unterseite von Blättern der Nahrungspflanzen ab. Die Eier sind länglich-spindelförmig und leuchtend gelb gefärbt.

Nach etwa zwei bis drei Wochen schlüpfen die Raupen und beginnen sofort, gemeinsam in einem Gespinstnest zu fressen. Im Laufe des Sommers und Herbstes durchlaufen die Larven mehrere Häutungsstadien (Instare), bevor sie sich für die Überwinterung in ihr Wintergespinst zurückziehen. Die Raupen sind graubraun mit dunklen Längsstreifen und feiner Behaarung. Im Frühjahr setzen sie ihre Entwicklung fort, verpuppen sich schließlich frei an Zweigen oder Stämmen und schlüpfen nach zwei bis drei Wochen als Falter. Die Puppe ist weißlich-gelb mit schwarzen Punkten und Streifen.

Bedrohung & Schutzstatus

Der Baumweißling wird von der IUCN global als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft, da sein Gesamtverbreitungsgebiet sehr groß ist. Regional sieht die Situation jedoch anders aus. In