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Bunte-bentheimer

B

Rassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Grafschaft Bentheim, Niedersachsen, Deutschland
  • Rassestandard: Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH); Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) – nicht zutreffend, da Schweinerasse
  • Zuchtverband: Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e. V.; Zuchtbuch geführt über verschiedene Landeszuchtverbände
  • Größe: Mittelgroßes bis großes Hausschwein; Schulterhöhe ca. 70–85 cm
  • Gewicht: Sauen ca. 180–230 kg, Eber ca. 250–300 kg
  • Lebenserwartung: 12–15 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Fell/Farben: Weiße Grundfarbe mit unregelmäßigen schwarzen und grauen Flecken; kurze, dichte Borsten
  • Gefährdungsstatus: Stark gefährdet; Rote Liste der GEH, Kategorie I

Herkunft & Geschichte

Das Bunte Bentheimer Schwein gehört zu den ältesten deutschen Landschweinrassen und hat seine Wurzeln in der Grafschaft Bentheim im westlichen Niedersachsen, nahe der niederländischen Grenze. Die Abstammung dieser Rasse geht auf Kreuzungen verschiedener Landschläge zurück, die im 19. Jahrhundert in der Region verbreitet waren. Maßgeblich an der Entstehung beteiligt waren einheimische bunte Schweine, die mit Berkshire-Schweinen und möglicherweise auch mit Schwäbisch-Hällischen Schweinen verpaart wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Zuchtziele vereinheitlicht und die Rasse als eigenständig anerkannt.

In den 1950er- und 1960er-Jahren erlebte das Bunte Bentheimer Schwein einen dramatischen Rückgang. Die intensive Landwirtschaft bevorzugte schnellwüchsige, magere Rassen wie das Deutsche Edelschwein und die Deutsche Landrasse. Die gescheckten Bentheimer galten als zu fett, zu langsam wachsend und wirtschaftlich uninteressant. In den 1980er-Jahren war die Population auf wenige Dutzend Zuchttiere geschrumpft – die Rasse stand unmittelbar vor dem Aussterben.

Engagierte Züchter und die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) leiteten ein Rettungsprogramm ein. Seit den 1990er-Jahren wächst der Bestand langsam wieder, bleibt aber nach wie vor stark gefährdet. Heute werden schätzungsweise 300 bis 400 Zuchtsauen in ganz Deutschland gehalten. Das Bunte Bentheimer Schwein wurde 2003 von der GEH zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres" ernannt und genießt seitdem größere Aufmerksamkeit – auch in der Gastronomie, wo die besondere Fleischqualität zunehmend geschätzt wird.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Bunte Bentheimer ist ein mittelgroßes, kräftiges Schwein mit harmonischem Körperbau. Der Rumpf ist langgestreckt und tief, der Rücken gerade bis leicht gewölbt. Die Beine sind stabil und von mittlerer Länge, was dem Tier eine gute Standfestigkeit verleiht – ein Merkmal, das besonders bei der Freilandhaltung von Vorteil ist.

Auffälligstes Rassemerkmal ist die Zeichnung: Auf weißer Grundfarbe verteilen sich unregelmäßige schwarze und graue Flecken über den gesamten Körper. Kein Tier gleicht dem anderen, jedes Bunte Bentheimer hat ein individuelles Fleckenmuster. Die Schlappohren sind mittelgroß und nach vorne geneigt. Der Kopf ist mäßig lang mit leicht eingedelltem Profil.

Die Borsten sind kurz, dicht und anliegend. Im Vergleich zu modernen Hochleistungsrassen weist das Bunte Bentheimer einen höheren intramuskulären Fettanteil auf, was dem Fleisch eine besondere Marmorierung, Saftigkeit und einen ausgeprägten Geschmack verleiht. Diese Eigenschaft, früher als Nachteil betrachtet, wird heute von Feinschmeckern und Direktvermarktern als Qualitätsmerkmal geschätzt.

Charakter & Wesen

Bunte Bentheimer gelten als ausgesprochen gutmütig, ruhig und umgänglich. Sie zeigen ein ausgeglichenes Temperament und sind Menschen gegenüber zutraulich, ohne dabei aufdringlich zu werden. Sauen zeichnen sich durch hervorragende Muttereigenschaften aus: Sie sind fürsorglich, milchstark und erdrücken selten ihre Ferkel – ein Problem, das bei manchen modernen Rassen häufiger auftritt.

Die Tiere sind intelligent, neugierig und zeigen ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten. Sie wühlen gerne, suchen aktiv nach Futter und beschäftigen sich ausdauernd mit ihrer Umgebung. Diese Eigenschaften machen sie zu idealen Kandidaten für die extensive Freilandhaltung. Gleichzeitig sind sie robust und widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen – ein Erbe ihrer Abstammung als typisches Weideschwein.

Haltung & Pflege

Das Bunte Bentheimer Schwein ist wie geschaffen für die Freilandhaltung und Weidewirtschaft. Die Tiere benötigen ausreichend Auslauf, Zugang zu einer Suhle und die Möglichkeit zum Wühlen. Ein befestigter, wetterfester Unterstand mit eingestreuter Liegefläche ist Pflicht. Die Einzäunung sollte stabil und schweinegerecht sein – Elektrozäune haben sich in der Praxis bewährt.

Die Pflege ist unkompliziert. Die kurzen Borsten erfordern keine besondere Fellpflege. Regelmäßige Klauenkontrolle und bei Bedarf ein Klauenschnitt sind empfehlenswert, vor allem bei Tieren, die auf weichem Untergrund gehalten werden. Parasitenkontrolle durch den Tierarzt sollte mindestens zweimal jährlich erfolgen, bei Freilandhaltung gegebenenfalls häufiger.

Die Beschäftigung der Tiere ist ein zentraler Aspekt artgerechter Haltung. Stroh, Äste, Erdhaufen zum Wühlen und wechselnde Weideflächen sorgen für geistige und körperliche Auslastung. Gelangweilte Schweine entwickeln Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen oder Stangenkauen.