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Drüsenmagen

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Anatomie & Körperbau > Innere Organe & Systeme

Definition & Überblick

Der Drüsenmagen (lat. Proventriculus, auch Ventriculus glandularis) bezeichnet den drüsenreichen Abschnitt des Magens, in dem die chemische Verdauung durch Sekretion von Salzsäure und Pepsinogen eingeleitet wird. Der Begriff findet vor allem in der vergleichenden Veterinäranatomie Verwendung und bezieht sich in erster Linie auf den Vormagen der Vögel (Aves), wird aber im weiteren Sinne auch auf den fundischen Drüsenbereich des Magens bei Säugetieren angewandt.

Bei Vögeln bildet der Proventriculus den ersten von zwei hintereinander geschalteten Magenabschnitten. Er liegt zwischen dem Ösophagus (Speiseröhre) und dem Muskelmagen (Ventriculus muscularis, Gizzard). Diese funktionelle Zweiteilung des Magens – chemische Verdauung im Drüsenmagen, mechanische Zerkleinerung im Muskelmagen – ist ein Schlüsselmerkmal der aviären Verdauungsanatomie und kompensiert das Fehlen von Zähnen.

Aufbau & Struktur

Der Drüsenmagen der Vögel ist ein relativ dünnwandiges, spindelförmiges bis sackartiges Organ. Sein histologischer Aufbau gliedert sich in die typischen Schichten der Magen-Darm-Wand:

  • Tunica mucosa (Schleimhaut): Sie trägt ein einschichtiges hochprismatisches Epithel und enthält die namensgebenden Drüsen. Charakteristisch sind die tief in die Submukosa reichenden, zusammengesetzten tubulären Drüsen (Glandulae proventriculares), die auf makroskopisch sichtbaren Papillen münden.
  • Tunica submucosa: In dieser Schicht liegen die ausgedehnten Drüsenkörper, die von Bindegewebe umgeben und reich vaskularisiert sind.
  • Tunica muscularis: Diese Schicht ist im Vergleich zum Muskelmagen dünn ausgebildet und besteht aus einer inneren zirkulären und einer äußeren longitudinalen Schicht glatter Muskulatur. Die Peristaltik befördert den Nahrungsbrei weiter in den Muskelmagen.
  • Tunica serosa: Die äußere Umhüllung durch das viszerale Peritoneum.

Die Drüsen des Proventriculus produzieren ein saures Sekret, das Salzsäure (HCl) und Pepsinogen enthält. Bei vielen Vogelarten sind die Drüsenpapillen bereits mit bloßem Auge auf der Schleimhautoberfläche erkennbar. Ihre Anzahl, Größe und Verteilung variieren artspezifisch erheblich.

Funktion

Die zentrale Funktion des Drüsenmagens ist die chemische Vorverdauung der aufgenommenen Nahrung. Durch die Sekretion von Salzsäure wird der pH-Wert im Lumen auf Werte zwischen 0,5 und 2,5 gesenkt. In diesem sauren Milieu wird das inaktive Pepsinogen autokatalytisch zu Pepsin umgewandelt, einer Endopeptidase, die Proteine in Polypeptide spaltet.

Daneben erfüllt der Drüsenmagen weitere Aufgaben:

  • Denaturierung von Proteinen durch die Salzsäure, wodurch diese für enzymatische Spaltung zugänglicher werden.
  • Bakterizide Wirkung: Der niedrige pH-Wert tötet einen Großteil der mit der Nahrung aufgenommenen Mikroorganismen ab.
  • Durchmischung und Weitertransport: Die Muskelschicht sorgt durch peristaltische Kontraktionen für eine gleichmäßige Benetzung des Futterbreis mit Magensaft und dessen Weiterleitung in den Muskelmagen.
  • Bei Greifvögeln und Eulen dient der Proventriculus zusätzlich als Sammelraum für unverdauliche Nahrungsreste (Knochen, Federn, Haare), die später als Gewölle (Speiballen) heraufgewürgt werden.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die Ausprägung des Drüsenmagens variiert erheblich je nach Ernährungsweise und taxonomischer Zugehörigkeit:

  • Körnerfressende Vögel (Granivore, z. B. Hühner, Tauben): Der Proventriculus ist relativ klein und kompakt. Die Nahrung passiert ihn rasch und wird hauptsächlich im kräftigen Muskelmagen mechanisch zerkleinert.
  • Fleischfressende Vögel (Karnivore, z. B. Greifvögel, Reiher): Der Drüsenmagen ist vergleichsweise groß und dehnbar, da proteinreiche Nahrung eine intensive chemische Verdauung erfordert. Die Drüsendichte ist hoch.
  • Fischfressende Vögel (Piscivore, z. B. Kormorane, Pelikane): Auch hier ist der Proventriculus gut entwickelt, um Fischproteine effizient aufzuschließen.
  • Nektarfressende Vögel (z. B. Kolibris): Der Drüsenmagen ist stark reduziert, da flüssige, kohlenhydratreiche Nahrung wenig Proteinverdauung erfordert.

Bei Säugetieren wird der Begriff Drüsenmagen gelegentlich für den drüsentragenden Magenabschnitt der Wiederkäuer (Ruminantia) verwendet. Hier bezeichnet er den Abomasum (Labmagen), der als einziger der vier Magenabschnitte Verdauungsdrüsen besitzt und dem Proventriculus der Vögel funktionell entspricht. Die drei Vormägen (Rumen, Reticulum, Omasum) sind dagegen drüsenlos und dienen der mikrobiellen Fermentation.

Bei Krokodilen existiert ebenfalls eine funktionelle Zweiteilung des Magens in einen drüsenreichen und einen muskulösen Abschnitt, was als konvergente Entwicklung zum Vogelmagen gedeutet wird.

Besonderheiten

Eine bemerkenswerte Besonderheit stellt der Drüsenmagen bei Sturmvögeln (Procellariiformes)