Birkenzipfelfalter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Thecla betulae (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
- Unterfamilie: Zipfelfalter (Theclinae)
- Gattung: Thecla
- Lebensraum: Heckenlandschaften, Waldränder, Schlehengebüsche, Streuobstwiesen
- Flügelspannweite: 30–40 mm
- Gewicht: ca. 0,05–0,1 g
- Lebenserwartung Imago: ca. 3–4 Wochen
- Flugzeit: Ende Juni bis September
Aussehen & Merkmale
Der Birkenzipfelfalter gehört trotz seines Namens nicht zu den an Birken gebundenen Arten, sondern ist eng mit Schlehen und anderen Rosengewächsen assoziiert. Die deutsche Bezeichnung leitet sich vermutlich von der bräunlichen Flügelfärbung ab, die an Birkenrinde erinnert.
Die Flügeloberseiten beider Geschlechter sind dunkelbraun gefärbt. Beim Weibchen fällt ein auffälliger, halbmondförmiger orangebrauner Fleck auf den Vorderflügeln auf, der beim Männchen fehlt oder nur angedeutet ist. Dieser Sexualdimorphismus ermöglicht eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung bereits im Feld.
Die Flügelunterseiten sind deutlich kontrastreicher gestaltet: Sie zeigen eine warme orange- bis ockerbraune Grundfarbe mit einer markanten weißen, schwarz gesäumten Querlinie, die über beide Flügelpaare verläuft. Am Hinterflügel befindet sich ein kleiner Zipfel – das namensgebende Schwänzchen, das für die Unterfamilie der Zipfelfalter (Theclinae) typisch ist. Im Analwinkel der Hinterflügel sitzen zudem kleine orangefarbene Flecken. Die Fühler sind schwarz-weiß geringelt und tragen eine deutliche Kolbe.
Die Raupen werden bis zu 18 mm lang, sind grün gefärbt und tragen schräge gelbliche Seitenstreifen. Ihre abgeflachte, asselfömige Körperform ist typisch für viele Bläulingsraupen und bietet eine gute Tarnung auf Blättern.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Thecla betulae erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Mittelasien bis nach Korea und Japan. In Europa kommt die Art von Südskandinavien bis zur Iberischen Halbinsel und nach Griechenland vor, fehlt jedoch auf den meisten Mittelmeerinseln und in Teilen Nordschottlands.
Als Habitat bevorzugt der Birkenzipfelfalter strukturreiche Landschaften mit Schlehenhecken (Prunus spinosa), die als Hauptnahrungspflanze der Raupen dienen. Typische Biotope sind Waldränder, Feldhecken, verwilderte Streuobstwiesen, Hohlwege und buschreiche Böschungen. Der Falter ist von der Ebene bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern anzutreffen, wobei er in Mitteleuropa vorwiegend in den tieferen Lagen vorkommt. Eine enge Bindung an schlehen- und pflaumenreiche Gebüschstrukturen bestimmt die lokale Verbreitung.
Ernährung
Die Raupen des Birkenzipfelfalters ernähren sich oligophag von Blättern verschiedener Prunus-Arten. Die Schlehe (Prunus spinosa) stellt die wichtigste Raupennahrungspflanze dar. Daneben werden auch Pflaume (Prunus domestica), Zwetschge und gelegentlich Weißdorn (Crataegus) sowie Vogelkirsche (Prunus avium) als Futterpflanzen genutzt.
Die adulten Falter saugen Honigtau von Blattläusen auf Baumkronen – insbesondere auf Eschen und Linden. Sie besuchen seltener Blüten als viele andere Tagfalterarten. Gelegentlich werden sie an überreifem Obst oder feuchten Bodenstellen beobachtet, wo sie Mineralsalze aufnehmen.
Verhalten & Lebensweise
Der Birkenzipfelfalter führt eine für Beobachter oft schwer zugängliche Lebensweise. Die Falter halten sich überwiegend im Kronenbereich von Bäumen und hohen Sträuchern auf, wo sie Honigtau aufnehmen. Dieses ausgeprägte Aufenthaltsmuster in der Baumkrone – fachsprachlich als „canopy species" bezeichnet – macht die Art trotz lokaler Häufigkeit leicht übersehbar.
Die Flugzeit erstreckt sich je nach Region von Ende Juni bis in den September. Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten und besetzen exponierte Positionen an Baumkronen, von denen aus sie vorbeifliegende Artgenossen verfolgen. Die Aktivität konzentriert sich auf die warmen Nachmittagsstunden. Bei bedecktem Himmel und kühler Witterung verbleiben die Tiere mit geschlossenen Flügeln an geschützten Stellen im Gebüsch.
Anders als viele verwandte Zipfelfalterarten wie der Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla quercus) oder der Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) zeigt Thecla betulae keinerlei Myrmekophilie – die Raupen unterhalten also keine Beziehung zu Ameisen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet im Hochsommer statt. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder zu zweit an die Astgabeln und Knospenbasis von Schlehen ab. Die Eier sind stark abgeflacht, scheibenförmig und weißlich gefärbt mit einer charakteristischen netzartigen Oberflächenstruktur. Sie überwintern am Gehölz und sind im blattlosen Zustand der Sträucher im Winter mit etwas Übung auffindbar – eine der zuverlässigsten Methoden zum Artnachweis.
Im Frühjahr, meist im April, schlüpfen die Raupen und beginnen an den jungen Blättern und Blütenknospen der Schlehe zu fressen. Die