Blauschwarzer Eisvogel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Limenitis reducta
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Eisvögel (Limenitidinae)
- Gattung: Limenitis
- Lebensraum: Lichte Laubwälder, Waldränder, gebüschreiche Hänge in wärmebegünstigten Lagen
- Flügelspannweite: 45–55 mm
- Gewicht: ca. 0,3–0,5 g
- Lebenserwartung: Imago ca. 2–4 Wochen; gesamter Lebenszyklus einschließlich Ei, Raupe und Puppe etwa ein Jahr
Aussehen & Merkmale
Der Blauschwarze Eisvogel ist ein mittelgroßer Tagfalter mit einer Flügelspannweite von 45 bis 55 Millimetern. Die Flügeloberseite ist tiefblauschwarz gefärbt und zeigt eine markante weiße Binde, die über Vorder- und Hinterflügel verläuft. Im Gegensatz zum nah verwandten Kleinen Eisvogel (Limenitis camilla) fehlen beim Blauschwarzen Eisvogel die zusätzlichen weißen Fleckenreihen nahe der Flügelbasis auf der Oberseite. Stattdessen erscheint die dunkle Grundfärbung großflächiger und schimmert bei seitlichem Lichteinfall deutlich bläulich – ein Merkmal, das dem Falter seinen deutschen Namen verleiht.
Die Flügelunterseite bietet einen starken Kontrast: Sie ist rotbraun bis orange gefärbt und mit schwarzen Flecken sowie der durchscheinenden weißen Binde gezeichnet. Nahe dem Flügelrand verläuft eine Reihe blaugrauer Flecken. Der Körper ist oberseits dunkel beschuppt, unterseits heller. Die Fühler sind keulenförmig, wie bei allen Tagfaltern, und dunkel mit hellen Ringen.
Verwechslungsmöglichkeiten bestehen vor allem mit dem Kleinen Eisvogel, der jedoch eine etwas weniger kontrastreiche Oberseite besitzt und zusätzliche weiße Punkte aufweist. Auch der Große Eisvogel (Limenitis populi) zeigt ein ähnliches Grundmuster, ist aber deutlich größer und trägt orangefarbene Randflecken auf der Flügeloberseite.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Blauschwarzen Eisvogels erstreckt sich über weite Teile Süd- und Mitteleuropas, von der Iberischen Halbinsel über Frankreich und Italien bis nach Südosteuropa, Kleinasien und den Kaukasus. In Mitteleuropa erreicht die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze. In Deutschland kommt sie nur sehr lokal und selten vor, vor allem in den wärmsten Regionen Südwestdeutschlands – etwa im Kaiserstuhl, am südlichen Oberrhein und vereinzelt entlang der Mosel.
Als Habitat bevorzugt der Falter lichte, sonnendurchflutete Laubwälder, Waldränder, verbuschte Trockenrasen und gebüschreiche Hänge. Entscheidend ist das Vorkommen von Heckenkirschen (Lonicera spp.), den Fraßpflanzen der Raupen. Das Biotop muss zudem windgeschützt und wärmebegünstigt sein. In Südeuropa besiedelt die Art auch höhere Lagen bis etwa 1.500 Meter.
Ernährung
Die erwachsenen Falter saugen nur selten an Blüten. Sie bevorzugen stattdessen mineralstoffreiche Flüssigkeiten und suchen gezielt feuchte Bodenstellen, Tierkot, Aas oder überreifes Obst auf. Dieses Verhalten, als „Puddling" bezeichnet, dient der Aufnahme von Natrium und anderen Mineralstoffen, die über den Blütennektar nicht in ausreichender Menge verfügbar sind.
Die Raupen ernähren sich ausschließlich von Heckenkirschen-Arten, insbesondere der Roten Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) und der Gartengeißblatt-Art (Lonicera caprifolium). Die jungen Raupen fressen zunächst die Blattspitze und lassen die Mittelrippe stehen – ein typisches Fraßbild, das bei der Suche nach Raupen als Erkennungsmerkmal dient.
Verhalten & Lebensweise
Der Blauschwarze Eisvogel ist ein tagaktiver Schmetterling, der vor allem in den warmen Mittagsstunden aktiv fliegt. Sein Flugstil ist charakteristisch: Kurze, schnelle Flügelschläge wechseln sich mit ausgedehnten Gleitphasen ab, bei denen die Flügel flach ausgebreitet werden. Die Falter halten sich oft im Kronenbereich von Bäumen auf und kommen zum Saugen auf den Boden herab.
Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Sie besetzen sonnige Plätze an Waldwegen oder Lichtungen und vertreiben andere Falter durch kurze Verfolgungsflüge. An solchen Ansitzplätzen kehren sie nach jedem Ausflug regelmäßig zurück. Im Gegensatz zu vielen anderen Edelfaltern treten Blauschwarze Eisvögel nicht in großen Aggregationen auf; die Populationsdichten sind in der Regel gering.
Fortpflanzung & Aufzucht
In Mitteleuropa fliegt der Blauschwarze Eisvogel in einer Generation pro Jahr, mit einer Flugzeit von Mitte Juni bis Anfang August. In südlicheren Regionen können zwei Generationen auftreten, wobei die zweite Generation im August und September fliegt.
Nach der Paarung legt das Weibchen einzelne Eier auf die Blattoberseite von Heckenkirschen. Die Eier sind kugelförmig und mit feinen Stacheln besetzt. Die Raupe schlüpft nach etwa zehn Tagen und durchläuft mehrere Larvenstadien. Im Herbst, nach der dritten Häutung, fertigt die Raupe ein sogenanntes Hibernaculum an – ein zusammengerolltes, mit Seidenfäden fixiertes Blatt, in dem sie den Winter überdauert. Die Überwinterung erfolgt als Junglarve. Im folgenden Frühjahr setzt die Raupe ihre Entwicklung fort und verpuppt