T Tierlexikon.net
← Lexikon

Brombeerzipfelfalter

B

Tierart – Insekten > Schmetterlinge & Motten – weitere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Callophrys rubi
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
  • Unterfamilie: Zipfelfalter (Theclinae)
  • Gattung: Callophrys
  • Lebensraum: Waldränder, Heiden, Magerrasen, Moorränder, Gebüschsäume
  • Flügelspannweite: 25–30 mm
  • Gewicht: ca. 0,03–0,05 g
  • Lebenserwartung: etwa 3–4 Wochen als Falter; Gesamtentwicklung (Ei bis Tod) rund 10–12 Monate

Aussehen & Merkmale

Der Brombeerzipfelfalter ist der einzige mitteleuropäische Tagfalter, dessen Flügelunterseiten durchgehend grün gefärbt sind. Diese leuchtend grüne Färbung entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch die Lichtbrechung an mikroskopisch feinen Strukturen der Flügelschuppen – ein physikalisches Phänomen, das als Strukturfarbe bezeichnet wird. Die Flügeloberseiten sind einheitlich dunkelbraun und werden im Sitzen kaum sichtbar, da der Falter seine Flügel nahezu immer zusammengeklappt hält.

Die Hinterflügel tragen am Analwinkel einen kleinen, oft undeutlichen Zipfel – das namensgebende Merkmal der Zipfelfalter. Die Fühler sind schwarz-weiß geringelt und enden in einer deutlich abgesetzten Kolbe. Der Körper ist auf der Oberseite dunkelbraun behaart, unterseits grünlich. Die Augen sind verhältnismäßig groß und dunkel. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum; Männchen besitzen lediglich einen kleinen, hellen Duftschuppenfleck auf den Vorderflügeloberseiten, der im Feld schwer zu erkennen ist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Brombeerzipfelfalters erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Irland und Portugal im Westen bis nach Sibirien und in die Mongolei im Osten. In Nordafrika kommt die Art ebenfalls vor. Innerhalb Europas besiedelt Callophrys rubi nahezu alle Länder, vom Mittelmeerraum bis nach Skandinavien, wobei die nördliche Verbreitungsgrenze etwa beim 66. Breitengrad liegt.

Der Brombeerzipfelfalter bewohnt eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope. Bevorzugte Habitate sind lichte Waldränder, Kahlschläge, Heideflächen, Hochmoorränder, Magerrasen, sonnige Böschungen und Gebüschsäume. Entscheidend ist das Vorhandensein von Raupenfutterpflanzen in Kombination mit einer offenen bis halboffenen Vegetationsstruktur. In den Alpen steigt die Art bis auf etwa 2.000 Meter Höhe auf. Die Bindung an einen bestimmten Biotoptyp ist gering – der Falter gilt als ökologisch vergleichsweise flexibel, solange die Landschaft strukturreich und nicht zu intensiv bewirtschaftet ist.

Ernährung

Die Raupen des Brombeerzipfelfalters sind polyphag und nutzen ein breites Spektrum an Futterpflanzen. Zu den bevorzugten Nahrungspflanzen zählen Brombeere (Rubus fruticosus), Ginster (Genista, Cytisus), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Sonnenröschen (Helianthemum), Hornklee (Lotus corniculatus) und verschiedene Kleearten (Trifolium). Die Raupen fressen vorwiegend an Blüten, Knospen und unreifen Früchten, seltener an Blättern.

Die adulten Falter saugen Nektar an einer Vielzahl blühender Pflanzen. Häufig werden sie an Weißdorn, Schlehe, Hahnenfuß, Thymian und verschiedenen Doldenblütlern beobachtet. Gelegentlich nehmen sie auch Feuchtigkeit und Mineralstoffe an feuchten Bodenstellen auf.

Verhalten & Lebensweise

Der Brombeerzipfelfalter ist tagaktiv und fliegt in einer einzigen Generation pro Jahr (univoltin). Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Ende April bis Anfang Juli, mit einem Schwerpunkt im Mai und Juni. In südlichen Regionen beginnt die Flugzeit entsprechend früher.

Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Sie besetzen exponierte Sitzwarten an Gebüschspitzen oder erhöhten Blättern und verteidigen ihr Revier energisch gegen andere Männchen und vorbeifliegende Insekten. Bei Annäherung eines Rivalen steigen beide Falter in schnellen Spiralflügen auf, bevor der unterlegene Falter abzieht. Dieses Verhalten wird als Hilltopping bezeichnet, wenn es an Geländeerhebungen stattfindet.

In Ruheposition klappt der Falter seine Flügel stets zusammen, wodurch ausschließlich die grüne Unterseite sichtbar wird. Diese dient als Tarnung im Blattwerk und macht den ruhenden Falter zwischen Blättern und Gebüsch nahezu unsichtbar. Die braune Flügeloberseite wird praktisch nur im Flug kurz sichtbar.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz findet während der Flugzeit im Frühjahr statt. Nach der Paarung legt das Weibchen einzelne, flach-scheibenförmige Eier an Blütenknospen und junge Triebe der Raupenfutterpflanzen. Die Eier sind weiß bis hellgrün und fein strukturiert.

Die Raupen schlüpfen nach etwa ein bis zwei Wochen und durchlaufen vier Larvenstadien. Sie sind grün gefärbt mit hellen Seitenstreifen und durch ihre Körperform und Färbung gut an die Futterpflanzen angepasst. Die Raupen können bei einzelnen Arten von Ameisen besucht werden, wobei die Myrmekophilie bei Callophrys rubi weniger stark ausgeprägt ist als bei manchen anderen Bläulingsarten. Dennoch besitzen die Raupen eine Honigdrüse (Newcomer-Drüse) auf dem siebten Hinterleibssegment.

Die Verpuppung erfolgt am Boden in der Bodenstreu oder knapp unterhalb der Erdoberfläche. Die