Enchyträe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Enchytraeidae (Familie)
- Ordnung: Haplotaxida (nach neuerer Systematik auch Crassiclitellata)
- Familie: Enchytraeidae
- Gattungen (Auswahl): Enchytraeus, Fridericia, Henlea, Mesenchytraeus, Lumbricillus
- Lebensraum: Böden aller Art, Kompost, Laubstreu, Küstenhabitate, Süßwassersedimente
- Größe: 2–50 mm, je nach Art; die meisten Arten zwischen 10 und 25 mm
- Gewicht: wenige Milligramm (Einzeltier)
- Lebenserwartung: ca. 6–18 Monate, artabhängig
Aussehen & Merkmale
Enchyträen sind kleine, weißliche bis durchscheinende Ringelwürmer (Annelida) aus der Klasse der Gürtelwürmer (Clitellata). Ihr Körper ist segmentiert und besteht je nach Art aus 25 bis über 70 Segmenten. Die Körperoberfläche ist glatt und feucht; Schuppen, Borsten oder sonstige auffällige Strukturen fehlen weitgehend. Allerdings besitzen die Tiere winzige, bündelweise angeordnete Borsten (Chaetae) an den Segmenten, die der Fortbewegung im Boden dienen. Diese Chaetae sind ein wichtiges Bestimmungsmerkmal bei der Artdiagnose unter dem Mikroskop.
Im Gegensatz zu den größeren Regenwürmern (Lumbricidae) fehlt den Enchyträen eine deutliche Pigmentierung. Ihr Blut enthält kein Hämoglobin, weshalb sie nicht rötlich, sondern weißlich erscheinen – daher rührt auch der gebräuchliche deutsche Name Weißwürmer oder Topfwürmer. Das Clitellum, der für Gürtelwürmer typische Drüsengürtel zur Kokonbildung, ist bei geschlechtsreifen Tieren erkennbar, fällt aber weit weniger auf als bei Regenwürmern.
Lebensraum & Verbreitung
Enchyträen kommen weltweit vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von tropischen Regenwaldböden über gemäßigte Acker- und Waldstandorte bis hin zu arktischen Tundren. Einzelne Gattungen wie Mesenchytraeus leben sogar in Gletschereis und Schneefeldern Nordamerikas, wo sie als sogenannte Eiswürmer bekannt sind.
Das bevorzugte Habitat der meisten Arten sind feuchte, humusreiche Oberböden und die Streuschicht von Wäldern. In mitteleuropäischen Wiesen- und Waldböden erreichen Enchyträen Populationsdichten von 20.000 bis über 100.000 Individuen pro Quadratmeter. Besonders hohe Abundanzen treten in sauren Böden auf, wo Regenwürmer aufgrund des niedrigen pH-Werts seltener vorkommen. In solchen Biotopen übernehmen Enchyträen deren ökologische Rolle als Streuzersetzer weitgehend.
Neben terrestrischen Habitaten besiedeln einige Arten auch Süßwassersedimente, Brackwasser und den Gezeitenbereich an Meeresküsten. Die Gattung Lumbricillus ist typisch für angeschwemmte Algenreste im Spülsaum.
Ernährung
Enchyträen ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial, Pilzhyphen, Bakterien und organischen Bodenpartikeln. Sie sind damit Saprophagen und Mikrophagen zugleich. Beim Fressen nehmen sie Bodensubstrat auf und verdauen die darin enthaltenen organischen Bestandteile. Die ausgeschiedenen Kotaggregate tragen zur Bodenstruktur bei, ähnlich wie die Kothäufchen von Regenwürmern, wenn auch in weit kleinerem Maßstab.
In der Terraristik und Aquaristik werden insbesondere Enchytraeus albidus (Großer Weißwurm) und Enchytraeus buchholzi (Kleiner Weißwurm, auch Grindal-Wurm genannt) als Lebendfutter gezüchtet. Die Zucht erfolgt auf feuchtem Substrat – etwa Haferflocken auf Erde oder Schaumstoff – und liefert innerhalb weniger Wochen hohe Erträge.
Verhalten & Lebensweise
Enchyträen leben im Verborgenen. Sie bewegen sich im Porensystem des Bodens und in der Laubstreu, wobei sie durch peristaltische Kontraktionen ihres Hautmuskelschlauchs vorankommen. Ihre Aktivität ist stark von Feuchtigkeit und Temperatur abhängig. Bei Trockenheit ziehen sich die Tiere in tiefere, feuchtere Bodenschichten zurück oder rollen sich zu schleimumhüllten Knäueln zusammen, um Wasserverlust zu reduzieren. Frost können viele Arten in moderatem Umfang überstehen, wobei einige arktische Vertreter Gefrierschutzmechanismen entwickelt haben.
Eine echte Tag-Nacht-Rhythmik ist bei Enchyträen nicht ausgeprägt, da ihr Lebensraum ohnehin lichtarm ist. Ihre Aktivitätsmuster richten sich stärker nach saisonalen Schwankungen der Bodenfeuchte und -temperatur. In mitteleuropäischen Böden zeigen die Populationen zwei Aktivitätsmaxima: eines im Frühjahr und eines im Herbst. Im Hochsommer und im tiefen Winter gehen die Abundanzen zurück.
Als Bestandteil der Bodenfauna stehen Enchyträen in einem dichten Nahrungsnetz. Sie dienen als Beute für Raubmilben, Kurzflügelkäfer (Staphylinidae), Hundertfüßer und verschiedene Pilze, die parasitisch auf ihnen leben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Wie alle Clitellata sind Enchyträen Zwitter (Hermaphroditen). Jedes Individuum besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Zur Fortpflanzung kommt es zu einer wechselseitigen Begattung zweier Tiere, bei der Spermien ausgetauscht werden. Anschließend bildet das Clitellum einen Kokon, der über den Körper nach vorn abgestreift wird und dabei Eizellen sowie die zuvor gespeicherten Spermien aufnim