Chinaseuche
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Definition & Überblick
Die Chinaseuche, in der Fachsprache als Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) bezeichnet, ist eine hochansteckende und in der Regel tödlich verlaufende Viruserkrankung des europäischen Wildkaninchens (Oryctolagus cuniculus) und aller davon abstammenden Hauskaninchenrassen. Die Bezeichnung „Chinaseuche" leitet sich vom Erstbeschreibungsort ab: 1984 wurde die Erkrankung erstmals in der Volksrepublik China bei importierten Angorakaninchen dokumentiert. Innerhalb weniger Jahre breitete sich das Virus weltweit aus und erreichte Europa Ende der 1980er-Jahre.
Die Chinaseuche zählt zu den wirtschaftlich und tierschutzrelevant bedeutsamsten Infektionskrankheiten beim Kaninchen. Die Mortalitätsrate (Sterblichkeit) beträgt bei nicht geimpften, adulten Tieren zwischen 80 und 100 Prozent. Seit 2010 verbreitet sich zudem eine neue Virusvariante – RHDV-2 (auch RHDVb genannt) –, die sich vom klassischen Erreger durch ein erweitertes Wirtsspektrum und einen abweichenden klinischen Verlauf unterscheidet. RHDV-2 befällt auch Jungtiere unter acht Wochen, die gegenüber dem klassischen Virus noch eine natürliche Resistenz besaßen.
Ursachen & Risikofaktoren
Auslöser der Chinaseuche ist das Rabbit Haemorrhagic Disease Virus (RHDV), ein unbehülltes RNA-Virus aus der Familie der Caliciviridae. Man unterscheidet zwei klinisch relevante Genotypen:
- RHDV-1 (klassischer Typ): befällt vorwiegend Kaninchen ab einem Alter von etwa acht bis zehn Wochen.
- RHDV-2: befällt Kaninchen aller Altersklassen, verläuft teils subakut oder chronisch und zeigt eine etwas niedrigere, aber dennoch hohe Mortalitätsrate von 5 bis 70 Prozent.
Die Übertragung erfolgt sowohl direkt durch Kontakt zwischen infizierten und gesunden Tieren als auch indirekt über kontaminierte Gegenstände, Futter, Einstreu, Kleidung, Schuhe und Hände des Halters. Stechinsekten – insbesondere Stechmücken, Kaninchenflöhe und Fliegen – spielen als mechanische Vektoren eine zentrale Rolle bei der saisonalen Verbreitung. Das Virus ist in der Umwelt extrem widerstandsfähig und bleibt bei Raumtemperatur über Monate, in getrocknetem Gewebe über Jahre infektiös.
Besonders gefährdet sind ungeimpfte Kaninchen in Außenhaltung, Tiere mit Kontakt zu Wildkaninchenpopulationen sowie Bestände auf Ausstellungen, in Zoohandlungen oder Tierheimen, wo viele Kaninchen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen.
Symptome & Erkennung
Der Krankheitsverlauf der Chinaseuche ist tückisch, weil er häufig perakut verläuft – das bedeutet, die Tiere versterben innerhalb von 12 bis 36 Stunden nach Infektion, oft ohne dass der Halter zuvor Symptome bemerkt hat. Das Kaninchen wird scheinbar gesund aufgefunden, ist am nächsten Morgen aber bereits tot.
Beim akuten Verlauf können folgende Symptome auftreten:
- Plötzliche Apathie und Fressunlust (Anorexie)
- Hohes Fieber (über 40 °C)
- Atemnot und beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
- Blutiger Nasenausfluss (Epistaxis)
- Blut im Urin (Hämaturie) oder blutiger Kot
- Gelbfärbung der Schleimhäute (Ikterus) durch Leberschädigung
- Neurologische Auffälligkeiten wie Krämpfe, Opisthotonus (Überstreckung des Kopfes nach hinten) oder Paddelbewegungen kurz vor dem Tod
Bei RHDV-2 sind zusätzlich subakute und chronische Verläufe beschrieben, bei denen die Tiere über mehrere Tage bis Wochen Gewicht verlieren, Ikterus entwickeln und an Leberversagen sterben. Überlebende Tiere können das Virus über Wochen ausscheiden und als Ansteckungsquelle dienen.
Diagnose
Eine klinische Verdachtsdiagnose ergibt sich aus dem typischen Bild: plötzliche Todesfälle mehrerer Kaninchen innerhalb eines Bestandes bei gleichzeitigem Fehlen vorheriger Krankheitszeichen. Die definitive Diagnose wird jedoch post mortem gestellt, also nach dem Tod des Tieres.
In der pathologisch-anatomischen Untersuchung (Sektion) zeigen sich charakteristische Befunde: eine stark vergrößerte, brüchige Leber mit mosaikartigem Muster (sogenannte Lebernekrose), punkt- und flächenförmige Blutungen (Hämorrhagien) in Lunge, Nieren, Herz und Darm sowie eine vergrößerte Milz (Splenomegalie). Diese disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC) – eine unkontrollierte Aktivierung der Blutgerinnung – ist das pathologische Leitsymptom.
Der endgültige Erregernachweis erfolgt mittels RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) aus Lebergewebe oder anderen Organproben. Dieses molekularbiologische Verfahren ermöglicht gleichzeitig die Differenzierung zwischen RHDV-1 und RHDV-2. Ergänzend können serologische Methoden wie der ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) zum Antikörpernachweis bei überlebenden Tieren eingesetzt werden.
Behandlung & Therapie
Eine spezifische antivirale Therapie gegen RHD existiert nicht. Es gibt kein Medikament, das das Virus direkt bekämpfen kann. Die Behandlung beschränkt sich auf supportive Maßnahmen, die den Organismus stabilisieren sollen, jedoch in den meisten Fällen den tödlichen Verlauf nicht aufhalten können. Dazu gehören:
- Intensive Flüssigkeitstherapie (Infusionen)