Egel
ETierart – Wirbellose > Würmer & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hirudinea
- Systematik: Unterklasse innerhalb der Klasse Gürtelwürmer (Clitellata), Stamm Ringelwürmer (Annelida)
- Ordnungen: u. a. Rüsselegel (Rhynchobdellida), Kieferegel (Gnathobdellida), Schlundegel (Pharyngobdellida)
- Bekannte Arten: Medizinischer Blutegel (Hirudo medicinalis), Pferdeegel (Haemopis sanguisuga), Hundeegel (Erpobdella octoculata)
- Lebensraum: Süßgewässer, feuchte Landhabitate, selten Meeresgewässer
- Größe: 1–30 cm je nach Art, in tropischen Regionen bis 45 cm
- Gewicht: wenige Milligramm bis ca. 30 g (vollgesogen deutlich mehr)
- Lebenserwartung: 2–20 Jahre, je nach Art
Aussehen & Merkmale
Egel besitzen einen abgeflachten, segmentierten Körper, der aus genau 33 Segmenten (Somiten) aufgebaut ist – ein konstantes Merkmal innerhalb der gesamten Unterklasse Hirudinea. Im Gegensatz zu ihren nächsten Verwandten, den Wenigborstern (Oligochaeta), fehlen den Egeln Borsten (Chaetae) vollständig. Stattdessen verfügen sie über zwei muskulöse Saugnäpfe: einen vorderen, der die Mundöffnung umgibt, und einen größeren hinteren Saugnapf am Körperende. Beide dienen der Fortbewegung und dem Festhalten an Substraten oder Wirtstieren.
Die Körperoberfläche ist von einer dünnen, schleimigen Kutikula überzogen, die regelmäßig gehäutet wird. Die Farbgebung variiert stark zwischen den Arten – von einfarbig dunkelbraun oder olivgrün bis hin zu auffälligen Streifenmustern mit rötlichen und gelblichen Akzenten. Kieferegel wie der Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) besitzen im Mundraum drei gezähnte Kieferleisten, mit denen sie die Haut ihrer Wirte Y-förmig einritzen. Rüsselegel hingegen nutzen einen ausstülpbaren Rüssel (Proboscis), um in das Gewebe einzudringen.
Die Muskulatur der Egel ist stark entwickelt. Ring-, Längs- und Diagonalmuskeln ermöglichen sowohl eine spannerraupenartige Kriechbewegung an Land als auch eine wellenförmige Schwimmbewegung im Wasser. Das Nervensystem ist für Wirbellose relativ komplex, mit einem oberen Schlundganglion und einer Bauchmarkskette.
Lebensraum & Verbreitung
Egel sind weltweit verbreitet und besiedeln ein breites Spektrum an Biotopen. Die meisten der rund 700 beschriebenen Arten leben in Süßgewässern – in stehenden Teichen, Seen, langsam fließenden Bächen und sumpfigen Feuchtgebieten. Einige Gattungen haben sich an terrestrische Lebensräume angepasst und kommen in tropischen Regenwäldern Süd- und Südostasiens vor, wo sie in der feuchten Laubstreu auf vorbeiziehende Wirbeltiere lauern. Wenige Arten, etwa aus der Familie Piscicolidae, parasitieren marine Fische und leben entsprechend im Salzwasser.
Das Verbreitungsgebiet des Medizinischen Blutegels erstreckt sich über weite Teile Europas und Westasiens. In Mitteleuropa sind seine Bestände durch Trockenlegung von Feuchtgebieten und historische Übernutzung für medizinische Zwecke stark zurückgegangen. Der Hundeegel hingegen gehört in mitteleuropäischen Fließgewässern zu den häufigsten Egelarten und dient als Indikator für die Gewässergüte.
Ernährung
Die Ernährungsweise der Egel ist vielfältiger, als die volkstümliche Bezeichnung „Blutsauger" vermuten lässt. Tatsächlich sind nur etwa die Hälfte aller Egelarten hämatophag, also blutsaugend. Kieferegel wie Hirudo medicinalis beißen sich an Säugetieren, Amphibien oder Fischen fest und nehmen eine Blutmahlzeit auf, die das Mehrfache ihres eigenen Körpergewichts betragen kann. Dabei injizieren sie über ihren Speichel ein Gemisch aus gerinnungshemmenden Substanzen, darunter das Peptid Hirudin, sowie lokale Betäubungsmittel und gefäßerweiternde Stoffe.
Viele Schlundegel sind hingegen Raubegel: Sie verschlingen kleine Wirbellose wie Insektenlarven, Schnecken, Würmer und andere Egel als Ganzes. Der Pferdeegel, trotz seines einschüchternden Namens, ernährt sich nicht von Pferdeblut, sondern ist ein räuberischer Schlundegel, der wirbellose Beutetiere erbeutet.
Verhalten & Lebensweise
Egel sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich unter Steinen, in Schlamm oder zwischen Wasserpflanzen. Blutsaugende Arten reagieren auf Umgebungsreize wie Wassertemperaturänderungen, Vibrationen und chemische Signale (z. B. Kohlendioxid, Fettsäuren auf der Haut), um potenzielle Wirte zu lokalisieren. Diese Wirtsfindung funktioniert über kurze Distanzen erstaunlich zielgerichtet.
Egel leben solitär; ein Sozialverhalten im Sinne von Rudeln oder Revierverteidigung existiert nicht. In geeigneten Habitaten können jedoch hohe Populationsdichten auftreten. Landegel in tropischen Wäldern verharren auf Blättern und Ästen in einer aufrechten, schwankenden Haltung, bis ein warmblütiges Tier in Reichweite kommt. Die Fortbewegung an Land erfolgt durch abwechselndes Anheften des vorderen und hinteren Saugnapfs – eine Methode, die an das Spannen einer Raupe erinnert.
Fortpflanzung & Aufzucht
Alle Egel sind Zwitter (Hermaphroditen). Bei der Paarung kommen zwei Individuen zusammen und tauschen in entgegengesetzter Ausrichtung Spermien aus. Die Befruchtung erfolgt wechselseitig. Nach der Kopulation bildet das Clitellum – eine drüsenreiche Verdickung im vorderen Körperdrittel – einen schleimigen Kokon, in den die befrucht