Binturong
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Arctictis binturong
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Schleichkatzen (Viverridae)
- Unterfamilie: Palmenroller (Paradoxurinae)
- Gattung: Arctictis
- Lebensraum: Tropische Regenwälder Südost- und Südasiens
- Körperlänge: 60–95 cm (ohne Schwanz)
- Schwanzlänge: 50–90 cm
- Gewicht: 9–20 kg, in Ausnahmefällen bis 25 kg
- Lebenserwartung: Bis zu 18 Jahre in freier Wildbahn, in menschlicher Obhut über 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Binturong ist die größte Art innerhalb der Familie der Schleichkatzen und fällt durch seinen massigen, gedrungenen Körperbau auf. Das lange, struppige Fell ist überwiegend schwarz bis dunkelbraun gefärbt und weist oft graue oder silbrige Spitzen auf, was dem Tier ein leicht angefrostetes Erscheinungsbild verleiht. Die Gesichtsbehaarung ist heller, gelegentlich rötlich-braun, und an den Ohren sitzen auffällige, lange Haarbüschel. Die Ohren selbst sind klein und abgerundet.
Eines der herausragenden körperlichen Merkmale ist der Greifschwanz (Wickelschwanz), der nahezu die gleiche Länge wie der Rumpf erreicht. Der Binturong ist neben dem Wickelbären (Potos flavus) eines der wenigen Raubtiere, das über einen voll funktionsfähigen Greifschwanz verfügt. Dieser dient als fünfte Extremität beim Klettern und wird aktiv zum Festhalten an Ästen eingesetzt. Die Pfoten sind kräftig, mit halbeinziehbaren Krallen und nach innen drehbaren Hinterfüßen, die ein kopfüber gerichtetes Absteigen von Bäumen ermöglichen.
Im Gesicht erinnert der Binturong mit seinen langen, weißen Tasthaaren (Vibrissen) und der stumpfen Schnauze entfernt an einen kleinen Bären – daher rührt sein gelegentlich verwendeter englischer Beiname „Bearcat" (Bärenkatze). Taxonomisch hat er allerdings weder mit Bären noch mit Katzen eine nähere Verwandtschaft.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Binturongs erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südostasiens. Die Art kommt von Nordostindien, Nepal und Bhutan über Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha bis nach Malaysia, Sumatra, Borneo, Java und den Philippinen vor. Auf einigen philippinischen Inseln, etwa Palawan, existieren isolierte Populationen.
Als bevorzugtes Habitat dient der tropische Regenwald, insbesondere dichte, geschlossene Primärwälder mit hohem Kronendach. Binturongs bewohnen aber auch Sekundärwälder, Mangroven und bewaldete Gebirgsregionen bis in Höhen von etwa 1.500 Metern. Die Tiere sind stark an ein geschlossenes Blätterdach gebunden, da sie sich bevorzugt im Kronenbereich der Bäume bewegen und offene Flächen meiden.
Ernährung
Obwohl der Binturong systematisch zu den Raubtieren zählt, ist seine Ernährung überwiegend frugivor – Früchte machen den Hauptanteil seiner Nahrung aus. Besonders gern werden die Früchte der Würgefeige (Ficus) verzehrt. Daneben stehen Blätter, junge Triebe und Pflanzensäfte auf dem Speiseplan. Ergänzend frisst der Binturong Insekten, Vogeleier, kleine Wirbeltiere wie Nagetiere und Vögel sowie gelegentlich Fisch und Aas.
Ökologisch spielt der Binturong eine bedeutende Rolle als Samenverbreiter. Die Samen der Würgefeige sind von einer besonders harten Schale umgeben, die erst durch die Passage durch den Verdauungstrakt des Binturongs aufgeweicht wird und danach überhaupt keimen kann. Der Binturong gilt daher als einer der wichtigsten – wenn nicht der einzige effektive – Verbreiter bestimmter Ficus-Arten in seinem Lebensraum.
Verhalten & Lebensweise
Binturongs sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber durchaus auch tagsüber beobachtet werden, besonders in Gebieten mit geringer menschlicher Störung. Die Tiere leben überwiegend einzelgängerisch, wobei sich die Reviere von Männchen und Weibchen überschneiden können. Gelegentlich werden kleine Gruppen gesichtet, die meist aus einem Weibchen mit seinen Jungtieren bestehen.
Die Fortbewegung erfolgt langsam und bedächtig. Anders als viele Schleichkatzen springt der Binturong selten von Ast zu Ast, sondern klettert vorsichtig und nutzt seinen Greifschwanz zur Sicherung. Am Boden bewegt er sich plantigrad, also auf den gesamten Fußsohlen, was den bärenartigen Eindruck verstärkt.
Zur Kommunikation dienen verschiedene Lautäußerungen – darunter ein tiefes Knurren, hohes Wimmern und ein charakteristisches Kichern. Außerdem markieren Binturongs ihr Revier intensiv mit Duftstoffen aus Perianaldrüsen. Das Sekret dieser Drüsen verströmt einen auffälligen Geruch, der häufig mit dem Duft von Popcorn oder gebuttertem Mais verglichen wird. Verantwortlich dafür ist die chemische Verbindung 2-Acetyl-1-Pyrrolin, die auch in erhitztem Popcorn entsteht.
Fortpflanzung & Aufzucht
Weibliche Binturongs gehören zu den wenigen Säugetieren, bei denen eine verzögerte Einnistung (Keimruhe) vermutet wird, was bedeutet, dass die befruchtete Eizelle nicht sofort in die Gebärmutterschleimhaut implantiert wird. Die Tragzeit beträgt etwa 84 bis 99 Tage. Pro Wurf kommen in der Regel ein bis drei, selten bis zu sechs Jungtiere zur Welt.
Die Neugeborenen wiegen rund 300 Gramm, sind zunächst blind und vollständig auf die Mutter angewiesen. Die Augen öffnen sich nach etwa zehn Tagen. Die Jungtiere werden rund sechs bis acht Wo