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Bergschaf

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Rassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Alpenraum (Österreich, Bayern, Schweiz, Südtirol)
  • Rassestandard: Anerkannt durch die ÖSBA (Österreichische Bundesarbeitsgemeinschaft für Schafzucht) sowie durch Landesschafzuchtverbände in Bayern und Südtirol
  • Größe (Widerristhöhe): Böcke 75–85 cm, Mutterschafe 70–78 cm
  • Gewicht: Böcke 80–120 kg, Mutterschafe 60–85 kg
  • Lebenserwartung: 12–15 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Fell/Farben: Mischwolle (Vlies aus Grannenhaar und Unterwolle), überwiegend weiß; Braunes Bergschaf, Schwarzes Bergschaf und geschecktes Bergschaf als eigenständige Farbschläge anerkannt
  • Nutzungstyp: Zweinutzungsrasse (Fleisch und Wolle), hervorragend zur Landschaftspflege geeignet

Herkunft & Geschichte

Das Bergschaf gehört zu den ältesten Schafrassen des europäischen Alpenraums. Seine Abstammung geht auf verschiedene bodenständige Landschläge zurück, die über Jahrhunderte in den gebirgigen Regionen Tirols, Bayerns, der Schweiz und Vorarlbergs gehalten wurden. Bereits im Mittelalter waren diese robusten Schafe unentbehrlich für die Bewirtschaftung steiler Almen und hochgelegener Weideflächen.

Im 19. Jahrhundert begann die systematische Zucht, indem man die verschiedenen regionalen Schläge – darunter das Tiroler Steinschaf, das Zaupelschaf und das alte bayerische Landschaf – miteinander kreuzte und dabei gezielt auf Gebirgstauglichkeit, Fruchtbarkeit und Widerstandsfähigkeit selektierte. Teilweise flossen auch Bergamasker und andere italienische Gebirgsrassen ein. Die Zusammenfassung unter dem Namen „Bergschaf" erfolgte im frühen 20. Jahrhundert, als die Zuchtverbände in Österreich und Bayern einheitliche Rassestandards festlegten.

Heute wird das Bergschaf von mehreren Zuchtverbänden betreut, darunter der Tiroler Schafzuchtverband, der Bayerische Schafzuchtverband und der Südtiroler Schafzuchtverband. Das Braune Bergschaf und das Schwarze Bergschaf wurden inzwischen als eigenständige Farbschläge anerkannt und genießen besondere Aufmerksamkeit im Bereich der Erhaltungszucht, da ihre Bestände zeitweise rückläufig waren.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Bergschaf ist ein mittelgroßes bis großes Schaf mit kräftigem, aber nicht plumpem Körperbau. Der Rumpf ist lang und tief, der Rücken gerade und breit. Auffällig sind die trockenen, sehnigen Beine mit harten Klauen, die dem Tier exzellente Trittsicherheit in unwegsamem Gelände verleihen. Der Kopf ist hornlos, leicht ramsnasig und mit einem freundlichen, aufmerksamen Ausdruck versehen. Die Ohren stehen seitlich ab und sind mittellang.

Das Vlies besteht aus einer typischen Mischwolle mit deutlich sichtbaren Grannenhaaren und dichter Unterwolle. Diese Kombination bietet hervorragenden Schutz gegen Nässe, Wind und Kälte. Die Wollqualität eignet sich besonders für die Verarbeitung zu Lodenstoffen, Filz und Teppichgarnen. Beim Weißen Bergschaf ist das Vlies reinweiß, während die farbigen Schläge einheitlich braun, schwarz oder gescheckt auftreten.

Charakter & Wesen

Das Bergschaf zeigt ein ausgeglichenes, ruhiges Temperament, gepaart mit einer bemerkenswerten Wachsamkeit. Die Tiere sind genügsam, anpassungsfähig und zeichnen sich durch einen starken Herdentrieb aus. Im Umgang mit dem Menschen erweisen sie sich als zutraulich und umgänglich, sofern sie von klein auf an den Kontakt gewöhnt werden.

Besonders hervorzuheben ist der ausgeprägte Mutterinstinkt der Auen. Sie kümmern sich aufopferungsvoll um ihre Lämmer und verteidigen diese entschlossen. Die Böcke verhalten sich in der Regel friedfertig, können aber während der Brunstzeit durchaus temperamentvoll werden. Insgesamt gilt das Bergschaf als unkompliziert und gutmütig – Eigenschaften, die es besonders für Einsteiger in die Schafhaltung empfehlenswert machen.

Haltung & Pflege

Das Bergschaf ist wie kaum eine andere Rasse für die Haltung in gebirgigem, steilem Gelände prädestiniert. Ausreichend Auslauf und Zugang zu Weideflächen sind essenziell. Die Tiere fühlen sich auf Almen und Hangweiden besonders wohl, können aber auch im Flachland gehalten werden, solange genügend Bewegungsraum vorhanden ist.

Die Fellpflege beschränkt sich im Wesentlichen auf die jährliche Schur, die in der Regel zweimal durchgeführt wird – im Frühjahr und im Herbst. Das Mischvlies neigt weniger zur Verfilzung als reine Merinowolle, sollte aber dennoch regelmäßig auf Parasiten und Verschmutzungen kontrolliert werden. Die Klauenpflege ist entscheidend: Alle sechs bis acht Wochen sollten die Klauen überprüft und bei Bedarf ausgeschnitten werden, um Klauenfäule und Fehlstellungen vorzubeugen.

Ein wetterfester Unterstand oder ein offener Stall reicht in der Regel aus, da das Bergschaf dank seiner dichten Unterwolle extrem witterungsbeständig ist. Geschlossene, schlecht belüftete Ställe sind zu vermeiden, da die Tiere empfindlich auf stehende Stallluft reagieren.

Ernährung

Als klassisches Gebirgsschaf ist das Bergschaf ein hervorragender Raufutterverwerter. Die Grundfütterung basiert auf Weidegras, Heu und Grassilage. Auf kargen Bergweiden fressen die Tiere auch Kräuter, Zwergsträucher und Gräser minderer Qualität, was sie zur Landschaftspflege prädestiniert. Gerade auf Flächen, die von Verbuschung bedroht sind, leisten Bergschafe wertvolle Dienste.

Kraftfutter ist nur in bestimmten Situationen erforderlich: in der Hochträchtigkeit, während der Laktation sowie bei intensiver Lämmeraufz