Fossa
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cryptoprocta ferox
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
- Familie: Madagassische Raubtiere (Eupleridae)
- Gattung: Cryptoprocta
- Lebensraum: Tropische Regen-, Trocken- und Dornwälder Madagaskars
- Kopf-Rumpf-Länge: 70–80 cm
- Schwanzlänge: 65–70 cm
- Gewicht: 5–12 kg (Männchen schwerer als Weibchen)
- Lebenserwartung: ca. 15–20 Jahre (in Gefangenschaft bis 20 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Die Fossa ist das größte auf Madagaskar lebende Raubtier und erinnert auf den ersten Blick an eine Kreuzung aus Katze und kleinem Puma. Der Körperbau ist langgestreckt und muskulös, die Beine relativ kurz, der Schwanz beinahe so lang wie der restliche Körper. Dieser dient als Balancierhilfe beim Klettern und bei weiten Sprüngen durch das Kronendach der Wälder.
Das Fell ist kurz, dicht und von einheitlich rotbraun-kastanienbrauner bis dunkelbrauner Färbung, wobei die Bauchseite etwas heller ausfällt. Jungtiere können gelegentlich eine leicht gefleckte Zeichnung aufweisen, die mit zunehmendem Alter verblasst. Der Kopf ist breit und rundlich, die Schnauze kurz. Die Ohren sind abgerundet und stehen seitlich ab. Auffällig sind die großen, nach vorn gerichteten Augen, die auf eine gute räumliche Wahrnehmung hindeuten – eine Anpassung an die Jagd in den Baumkronen und bei Dämmerung.
Die Fossa besitzt einziehbare Krallen, die denen von Katzen ähneln und ein sicheres Greifen an Baumstämmen und Ästen ermöglichen. Die Fußsohlen sind nackt und flexibel; die Fossa kann plantigrad (auf der gesamten Sohle) oder digitigrad (auf den Zehen) laufen. Die Eckzähne sind kräftig entwickelt. Insgesamt ähnelt das Gebiss eher dem einer Katze als dem der verwandten Mangusten.
Lebensraum & Verbreitung
Die Fossa ist ein Endemit Madagaskars – sie kommt ausschließlich auf dieser Insel vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über verschiedene Waldtypen: von den feuchten tropischen Regenwäldern im Osten über die Trockenwälder im Westen bis zu den Dornwäldern im Südwesten. Das bevorzugte Habitat sind zusammenhängende, ungestörte Waldgebiete. Gelegentlich nutzt die Fossa auch degradierte Waldflächen und Sekundärvegetation, sofern genügend Baumbestand vorhanden ist. Offene Landschaften meidet sie weitgehend.
Die Fossa ist in Höhenlagen vom Meeresniveau bis etwa 2.000 Meter anzutreffen, wobei die höchsten Dichten in Tieflandwäldern und mittleren Höhenlagen erreicht werden. Ihr Biotop muss ausreichend Baumkronen bieten, da ein großer Teil der Jagd- und Fortbewegungsaktivität in den Bäumen stattfindet.
Ernährung
Als Spitzenprädator Madagaskars ist die Fossa ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Den Hauptanteil der Beute bilden Lemuren verschiedener Arten und Größen – von kleinen nachtaktiven Mausmakis bis hin zu ausgewachsenen Sifakas. Daneben erbeutet die Fossa Tenreks, Vögel, Reptilien wie Chamäleons und Geckos sowie Insekten und gelegentlich kleinere Haustiere wie Geflügel, was sie bei der ländlichen Bevölkerung unbeliebt macht.
Die Jagdtechnik variiert je nach Beutetier. Lemuren verfolgt die Fossa oft geschickt durch die Baumkronen, wobei ihr langer Schwanz und die einziehbaren Krallen entscheidende Vorteile bieten. Am Boden pirscht sie sich an Beutetiere heran und überwältigt sie durch einen schnellen Angriff.
Verhalten & Lebensweise
Die Fossa lebt überwiegend einzelgängerisch. Beide Geschlechter unterhalten feste Reviere, die sie mit Sekreten aus Analdrüsen und Duftmarken an Baumstämmen und Felsen markieren. Die Reviere der Männchen sind in der Regel größer als die der Weibchen und können sich mit den Territorien mehrerer Weibchen überlappen.
Zur Aktivitätszeit liegen widersprüchliche Beobachtungen vor: Die Fossa wurde sowohl am Tag als auch in der Nacht bei der Jagd beobachtet, gilt jedoch als vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv (kathemeral). Ruhephasen verbringt sie in Baumhöhlen, auf dicken Ästen oder in Felsspalten. Sie bewegt sich sowohl am Boden als auch in den Bäumen mit großer Gewandtheit und kann kopfüber an Baumstämmen hinabklettern – eine Fähigkeit, die sie mit wenigen anderen Raubtieren teilt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit der Fossa fällt auf den madagassischen Frühling (September bis November). Ein typisches Paarungsverhalten ist die sogenannte Baumpaarung: Weibchen besetzen bestimmte Bäume und werden dort von mehreren Männchen aufgesucht, die untereinander um das Paarungsrecht konkurrieren. Dieses Verhalten, das als eine Form der Balz interpretiert wird, kann sich über mehrere Tage erstrecken. Ein Weibchen paart sich häufig mit mehreren Männchen.
Nach einer Tragzeit von etwa 90 Tagen bringt das Weibchen in einer geschützten Höhle oder einem Erdloch ein bis vier – meist zwei bis drei – Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind blind und hilflos und wiegen nur rund 100 Gramm. Sie werden etwa vier bis fünf Monate gesäugt. Die Jungtiere bleiben bis zum Alter von etwa 15 bis 20 Monaten bei der Mutter, bevor sie abwandern und eigene Reviere etablieren. Die Geschlechtsreife tritt mit drei bis vier Jahren ein.