Blase
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Definition & Überblick
Die Harnblase (Vesica urinaria) ist ein muskuläres Hohlorgan des Harntrakts, das als Reservoir für den von den Nieren produzierten und über die Harnleiter (Ureter) zugeleiteten Urin dient. Sie gehört zu den ableitenden Harnwegen und ermöglicht die zeitlich kontrollierte Entleerung des Harns über die Harnröhre (Urethra). Die Harnblase liegt bei den meisten Haussäugetieren im kaudalen Abschnitt der Bauchhöhle (Cavum abdominis) bzw. teilweise im Beckenraum (Cavum pelvis) und wird durch Bänder (Ligamenta vesicae) in ihrer Lage fixiert. Ihre Größe, Form und Lage variieren je nach Füllungszustand und Tierart erheblich.
Aufbau & Struktur
Makroanatomisch gliedert sich die Harnblase in drei Abschnitte: den Blasenscheitel (Apex vesicae), den Blasenkörper (Corpus vesicae) und den Blasenhals (Cervix vesicae), der in die Harnröhre übergeht. Am dorsalen Blasengrund münden die beiden Harnleiter schräg durch die Blasenwand ein. Die Eintrittsstellen der Ureteren und der Abgang der Urethra bilden gemeinsam das Harnblasendreieck (Trigonum vesicae), eine glatte, dreieckige Schleimhautregion, die klinisch besondere Bedeutung hat.
Die Blasenwand besteht aus mehreren Schichten:
- Tunica mucosa – Die Schleimhaut ist mit einem mehrschichtigen Übergangsepithel (Urothel) ausgekleidet, das sich bei Dehnung der Blase flach ausbreiten kann. In leerem Zustand bildet die Schleimhaut zahlreiche Falten.
- Tela submucosa – Eine lockere Bindegewebsschicht, die der Schleimhaut Verschieblichkeit verleiht.
- Tunica muscularis – Die Muskelschicht, bestehend aus glatter Muskulatur, wird als Musculus detrusor vesicae (Austreibemuskel) bezeichnet. Sie setzt sich aus drei nicht scharf voneinander abgrenzbaren Schichten zusammen: einer inneren und äußeren Längsmuskelschicht sowie einer mittleren Ringmuskelschicht. Am Blasenhals verdichtet sich die Ringmuskulatur zum Musculus sphincter vesicae internus, dem inneren, unwillkürlichen Schließmuskel.
- Tunica serosa/Tunica adventitia – Der kraniodorsale Anteil der Blase wird vom Peritoneum (Tunica serosa) überzogen, während kaudoventrale Abschnitte durch eine Adventitia mit dem umliegenden Gewebe verbunden sind.
Die Blutversorgung erfolgt über die Arteria vesicalis cranialis (aus der A. umbilicalis) und die Arteria vesicalis caudalis (aus der A. vaginalis bzw. A. prostatica). Der venöse Abfluss mündet in den Plexus venosus vesicalis. Die Innervation erfolgt parasympathisch über den Nervus pelvinus (Kontraktion des Detrusors), sympathisch über den Nervus hypogastricus (Relaxation des Detrusors, Kontraktion des inneren Sphinkters) und somatisch über den Nervus pudendus (äußerer Schließmuskel, Musculus sphincter urethrae externus).
Funktion
Die Harnblase erfüllt zwei zentrale Funktionen: die Speicherung und die kontrollierte Entleerung von Urin. Während der Füllungsphase erschlafft der Detrusormuskel, und die Sphinkteren bleiben kontrahiert – ein Vorgang, der vorwiegend sympathisch gesteuert wird. Bei zunehmender Dehnung der Blasenwand werden Mechanorezeptoren aktiviert, die über afferente Fasern des Nervus pelvinus Signale an das Miktionszentrum im sakralen Rückenmark senden. Wird die Entleerung eingeleitet (Miktion), kontrahiert sich der Detrusor parasympathisch, während der innere und äußere Sphinkter erschlaffen. Bei Haustieren ist die willkürliche Kontrolle über den äußeren Schließmuskel unterschiedlich stark ausgeprägt.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die vergleichende Anatomie der Harnblase zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Tierarten:
- Hund und Katze – Die Blase liegt bei mäßiger Füllung überwiegend im Bauchraum, kranial des Beckeneingangs. Sie ist relativ groß und gut dehnbar. Beim Hund kann die gefüllte Blase bei der abdominalen Palpation leicht ertastet werden.
- Pferd – Die Harnblase liegt größtenteils im Beckenraum und reicht nur bei starker Füllung in den Bauchraum vor. Die Blasenwand ist vergleichsweise dick und muskelstark. Die Katheterisierung ist beim Pferd über die relativ weite Urethra gut möglich.
- Rind – Beim Rind liegt die Blase ebenfalls im Beckenbereich. Die rektale Untersuchung erlaubt eine Beurteilung der Blasenfüllung. Beim männlichen Rind erschwert die S-förmige Biegung des Penis (Flexura sigmoidea) eine Katheterisierung erheblich.
- Schwein – Die Blase weist eine auffällig große Kapazität auf und liegt zum Teil weit kranial im Bauchraum.
- Vögel – Mit Ausnahme des Straußes besitzen Vögel keine Harnblase. Der Harn wird in halbfester Form zusammen mit dem Kot über die Kloake ausgeschieden. Das Fehlen der Blase stellt eine Gewichtsersparnis dar und ist eine Anpassung an das Fliegen.
- Reptilien und Amphibien – Viele Schildkröten und Amphibien besitzen eine Harnblase, die zusätzlich als Wasserreservoir dient. Bei Schlangen und Krokodilen fehlt sie hingegen.
Besonderheiten
Beim Fetus verläuft der Urachus