Dickdarm
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Definition & Überblick
Der Dickdarm (lat. Intestinum crassum) bildet den letzten Abschnitt des Verdauungskanals und schließt sich an den Dünndarm an. Er erstreckt sich von der Ileozäkalklappe (Ostium ileale) bis zum Anus und ist für die Rückresorption von Wasser und Elektrolyten, die mikrobielle Fermentation sowie die Bildung und Speicherung des Kots verantwortlich. Im Vergleich zum Dünndarm besitzt der Dickdarm einen größeren Durchmesser, eine dünnere Schleimhaut ohne Zotten und eine charakteristische Oberflächenstruktur. Je nach Tierart variiert das Verhältnis von Dickdarm- zu Dünndarmlänge erheblich: Während der Dickdarm bei Karnivoren relativ kurz ist, nimmt er bei Herbivoren – insbesondere bei Pferden – enorme Dimensionen an und übernimmt dort die Funktion einer Gärkammer.
Aufbau & Struktur
Der Dickdarm gliedert sich grundsätzlich in drei Hauptabschnitte:
- Blinddarm (Caecum): Ein blind endender Sack am Übergang vom Ileum zum Kolon. Er variiert in Größe und Funktion je nach Tierart erheblich. Beim Pferd fasst das Caecum etwa 30–35 Liter und dient als mikrobielle Gärkammer, während es beim Hund nur wenige Zentimeter lang und funktionell von geringer Bedeutung ist.
- Grimmdarm (Colon): Der längste Abschnitt des Dickdarms, der sich in mehrere Unterabschnitte gliedert. Unterschieden werden das Colon ascendens (aufsteigender Grimmdarm), das Colon transversum (querverlaufender Grimmdarm) und das Colon descendens (absteigender Grimmdarm). Beim Wiederkäuer und beim Pferd zeigt das Colon ascendens eine besonders komplexe Schlingenbildung.
- Mastdarm (Rectum): Der Endabschnitt des Dickdarms, der im Beckenkanal verläuft und am Anus mündet. Das Rectum dient der kurzfristigen Kotspeicherung und wird durch den inneren (glattmuskulären) und äußeren (quergestreiften) Afterschließmuskel (Musculus sphincter ani internus et externus) verschlossen.
Die Wand des Dickdarms folgt dem typischen Aufbau des Verdauungsrohrs mit Tunica mucosa, Tela submucosa, Tunica muscularis und Tunica serosa. Die Schleimhaut des Dickdarms trägt im Gegensatz zum Dünndarm keine Zotten (Villi intestinales), sondern ist von zahlreichen Lieberkühn-Krypten (Glandulae intestinales) durchsetzt, die reichlich Becherzellen enthalten. Diese produzieren Muzine, die den Darminhalt gleitfähig machen. Bei einigen Tierarten – besonders beim Pferd – bildet die Längsmuskulatur des Kolons sogenannte Tänien (Taeniae coli), die bandförmig verlaufen und zwischen denen sich Ausbuchtungen, die Haustren (Haustra coli), bilden.
Funktion
Die Hauptfunktionen des Dickdarms umfassen:
- Wasserrückresorption: Der Dickdarm entzieht dem Darminhalt große Mengen Wasser und Elektrolyte (vor allem Natrium und Chlorid) und dickt den Darminhalt dadurch zum geformten Kot ein. Dieser Vorgang ist entscheidend für den Flüssigkeitshaushalt des Organismus.
- Mikrobielle Fermentation: Im Caecum und Colon befindet sich eine artenreiche Mikrobiota, die unverdauliche Nahrungsbestandteile – insbesondere pflanzliche Strukturkohlenhydrate wie Zellulose und Hemizellulose – durch bakterielle Fermentation abbaut. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren (Acetat, Propionat, Butyrat), die über die Dickdarmschleimhaut resorbiert werden und dem Tier als Energiequelle dienen.
- Vitaminsynthese: Darmbakterien synthetisieren B-Vitamine und Vitamin K, die teilweise über die Kolonschleimhaut aufgenommen werden.
- Kotformung und -speicherung: Durch peristaltische und antiperistaltische Bewegungen wird der Darminhalt durchmischt, eingedickt und im Rectum bis zur Defäkation gespeichert.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die vergleichende Anatomie des Dickdarms spiegelt die Ernährungsstrategie der jeweiligen Tierart wider:
- Pferd (Equiden): Als Dickdarmfermentierer (Caecum- und Colonverdauer) besitzt das Pferd einen enorm entwickelten Dickdarm, der bis zu 60 % des gesamten Magen-Darm-Volumens ausmacht. Das Caecum fasst 30–35 Liter, das Colon ascendens (großes Kolon) etwa 80–100 Liter. Die komplexe Schlingenbildung mit der ventralen und dorsalen Kolonlage sowie den Flexuren (Flexura pelvina, Flexura sternalis, Flexura diaphragmatica) stellt eine anatomische Prädispositionsstelle für Verlagerungen und Obstipationen dar.
- Wiederkäuer (Ruminantia): Bei Rind, Schaf und Ziege findet die Hauptfermentation bereits im Vormagensystem statt. Der Dickdarm ist daher vergleichsweise einfach gebaut. Das Colon ascendens bildet beim Rind die Ansa spiralis coli (Kolonscheibe) mit charakteristischen zentripetalen und zentrifugalen Windungen.
- Schwein (Suidae): Das Schwein besitzt als Allesfresser ein mittelgroßes Caecum und ein Colon ascendens, das ebenfalls eine spiralige Anordnung (Ansa spiralis coli) aufweist, ähnlich dem Wiederkäuer, jedoch in kegelförmiger Gestalt.
- Fleischfresser (Karnivoren): Hund und Katze haben einen relativ kurzen, einfach gebauten Dickdarm ohne Tänien und Haustren. Das Caecum ist klein und funktionell unbedeutend. Die Transitzeit durch den Dickdarm ist kurz,