Darm
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Definition & Überblick
Der Darm (lat. Intestinum) ist ein schlauchförmiges Hohlorgan des Verdauungstraktes, das sich vom Magenausgang (Pylorus) bis zum After (Anus) erstreckt. Er bildet den längsten Abschnitt des Magen-Darm-Kanals (Canalis alimentarius) und dient der enzymatischen Aufspaltung des Nahrungsbreis (Chymus), der Resorption von Nährstoffen, Wasser und Elektrolyten sowie der Formung und Ausscheidung des Kots. Bei allen Haussäugetieren, Vögeln und Reptilien gliedert sich der Darm grundsätzlich in Dünndarm (Intestinum tenue) und Dickdarm (Intestinum crassum), wobei Länge, Durchmesser und funktionelle Spezialisierung erheblich zwischen den Tierarten variieren.
Aufbau & Struktur
Die Darmwand folgt dem für den gesamten Verdauungskanal typischen Schichtaufbau aus vier Hauptschichten:
- Tunica mucosa (Schleimhaut) – bestehend aus Epithelium mucosae, Lamina propria mucosae und Lamina muscularis mucosae. Im Dünndarm trägt sie fingerförmige Zotten (Villi intestinales), die die resorbierende Oberfläche massiv vergrößern.
- Tela submucosa – lockeres Bindegewebe mit Blut- und Lymphgefäßen sowie dem Plexus submucosus (Meissner-Plexus).
- Tunica muscularis – eine innere Ring- und eine äußere Längsmuskelschicht aus glatter Muskulatur, die durch peristaltische Kontraktionen den Chymus transportiert. Zwischen beiden Schichten liegt der Plexus myentericus (Auerbach-Plexus).
- Tunica serosa bzw. Tunica adventitia – die äußere Umhüllung, die intraperitoneal als Serosa mit Mesothel ausgekleidet ist.
Der Dünndarm gliedert sich in drei Abschnitte: Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Hüftdarm (Ileum). Im Duodenum münden der Ductus choledochus (Gallengang) und der Ductus pancreaticus (Pankreasgang), häufig auf der Papilla duodeni major. Das Jejunum bildet den längsten Abschnitt und ist über ein ausgedehntes Mesenterium (Gekröse) aufgehängt. Das Ileum endet an der Ileozäkalklappe (Ostium ileale), dem Übergang zum Dickdarm.
Der Dickdarm umfasst Blinddarm (Caecum), Grimmdarm (Colon) und Mastdarm (Rectum). Im Dickdarm fehlen Zotten; stattdessen finden sich tiefe Krypten (Glandulae intestinales) mit zahlreichen Becherzellen, die Schleim produzieren.
Funktion
Die zentrale Aufgabe des Dünndarms ist die chemische Verdauung und Resorption. Pankreasenzyme (Trypsin, Lipase, Amylase) und Gallensalze werden im Duodenum dem Chymus zugeführt und spalten Proteine, Fette und Kohlenhydrate. Die Enterozyten der Zotten resorbieren Monosaccharide, Aminosäuren, Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe über spezifische Transportmechanismen in das Blut- und Lymphsystem. Im Ileum erfolgt zusätzlich die Rückresorption von Gallensäuren (enterohepatischer Kreislauf) sowie die Aufnahme von Vitamin B12.
Der Dickdarm ist primär für die Wasserrückresorption und Elektrolytabsorption verantwortlich. Bei vielen Pflanzenfressern findet hier durch mikrobielle Fermentation eine zusätzliche Aufspaltung von Zellulose statt, wobei kurzkettige Fettsäuren (Acetat, Propionat, Butyrat) als Energiequelle entstehen. Das Rectum dient der Kotspeicherung bis zur Defäkation.
Der Darm beherbergt zudem das darmassoziierte lymphatische Gewebe (GALT, gut-associated lymphoid tissue), darunter die Peyer-Platten im Ileum, und spielt eine entscheidende Rolle in der immunologischen Abwehr.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Darmlänge und die Ausprägung einzelner Abschnitte korrelieren eng mit der Ernährungsweise:
- Pferd: Der Darm erreicht eine Gesamtlänge von etwa 25–30 Metern. Das Caecum ist mit rund 1 Meter Länge und einem Fassungsvermögen von 30–35 Litern als große Gärkammer ausgebildet. Das Colon ascendens (großes Kolon) ist ebenfalls massiv erweitert und dient der mikrobiellen Fermentation – das Pferd ist ein typischer Dickdarmfermentierer (Hindgut Fermenter).
- Wiederkäuer (Rind, Schaf, Ziege): Obwohl die mikrobielle Fermentation primär in den Vormägen stattfindet, ist der Darm mit 40–60 Metern beim Rind bemerkenswert lang. Das Caecum ist vergleichsweise klein, da die Celluloseverdauung bereits pregastrisch erfolgt.
- Schwein: Als Allesfresser (Omnivore) besitzt das Schwein einen 20–25 Meter langen Darm mit einem mäßig entwickelten Caecum. Das Colon zeigt eine charakteristische spiralige Aufwicklung (Ansa spiralis coli).
- Hund und Katze: Als Karnivoren haben sie einen relativ kurzen Darm (Hund ca. 4–7 Meter, Katze ca. 2–3 Meter) mit einem rudimentären Blinddarm. Die Transitzeit des Futters ist entsprechend kurz.
- Vögel: Der Darm ist im Verhältnis