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Caecum

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Anatomie & Körperbau > Innere Organe & Systeme

Definition & Überblick

Das Caecum (lat. Caecum, auch Caecum intestinale; deutsch: Blinddarm) ist ein blind endender Abschnitt des Dickdarms (Intestinum crassum), der am Übergang vom Dünndarm (Ileum) zum Dickdarm (Colon) liegt. Die Bezeichnung „Blinddarm" leitet sich von der sackartig geschlossenen Form ab, die keine direkte Durchgangspassage besitzt. Das Caecum ist bei nahezu allen Haussäugetieren und Vögeln ausgebildet, variiert jedoch in Größe, Gestalt und funktioneller Bedeutung erheblich zwischen den Tierarten. Als Bestandteil des Magen-Darm-Traktes spielt es insbesondere bei herbivoren Spezies eine zentrale Rolle im mikrobiellen Aufschluss pflanzlicher Nahrungsbestandteile.

Aufbau & Struktur

Das Caecum bildet eine sackförmige Aussackung am Anfang des Dickdarms. Anatomisch werden folgende Abschnitte unterschieden:

  • Basis caeci (Blinddarmkörper): der breitere, dem Colon zugewandte Abschnitt, in den das Ileum über die Valva ileocaecalis (Ileozäkalklappe, auch Ostium ileale) einmündet. Diese Klappe reguliert den Chymusfluss und verhindert einen Rückstrom von Dickdarminhalt in den Dünndarm.
  • Corpus caeci (Blinddarmkörper im engeren Sinne): der mittlere Abschnitt.
  • Apex caeci (Blinddarmspitze): das blind endende, verjüngte Ende des Organs.

Die Wand des Caecums entspricht dem typischen Aufbau der Dickdarmwand und besteht aus Tunica mucosa (Schleimhaut), Tela submucosa, Tunica muscularis und Tunica serosa. Die Schleimhaut ist reich an Lieberkühn-Krypten (Glandulae intestinales) und enthält zahlreiche Becherzellen (Cellulae caliciformes), die Schleim zur Befeuchtung und zum Schutz der Oberfläche produzieren. Zotten fehlen im Caecum – im Gegensatz zur Dünndarmschleimhaut. In der Submukosa und Mukosa finden sich häufig Ansammlungen von lymphatischem Gewebe (Noduli lymphoidei aggregati), die eine immunologische Funktion erfüllen.

Bei einigen Tierarten weist die Tunica muscularis bandförmige Verdickungen auf, die als Taenien (Taeniae caeci) bezeichnet werden. Zwischen diesen Längsmuskelbändern bilden sich typische Ausbuchtungen, die Haustra (Haustra caeci), die dem Organ sein charakteristisches gebuchtetes Aussehen verleihen.

Funktion

Die funktionelle Bedeutung des Caecums hängt unmittelbar von der Ernährungsweise der jeweiligen Tierart ab. Grundsätzlich lassen sich folgende Funktionen zusammenfassen:

  • Mikrobielle Fermentation: Im Caecum siedelt eine dichte und artenreiche Mikrobiota (Bakterien, Protozoen, Pilze), die pflanzliche Strukturkohlenhydrate wie Cellulose und Hemicellulose enzymatisch zu kurzkettigen Fettsäuren (volatile fatty acids, VFA) wie Acetat, Propionat und Butyrat abbauen. Diese Fettsäuren werden über die Caecumschleimhaut resorbiert und dienen dem Tier als Energiequelle.
  • Wasserresorption: Das Caecum entzieht dem Darminhalt Wasser und Elektrolyte, was zur Eindickung des Kots beiträgt.
  • Immunfunktion: Das darmassoziierten lymphatische Gewebe (GALT – gut-associated lymphoid tissue) im Caecum ist an der Abwehr pathogener Keime beteiligt und spielt eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der intestinalen Immunhomöostase.
  • Vitaminsynthese: Die mikrobielle Flora synthetisiert B-Vitamine und Vitamin K, deren Verfügbarkeit allerdings vom Ort der Resorption abhängt.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Anatomie zeigt erhebliche Unterschiede in der Ausprägung des Caecums:

  • Pferd (Equus caballus): Das Caecum des Pferdes ist das größte unter den Haussäugetieren. Es fasst beim adulten Tier etwa 25–35 Liter und ist kommaförmig gebogen. Es besitzt vier Taenien und ausgeprägte Haustra. Das Pferd zählt zu den Dickdarmfermentierern (Caecum- und Colonfermentation), bei denen der mikrobielle Aufschluss von Rohfaser überwiegend im Blinddarm und großen Colon stattfindet.
  • Kaninchen (Oryctolagus cuniculus): Auch beim Kaninchen ist das Caecum enorm entwickelt – es übertrifft den Magen um das Zehnfache an Volumen. Eine Besonderheit ist die Caecotrophie: Spezieller, nährstoffreicher Blinddarmkot (Caecotrophe) wird vom Tier direkt vom Anus aufgenommen und erneut verdaut, wodurch mikrobielle Syntheseprodukte dem Dünndarm zugeführt werden.
  • Wiederkäuer (Ruminantia): Bei Rind, Schaf und Ziege ist das Caecum vergleichsweise klein und glatt, da der Hauptort der mikrobiellen Fermentation der Pansen (Rumen) ist. Das Caecum misst beim Rind etwa 40–70 cm und hat keine Taenien.
  • Schwein (Sus scrofa domesticus): Das Caecum des Schweins ist zylindrisch, etwa 20–30 cm lang und besitzt drei Taenien mit deutlicher Haustrierung. Es trägt zur Fermentation bei, wenngleich in geringerem Umfang als beim Pferd.
  • Hund und Katze (Carnivora):