Bronzepute
BRassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen
Steckbrief
- Herkunft: Nordamerika (USA/England, weiterentwickelt aus mexikanischen Wildtruthühnern)
- Rassestandard: Anerkannt durch den Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG); in den USA durch die American Poultry Association (APA) seit 1874
- Kategorie: Großgeflügel / Puten (Truthühner)
- Gewicht Hahn: 12–16 kg (schwere Linie bis 20 kg)
- Gewicht Henne: 7–9 kg (schwere Linie bis 12 kg)
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre bei artgerechter Haltung
- Gefieder: Dunkelbraun bis schwarz mit intensivem Bronzeglanz (grün-kupferfarben schillernd)
- Eierleistung: 50–80 Eier pro Jahr, cremeweiß bis hellbraun mit dunklen Sprenkeln
- Brutdauer: 28 Tage
Herkunft & Geschichte
Die Bronzepute zählt zu den ältesten und geschichtlich bedeutsamsten Putenrassen der Welt. Ihre Abstammung geht auf das nordamerikanische Wildtruthahn (Meleagris gallopavo) zurück, das von den indigenen Völkern Mexikos und Nordamerikas bereits Jahrhunderte vor der europäischen Kolonisierung domestiziert wurde. Spanische Seefahrer brachten die ersten domestizierten Truthühner im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie in England und anderen Ländern gezielt weitergezüchtet wurden.
Die eigentliche Bronzepute, wie wir sie heute kennen, entstand im 18. und 19. Jahrhundert durch Rückkreuzungen europäischer domestizierter Puten mit nordamerikanischen Wildtruthühnern. Diese Kreuzungen vereinten die Robustheit und den kräftigen Körperbau der Wildform mit der Zahmheit und Haltungseignung der bereits domestizierten Linien. Der Name „Bronze" verweist auf den charakteristischen metallischen Schimmer des Gefieders, der an polierte Bronze erinnert.
1874 wurde die Bronzepute offiziell von der American Poultry Association in den Standard of Perfection aufgenommen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war sie die dominierende Wirtschaftspute in Nordamerika. Mit dem Aufkommen der Breitbrust-Bronzepute (Broad Breasted Bronze) und später der weißen Breitbrustpute wurde die ursprüngliche, natürlich zur Fortpflanzung fähige Standardbronzepute zunehmend verdrängt. Heute gilt sie als bedrohte Nutztierrasse und wird von Zuchtverbänden und Erhaltungsinitiativen wie der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) besonders geschützt.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Bronzepute ist eine imposante Erscheinung. Ihr Gefieder zeigt eine tiefe dunkelbraune bis schwarze Grundfarbe, die bei Lichteinfall in einem faszinierenden Spektrum aus Kupfer, Grün, Gold und Purpur schillert. Dieser Bronzeglanz ist das markanteste Rassemerkmal und bei Hähnen besonders ausgeprägt. Die Schwanzfedern tragen breite, weiß-braune Endbinden, die im aufgefächerten Rad des Hahns eindrucksvoll zur Geltung kommen.
Der Körperbau ist kräftig und aufrecht, jedoch deutlich schlanker als bei den industriellen Breitbrustlinien. Die Brust ist gut bemuskelt, aber nicht übertrieben breit – ein entscheidender Unterschied, denn die Standardbronzepute kann sich im Gegensatz zur Breitbrustform noch auf natürlichem Wege fortpflanzen. Die Läufe sind dunkel bis rötlich-schwarz, kräftig und relativ lang, was den Tieren eine gute Beweglichkeit verleiht.
Der unbefiederte Kopf und Hals zeigen die typische rote bis bläuliche Haut mit warzenartigen Karunkeln. Der Hahn trägt einen deutlich ausgeprägten Stirnzapfen (Schnuppe), der sich bei Erregung verlängern kann. Die Kehllappen sind beim Hahn wesentlich größer als bei der Henne. Im Balzzustand fächert der Hahn sein Schwanzrad auf, spreizt die Flügel ab und lässt ein tiefes, dröhnendes Kollern hören.
Charakter & Wesen
Bronzeputen besitzen ein ausgesprochen neugieriges und aufgewecktes Wesen. Im Vergleich zu industriellen Putenlinien gelten sie als deutlich vitaler, bewegungsfreudiger und intelligenter. Werden sie von klein auf an den Menschen gewöhnt, entwickeln sie eine bemerkenswerte Zutraulichkeit. Einzelne Tiere können regelrecht anhänglich werden und ihrem Halter auf Schritt und Tritt folgen.
Hähne zeigen während der Balzzeit ein ausgeprägtes Territorialverhalten und können dann wachsam bis durchsetzungsstark auftreten. Eine konsequente, ruhige Handhabung von Anfang an ist daher empfehlenswert. Hennen sind im Allgemeinen ruhiger und gelten als fürsorgliche Glucken mit starkem Bruttrieb. Innerhalb der Gruppe etabliert sich eine klare Rangordnung, die von den Tieren meist ohne übermäßige Aggression ausgehandelt wird.
Die Rasse besitzt einen gut erhaltenen Fluchtinstinkt und ist deutlich wachsamer gegenüber Raubwild als hochgezüchtete Masttiere. Bronzeputen sind gesellige Tiere und sollten niemals einzeln gehalten werden.
Haltung & Pflege
Bronzeputen benötigen deutlich mehr Platz als Hühner. Pro Tier sollten mindestens 10 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung stehen – mehr ist immer besser. Ein strukturierter Freilandauslauf mit Wiese, Buschgruppen und erhöhten Sitzstangen entspricht ihrem natürlichen Verhalten am besten. Puten suchen nachts instinktiv erhöhte Schlafplätze auf, weshalb der Stall mit stabilen Sitzstangen in mindestens 80 cm Höhe ausgestattet sein muss.
Der Stall sollte trocken, zugluftfrei, aber gut belüftet sein. Feuchte Einstreu ist einer der größten Risikofaktoren für Erkrankungen. Als Einstreu eignen sich Hobelspäne oder Stroh, das regelmäßig gewechselt werden muss. Die Besatzdichte im Stall sollte bei maximal zwei bis drei Tieren pro Quadratmeter liegen.