Blutegel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hirudo medicinalis (Medizinischer Blutegel)
- Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
- Klasse: Gürtelwürmer (Clitellata)
- Ordnung: Rüsselegel (Arhynchobdellida)
- Familie: Hirudinidae
- Gattung: Hirudo
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer
- Größe: 10–15 cm (ausgestreckt bis 20 cm)
- Gewicht: 1–5 g (nüchtern), nach Blutmahlzeit bis 15 g
- Lebenserwartung: Bis zu 27 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn etwa 6–10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Blutegel besitzen einen dorsoventral abgeflachten, langgestreckten Körper, der aus exakt 33 Segmenten aufgebaut ist – ein Merkmal, das sie von den meisten anderen Ringelwürmern unterscheidet. Die Segmentierung ist äußerlich durch feine Ringfurchen erkennbar, wobei mehrere äußere Ringel einem inneren Segment entsprechen. Die Körperoberfläche ist glatt, feucht und schleimig, ohne Borsten oder Parapodien. Im Gegensatz zu Regenwürmern fehlt den Blutegeln jede Form von Hautanhängen.
Die Grundfärbung der Oberseite ist olivgrün bis dunkelbraun, durchzogen von sechs rötlich-orangen Längsstreifen. Die Bauchseite ist heller, meist gelbgrün und oft mit dunklen Flecken versehen. An beiden Körperenden befindet sich je ein Saugnapf: Der vordere, kleinere Saugnapf umgibt die Mundöffnung, der hintere, deutlich größere dient primär der Fortbewegung und als Haftorgan. Im vorderen Saugnapf liegen drei sternförmig angeordnete Kieferplatten, die jeweils mit etwa 80 feinen Kalkzähnchen besetzt sind. Diese hinterlassen beim Biss die charakteristische, dreistrahlige Y-förmige Wunde.
Blutegel verfügen über fünf Augenpaare am Kopfende, die als einfache Ocellen Lichtintensität und Lichtrichtung wahrnehmen. Zusätzlich reagieren zahlreiche Sinneszellen in der Haut auf mechanische Reize, Temperaturunterschiede und chemische Signale – entscheidend für das Aufspüren von Wirtstieren.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Medizinischen Blutegels erstreckt sich über weite Teile Europas und Vorderasiens. Historisch war die Art von Großbritannien über Mittel- und Südeuropa bis in den Kaukasus und nach Zentralasien verbreitet. In Deutschland galt Hirudo medicinalis einst als häufig, ist aber seit dem 19. Jahrhundert stark zurückgegangen.
Als Habitat bevorzugen Blutegel stehende oder nur schwach fließende Süßgewässer mit lehmigem oder schlammigem Untergrund: Teiche, Tümpel, Weiher, Gräben und sumpfige Überschwemmungsflächen. Entscheidend ist eine ausreichende Wasserqualität und das Vorhandensein geeigneter Wirtse – vor allem Amphibien und an der Wasserstelle trinkende Säugetiere wie Rinder, Pferde oder Wildtiere. Die Tiere halten sich bevorzugt in der Uferzone auf, wo sie zwischen Wasserpflanzen und unter Steinen oder Totholz verborgen auf vorbeiziehende Beutetiere warten.
Neben Hirudo medicinalis kommt in Europa auch der nahe verwandte Ungarische Blutegel (Hirudo verbana) vor, der in Südosteuropa verbreitet ist und in der medizinischen Anwendung häufig verwendet wird. Weltweit sind über 680 Blutegelarten beschrieben, von denen jedoch nur wenige als blutsaugende Ektoparasiten an Warmblütern leben.
Ernährung
Blutegel der Gattung Hirudo sind hämatophag – sie ernähren sich ausschließlich vom Blut anderer Tiere. Der Saugvorgang dauert in der Regel 20 bis 90 Minuten, wobei der Egel das Drei- bis Fünffache seines eigenen Körpergewichts an Blut aufnimmt. Während des Saugens injiziert er über seine Speicheldrüsen ein komplexes Sekret in die Wunde. Dieses enthält unter anderem Hirudin, einen hochwirksamen Blutgerinnungshemmer, sowie Hyaluronidase, die das Gewebe auflockert und das Eindringen des Sekrets erleichtert. Zusätzlich wirken Substanzen wie Calin (hemmt die Thrombozytenaggregation) und Egline (entzündungshemmend).
Das aufgenommene Blut wird in einem stark erweiterten Mitteldarm mit zahlreichen Seitentaschen (Divertikeln) gespeichert und dort über Monate hinweg langsam verdaut. Symbiotische Bakterien der Gattung Aeromonas unterstützen dabei den Abbau des Blutes und verhindern dessen Fäulnis. Nach einer vollständigen Mahlzeit kann ein Blutegel bis zu einem Jahr oder länger ohne weitere Nahrungsaufnahme überleben.
Verhalten & Lebensweise
Blutegel sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich unter Steinen, Laub oder im Schlamm des Gewässerbodens. Potenzielle Wirtstiere werden über Wellenbewegungen im Wasser, Temperaturänderungen und chemische Reize wahrgenommen – bereits geringe Konzentrationen von Kohlendioxid, Milchsäure oder Fettsäuren in der Umgebung lösen ein zielgerichtetes Schwimmverhalten aus.
Die Fortbewegung erfolgt auf zwei Arten: Im Wasser schwimmen Blutegel mit eleganten, wellenförmigen Körperbewegungen. An Land bewegen sie sich raupenähnlich, indem sie abwechselnd den vorderen und hinteren Saugnapf fixieren und den Körper spannerartig nachziehen. In der kalten Jahreszeit graben sich die Tiere in feuchten Uferboden ein und fallen in eine Winterstarre (Kältestarre), die sie vor dem Erfrieren schützt.
Blutegel leben solitär und zeigen kein ausgeprägtes Revierverhalten. An günstigen Stellen können sich jedoch mehrere Individuen in