T Tierlexikon.net
← Lexikon

Federwurm

F

Tierart – Wirbellose > Würmer & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Sabellida (Ordnung), zahlreiche Gattungen, u. a. Sabella, Bispira, Spirobranchus
  • Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
  • Klasse: Vielborster (Polychaeta)
  • Ordnung: Sabellida
  • Wichtige Familien: Sabellidae (Federwürmer i. e. S.), Serpulidae (Kalkröhrenwürmer)
  • Lebensraum: Meeresböden weltweit, vom Flachwasser bis zur Tiefsee; einige Arten in Brack- und Süßwasser
  • Größe: Je nach Art 1 cm bis über 40 cm (Röhre + Tentakelkrone)
  • Gewicht: Wenige Milligramm bis einige Gramm
  • Lebenserwartung: Artabhängig 2–40 Jahre; Weihnachtsbaumwürmer (Spirobranchus giganteus) können mehrere Jahrzehnte alt werden

Aussehen & Merkmale

Federwürmer verdanken ihren deutschen Namen der auffälligen Tentakelkrone, die sie aus ihrer Wohnröhre herausstrecken. Diese federartige Struktur besteht aus zahlreichen Radiolen – fein verzweigte, mit Wimpern (Cilien) besetzte Fortsätze, die sowohl der Atmung als auch der Nahrungsaufnahme dienen. Die Farbpalette reicht von Weiß, Gelb und Orange über Rot und Violett bis hin zu mehrfarbig gestreiften oder gebänderten Mustern.

Der eigentliche Wurmkörper bleibt in einer selbst gebauten Röhre verborgen. Bei den Sabellidae besteht diese Röhre aus einem flexiblen, lederartigen Material, das der Wurm aus Schleim und eingearbeiteten Sedimentpartikeln herstellt. Die Serpulidae hingegen bilden harte Kalkröhren, die fest auf Hartsubstrat wie Fels, Korallen oder Muschelschalen aufwachsen. Der segmentierte Körper zeigt den typischen Bauplan der Polychaeten: Jedes Segment trägt seitliche Parapodien mit Borsten (Chaetae), die der Verankerung in der Röhre dienen. Viele Serpuliden besitzen zusätzlich ein Operculum – einen verkalkten Deckel, mit dem sie die Röhrenöffnung verschließen können.

Lebensraum & Verbreitung

Federwürmer sind in nahezu allen Meeresregionen der Erde verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von tropischen Korallenriffen über temperierte Küstengewässer bis hin zu polaren Meeren und der Tiefsee. Das bevorzugte Habitat umfasst Hartböden, Felslitoral, Korallenriffe, Seegraswiesen und Weichböden im Sublitoral. Einige Arten besiedeln auch Hafenmolen, Schiffsrümpfe und künstliche Riffstrukturen.

Die höchste Artenvielfalt findet sich in tropischen und subtropischen Gewässern. Im Mittelmeer, im Roten Meer und im Indopazifik sind Federwürmer häufige Bewohner der Riffgemeinschaften. Im Nordatlantik und in der Nordsee kommen vor allem kleinere Arten der Gattungen Sabella und Pomatoceros vor. Einzelne Süßwasservertreter der Familie Sabellidae leben in Flüssen und Seen, bilden dort aber eine Ausnahme innerhalb der überwiegend marinen Gruppe.

Ernährung

Federwürmer sind Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie ernähren sich von Phytoplankton, Bakterien, Detritus und feinen organischen Partikeln, die im Wasser suspendiert sind. Die Radiolen der Tentakelkrone erzeugen durch koordinierten Wimpernschlag einen gerichteten Wasserstrom. Partikel werden an Schleim gebunden und entlang bewimperter Rinnen zum Mund transportiert. Dabei findet eine Größensortierung statt: Sehr feine Partikel gelangen direkt in den Verdauungstrakt, mittelgroße werden zum Röhrenbau verwendet, und zu grobe Partikel werden abgestoßen. Dieser Selektionsmechanismus ist bei den Sabellidae besonders gut untersucht und stellt eine effiziente Nutzung des verfügbaren Nahrungsangebots sicher.

Verhalten & Lebensweise

Federwürmer sind sessile, also ortsfeste Tiere, die ihren gesamten Lebenszyklus in oder an ihrer Wohnröhre verbringen. Sie gelten als überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, breiten ihre Tentakelkrone jedoch bei ruhigen Strömungsverhältnissen auch tagsüber aus. Auf Erschütterungen, Schattenwurf oder plötzliche Wasserströmungen reagieren sie mit einer blitzschnellen Rückzugsbewegung in die Röhre. Diese Fluchtreaktion wird durch lichtempfindliche Zellen (Photorezeptoren) an den Radiolen und durch mechanosensorische Rezeptoren ausgelöst. Bei manchen Serpuliden schließt das Operculum die Röhre innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde.

Obwohl Federwürmer keine Reviere im eigentlichen Sinne beanspruchen, konkurrieren sie mit benachbarten sessilen Organismen um Siedlungsfläche und Zugang zu nährstoffreichem Wasser. In dichten Beständen können sie erhebliche Filtrations­leistungen erbringen und so die Wasserqualität in ihrem unmittelbaren Biotop beeinflussen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die meisten Federwürmer sind getrenntgeschlechtlich, einige Arten jedoch Zwitter (Hermaphroditen). Die Fortpflanzung erfolgt in der Regel durch synchrones Ablaichen: Männchen und Weibchen geben Spermien und Eier ins freie Wasser ab, wo die Befruchtung stattfindet. Die Auslösung des Laichvorgangs wird vermutlich durch Umweltfaktoren wie Wassertemperatur, Mondphase und chemische Signalstoffe gesteuert.

Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich planktonische Larven – zunächst eine Trochophora-Larve, dann eine Metatrochophora. Diese Larvenstadien treiben im Plankton, ernähren sich von Mikroalgen und durchlaufen über Tage bis Wochen ihre Metamorphose. Schließlich setzt sich die Larve auf geeigne