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Borreliose

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten

Definition & Überblick

Die Borreliose – fachsprachlich Lyme-Borreliose oder Lyme-Disease – ist eine durch Bakterien der Gattung Borrelia verursachte Infektionskrankheit, die durch Zecken auf Tiere und Menschen übertragen wird. Sie zählt zu den bedeutendsten zeckenübertragenen Erkrankungen in Europa und Nordamerika. Am häufigsten betroffen sind Hunde, seltener erkranken Katzen und Pferde klinisch. Auch Rinder und andere Wiederkäuer können sich infizieren.

Der Erreger ist ein spiralförmiges Bakterium (Spirochät). In Europa spielt vor allem Borrelia burgdorferi sensu lato eine Rolle, wobei die Unterarten Borrelia burgdorferi sensu stricto, Borrelia afzelii und Borrelia garinii die wichtigsten pathogenen Spezies darstellen. Die Erkrankung verläuft oft schleichend und kann unbehandelt zu chronischen Organschäden führen – insbesondere an Gelenken, Nieren und dem Nervensystem.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Übertragung erfolgt nahezu ausschließlich über den Stich infizierter Zecken. In Mitteleuropa ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) der Hauptvektor. Die Borrelien befinden sich im Mitteldarm der Zecke und wandern erst während des Saugakts in die Speicheldrüsen. Deshalb dauert es in der Regel 16 bis 24 Stunden nach dem Stich, bis eine Übertragung stattfindet. Ein frühzeitiges Entfernen der Zecke senkt das Infektionsrisiko daher erheblich.

Zu den wesentlichen Risikofaktoren gehören:

  • Aufenthalt in Endemiegebieten: Wald-, Wiesen- und Gebüschlandschaften mit hoher Zeckendichte
  • Fehlender oder unzureichender Zeckenschutz: Tiere ohne prophylaktische Spot-on-Präparate, Zeckenhalsbänder oder orale Antiparasitika
  • Saisonale Häufung: Borrelieninfektionen treten gehäuft in den Monaten März bis Oktober auf, wenn Zecken aktiv sind – milde Winter verschieben diesen Zeitraum zunehmend
  • Immunsuppression: Tiere mit geschwächtem Immunsystem erkranken häufiger klinisch

Je nach Region tragen 5 bis über 30 Prozent aller Zecken Borrelien in sich. Nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt jedoch zwangsläufig zur Erkrankung. Viele Tiere entwickeln eine Immunantwort, ohne klinische Symptome zu zeigen – man spricht dann von einer subklinischen Infektion oder Serokonversion ohne Krankheitswert.

Symptome & Erkennung

Das klinische Bild der Borreliose bei Tieren ist ausgesprochen variabel und oft unspezifisch, was die Erkennung erschwert. Die beim Menschen typische ringförmige Hautrötung (Erythema migrans) wird bei Tieren aufgrund des Fells nur selten bemerkt.

Beim Hund zeigen sich häufig folgende Symptome:

  • Lahmheit: Oft wechselnd von einem Bein auf das andere (sogenannte shifting leg lameness), verursacht durch Gelenkentzündungen (Polyarthritis)
  • Fieberschübe: Intermittierend, häufig begleitet von Mattigkeit und Appetitlosigkeit
  • Geschwollene Gelenke: Besonders Karpal- und Tarsalgelenke sind betroffen; die Schwellung ist warm und druckempfindlich
  • Lymphknotenschwellung: Regionale Lymphadenopathie in der Nähe der Einstichstelle
  • Nierenprobleme: In schweren Fällen kann eine Lyme-Nephritis auftreten – eine immunkomplexvermittelte Glomerulonephritis, die besonders bei Labrador Retrievern und Golden Retrievern beschrieben wird und lebensbedrohlich verlaufen kann
  • Neurologische Ausfälle: Selten, aber möglich – Fazialisparese oder andere Nervenlähmungen (Neuroborreliose)

Bei Pferden stehen Lahmheit, Steifheit, Verhaltensänderungen und Augenerkrankungen (Uveitis) im Vordergrund. Katzen erkranken klinisch äußerst selten, obwohl Serokonversionen nachgewiesen werden.

Diagnose

Die Diagnose der Borreliose stellt selbst erfahrene Tierärzte vor Herausforderungen, da kein einzelner Test die Erkrankung zweifelsfrei belegen kann. Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus Anamnese, klinischer Symptomatik und Laboruntersuchungen.

  • Antikörpernachweis (Serologie): Der ELISA-Test weist Antikörper gegen Borrelien nach. Ein positiver Befund allein beweist jedoch keine aktive Erkrankung – er zeigt lediglich, dass das Tier Kontakt mit dem Erreger hatte. Zur Differenzierung zwischen Impfantikörpern und natürlicher Infektion eignet sich der C6-Antikörpertest, der spezifisch gegen ein Oberflächenprotein (VlsE) gerichtet ist.
  • Western Blot (Immunoblot): Bestätigungstest zur Differenzierung der Antikörperbanden und Erhöhung der diagnostischen Sicherheit
  • PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Direkter Erregernachweis aus Gelenkflüssigkeit, Hautbiopsien oder anderen Gewebeproben – hochspezifisch, aber nicht immer sensitiv genug
  • Blutbild und Urinuntersuchung: Zur Abklärung einer möglichen Nierenbeteiligung (Proteinurie, Azotämie)
  • Gelenkpunktion (Arthrozentese): Bei Verdacht auf Borreliose-Arthritis; die Gelenkflüssigkeit