Beilbauchfisch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gasteropelecus sternicla (Gemeiner Beilbauchfisch); Gattungen: Gasteropelecus, Carnegiella, Thoracocharax
- Ordnung: Salmlerartige (Characiformes)
- Familie: Beilbauchsalmler (Gasteropelecidae)
- Lebensraum: Süßgewässer Mittel- und Südamerikas, vorwiegend Amazonas- und Orinoco-Becken
- Größe: 2,5–9 cm je nach Art
- Gewicht: 1–8 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre, in guter Aquarienhaltung bis zu 6 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Beilbauchfische verdanken ihren deutschen Namen der stark nach unten gewölbten Bauchpartie, die dem Körper im Profil die Form eines Beilblattes verleiht. Der Rücken verläuft dagegen nahezu gerade, sodass eine markant asymmetrische Silhouette entsteht. Die Brustflossen sind ungewöhnlich lang und setzen weit oben am Körper an. Unter der Haut des Brustbereichs liegt eine kräftig ausgebildete Muskulatur, die am stark vergrößerten Schultergürtel (Coracoid) ansetzt – eine anatomische Besonderheit, die in dieser Ausprägung bei keiner anderen Fischfamilie vorkommt.
Die Schuppen sind klein und silbrig glänzend. Je nach Art treten dunkle Längsstreifen, Fleckenreihen oder eine bräunliche Marmorierung auf. Carnegiella strigata, der Marmorbeilbauchfisch, zeigt ein auffälliges, dunkelbraunes bis schwarzes Marmormuster auf den Flanken. Carnegiella myersi, der Zwergbeilbauchfisch, bleibt mit rund 2,5 cm die kleinste Art der Familie und ist weitgehend durchscheinend. Gasteropelecus sternicla, der Gemeine Beilbauchfisch, erreicht etwa 6 cm und besitzt einen markanten dunklen Horizontalstreifen entlang der Seitenlinie. Thoracocharax stellatus, der Platinbeilbauchfisch, wird mit bis zu 9 cm die größte Art und fällt durch seine stark reflektierenden, fast spiegelartigen Flanken auf.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Beilbauchfische erstreckt sich über weite Teile des tropischen Südamerikas. Hauptvorkommen liegen im Amazonasbecken, im Orinoco-System sowie in den Flusssystemen der Guayanas. Einzelne Arten besiedeln auch Gewässer Panamas und Trinidads.
Ihr bevorzugtes Habitat sind langsam fließende oder stehende Gewässer mit dichter Ufervegetation. Sie halten sich fast ausschließlich direkt unter der Wasseroberfläche auf und nutzen überhängende Pflanzen, Schwimmpflanzen und Totholz als Deckung. Typische Biotope umfassen schattige Waldbäche, Altarme, überschwemmte Uferzonen (Várzea und Igapó) sowie die ruhigen Randbereiche größerer Flüsse. Das Wasser in diesen Lebensräumen ist häufig weich, leicht sauer (pH 5,5–7,0) und durch Huminstoffe bräunlich gefärbt – sogenanntes Schwarzwasser.
Ernährung
Beilbauchfische sind primär insektivor. In der Natur ernähren sie sich überwiegend von kleinen Insekten, die auf die Wasseroberfläche fallen oder knapp darüber fliegen – darunter Mücken, Fliegen, Ameisen und deren Larven. Gelegentlich nehmen sie auch Zooplankton und Kleinkrebse auf. Die Nahrungssuche findet fast ausschließlich an der Wasseroberfläche statt; vom Boden aufgenommenes Futter wird in der Regel ignoriert.
In der Aquarienhaltung sollte die Fütterung dieses natürliche Verhalten berücksichtigen. Geeignet sind Flockenfutter, das an der Oberfläche schwimmt, sowie kleine Lebend- oder Frostfuttersorten wie Drosophila (Fruchtfliegen), Artemia-Nauplien, Cyclops und feine Mückenlarven. Eine abwechslungsreiche Kost mit regelmäßiger Gabe von Lebendfutter fördert Vitalität und Farbintensität.
Verhalten & Lebensweise
Beilbauchfische sind ausgeprägte Schwarmfische, die in Gruppen von mindestens sechs bis acht Tieren gehalten werden sollten. In der Natur bilden sie teils deutlich größere Verbände. Einzeln oder in zu kleinen Gruppen gehaltene Exemplare zeigen Stressverhalten, verstecken sich dauerhaft und sind anfälliger für Krankheiten.
Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, zeigen jedoch auch in der Dämmerung rege Aktivität. Sie stehen bevorzugt dicht unter der Wasseroberfläche, wo sie ruhig verharren und auf herabfallende Insekten lauern. Bei Bedrohung können Beilbauchfische mit schnellen Schlägen ihrer Brustflossen aus dem Wasser springen und kurze Strecken gleitend über die Oberfläche zurücklegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen als „fliegende Fische" bezeichneten Arten handelt es sich dabei nicht um passives Gleiten allein: Die Brustflossenmuskulatur erzeugt aktiv Vortrieb. Beilbauchfische gelten daher als die einzigen Süßwasserfische, die zu einer Form des aktiven Fluges fähig sind. Diese Sprünge dienen der Flucht vor Raubfischen und können Distanzen von über einem Meter überbrücken.
Gegenüber anderen Fischarten verhalten sich Beilbauchfische friedlich und eignen sich gut für Gemeinschaftsaquarien mit ruhigen, nicht zu großen Beifischen. Geeignete Gesellschaft sind beispielsweise Panzerwelse, kleinere Salmler und Zwergbuntbarsche. Das Aquarium muss unbedingt mit einer dicht schließenden Abdeckung versehen sein, da die Tiere bei Erschrecken aus dem Wasser springen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Nachzucht von Beilbauchfischen in Gefangenschaft gilt als anspruchsvoll und gelingt nur unter gezielt eingestellten Bedingungen. In der Natur fällt die Laichzeit mit dem Beginn der Regenzeit zusammen, wenn steigende Wasserstände und sinkender pH-Wert als Auslöser dienen.