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Borstenwurm

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Tierart – Wirbellose > Würmer & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Polychaeta (Klasse)
  • Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
  • Klasse: Vielborster (Polychaeta)
  • Anzahl bekannter Arten: ca. 10.000–15.000
  • Lebensraum: überwiegend marin; Meeresböden, Korallenriffe, Tiefsee, Brackwasser, wenige Süßwasserarten
  • Größe: wenige Millimeter bis über 3 Meter (Riesenseeringelwurm Eunice aphroditois)
  • Gewicht: artabhängig, meist wenige Gramm
  • Lebenserwartung: je nach Art 1–25 Jahre; Röhrenwürmer der Tiefsee potenziell über 100 Jahre

Aussehen & Merkmale

Borstenwürmer – zoologisch als Polychaeta oder Vielborster bezeichnet – sind segmentierte Ringelwürmer, deren Körper aus zahlreichen, weitgehend gleichförmigen Segmenten aufgebaut ist. Jedes Segment trägt seitlich ein Paar stummelförmiger Anhänge, die sogenannten Parapodien. Diese Parapodien sind mit Bündeln chitiniger Borsten (Chaetae) besetzt, denen die Tiere ihren deutschen Namen verdanken. Form, Anzahl und Anordnung der Borsten variieren stark zwischen den Arten und dienen als wichtiges Bestimmungsmerkmal in der Taxonomie.

Am Vorderende sitzt das Prostomium, ein vorstülpbarer Kopflappen, der je nach Lebensweise mit Augen, Antennen, Palpen und Tentakeln ausgestattet sein kann. Räuberisch lebende Arten wie der Seeringelwurm (Hediste diversicolor) besitzen einen ausstülpbaren Pharynx mit kräftigen Kieferzangen, während filtrierende Röhrenwürmer wie der Kalkröhrenwurm (Spirobranchus) fedrige Tentakelkronen tragen. Die Körperoberfläche ist oft von einer dünnen Cuticula bedeckt. Manche Arten schillern durch Lichtbrechung an der Cuticula in irisierenden Farben, etwa der Seeraupe (Aphrodita aculeata), deren Borsten einen metallisch-regenbogenfarbigen Glanz zeigen.

Die Körpergröße reicht von wenigen Millimetern bei interstitiellen Formen, die im Lückensystem zwischen Sandkörnern leben, bis hin zu mehreren Metern beim tropischen Riesenseeringelwurm.

Lebensraum & Verbreitung

Borstenwürmer besiedeln nahezu alle marinen Lebensräume der Erde. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Gezeitenzone bis in die Tiefsee, von tropischen Korallenriffen bis zu polaren Meeresböden. Sie kommen sowohl im Benthal – also am und im Meeresboden – als auch pelagisch im freien Wasser vor. Viele Arten leben infaunal, das heißt grabend im Sediment von Schlick- und Sandböden. Andere heften sich epifaunal an Hartsubstrate wie Felsen, Muschelschalen oder Korallenstöcke.

Röhrenbauende Arten wie der Federbuschröhrenwurm (Sabella spallanzanii) oder die Gattung Serpula errichten feste Wohnröhren aus Kalk oder verklebten Sedimentpartikeln. Diese Röhren können in dichten Aggregationen ganze Riffstrukturen bilden und so eigene Biotope schaffen, die wiederum anderen Organismen als Habitat dienen.

Einige wenige Gattungen haben Süß- oder Brackwasserlebensräume besiedelt. Im Brackwasser der Nord- und Ostsee ist der Seeringelwurm (Hediste diversicolor) eine häufige und ökologisch bedeutsame Art.

Ernährung

Die Ernährungsstrategien der Borstenwürmer sind außerordentlich vielfältig und spiegeln die enorme ökologische Bandbreite der Klasse wider. Grob lassen sich folgende Typen unterscheiden:

  • Räuber: Aktiv jagende Arten wie Nereis oder der Bobbit-Wurm (Eunice aphroditois) ergreifen andere Wirbellose, kleine Krebstiere oder Fischlarven mit ihrem ausstülpbaren Kieferapparat.
  • Sedimentfresser: Viele grabende Arten, etwa der Wattwurm (Arenicola marina), nehmen Sediment auf und verdauen darin enthaltene organische Partikel und Mikroorganismen – vergleichbar mit der Ernährungsweise des Regenwurms an Land.
  • Filtrierer: Röhrenwürmer der Familien Sabellidae und Serpulidae fangen mit ihren Tentakelkronen Plankton und Schwebstoffe aus dem Wasser.
  • Detritusfresser: Zahlreiche Arten weiden organische Ablagerungen und Biofilme von Oberflächen ab.

In hydrothermalen Tiefseequellen (Black Smokers) leben Bartwürmer der Gattung Riftia – systematisch eng mit den Polychaeten verwandt – in Symbiose mit chemosynthetischen Bakterien und kommen gänzlich ohne konventionelle Nahrungsaufnahme aus.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten Borstenwürmer sind nachtaktiv oder dämmerungsaktiv und meiden direktes Licht. Sessile Röhrenwürmer reagieren auf Erschütterungen und Schattenwürfe mit einem blitzschnellen Rückzug in ihre Röhre – ein Schutzreflex, der über einfache Lichtsinnesorgane und mechanische Rezeptoren gesteuert wird.

Frei lebende Polychaeten wie die Nereidae bewegen sich kriechend oder schlängelnd über den Meeresboden; die Parapodien dienen dabei als Fortbewegungsorgane. Einige pelagische Arten der Familie Tomopteridae schwimmen dauerhaft im offenen Wasser und haben transparente, blattartige Parapodien als Schwimmorgane entwickelt.

Territorial verhalten sich vor allem röhrenbauende Arten, die ihre Wohnröhre gegen Artgenossen verteidigen. Soziale Verbände oder Rudelbildung sind bei Borstenwürmern nicht bekannt; die meisten Arten leben solitär.

Fortpflanzung & Aufzucht