Cröllwitzer-pute
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Steckbrief
- Herkunft: Deutschland (Sachsen-Anhalt, Raum Halle/Saale)
- Rassestandard: Anerkannt im Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG); europäischer Rassestandard
- Gruppe: Puten – Leichte Landschlags-Rasse
- Gewicht Hahn: 6–8 kg
- Gewicht Henne: 4–5 kg
- Legeleistung: ca. 20–40 Eier pro Jahr
- Eigewicht: ca. 70–80 g
- Eischalenfarbe: Gelblich-braun mit feiner Sprenkelung
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre bei artgerechter Haltung
- Gefieder/Farbe: Weiß mit schwarzer Saumbänderung (sogenannte Saumzeichnung)
Herkunft & Geschichte
Die Cröllwitzer Pute geht auf Zuchtbestrebungen Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Ihren Namen verdankt sie dem Ort Cröllwitz, einem Stadtteil von Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Dort begann der Züchter Alfred Beeck um 1930 damit, aus verschiedenen europäischen Landschlägen eine eigenständige, leichte Putenrasse zu erzüchten. Als Ausgangstiere dienten vermutlich kupfer- und schwarzfarbene Landputen, die mit weißen Tieren gekreuzt wurden, bis sich die charakteristische weiße Grundfarbe mit schwarzer Saumbänderung stabil vererbte.
Die Rasse wurde in der DDR als Wirtschaftspute geschätzt, verlor aber mit der Industrialisierung der Putenmast und dem Aufkommen schwerer Hybridlinien zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Nach der Wiedervereinigung sank der Bestand dramatisch. Heute gilt die Cröllwitzer Pute als stark gefährdete Nutztierrasse und wird von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) auf der Roten Liste geführt. Im Jahr 2007 wurde sie zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres" ernannt, was die Aufmerksamkeit für ihre Erhaltungszucht deutlich steigerte. In Großbritannien existiert unter der Bezeichnung „Pied Turkey" eine vergleichbare Linie, die auf denselben Farbschlag zurückgeht.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Cröllwitzer Pute ist eine elegante, mittelgroße bis leichte Pute mit aufrechter Haltung und harmonischem Körperbau. Auffälligstes Merkmal ist das strahlend weiße Gefieder, bei dem jede Feder an den Enden eine klar abgegrenzte schwarze Saumbänderung zeigt. Diese Zeichnung tritt besonders deutlich an Brust, Rücken, Flügeln und Schwanz hervor und verleiht der Cröllwitzer Pute ein unverwechselbares, kontrastreiches Erscheinungsbild.
Der Kopf ist unbefiedert und zeigt die für Puten typischen Kopfanhänge und Karunkelbildung in Rottönen, die beim Hahn deutlich stärker ausgeprägt sind als bei der Henne. Der Schnabel ist hornfarbig, die Augen dunkelbraun. Die Brust ist breit und gut gerundet, der Rücken lang und leicht abfallend. Die Ständer (Beine) sind mittellang, kräftig und von rosaweißer bis fleischfarbener Tönung. Der Schwanz ist beim Hahn breit und fächerförmig aufstellbar.
Jungtiere entwickeln ihre endgültige Saumbänderung erst mit der Jugendmauser. Bis dahin kann das Gefieder noch unregelmäßig gefleckt wirken. Ein sauberer, gleichmäßiger Saum ohne Durchfärbung oder Scheckung gilt im Rassestandard als besonderes Qualitätsmerkmal und wird auf Ausstellungen streng bewertet.
Charakter & Wesen
Die Cröllwitzer Pute zeichnet sich durch ein ruhiges, ausgeglichenes und gleichzeitig aufgewecktes Wesen aus. Im Vergleich zu schweren Masthybriden ist sie deutlich vitaler, bewegungsfreudiger und zeigt ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten. Gegenüber ihren Haltern wird sie bei regelmäßigem Kontakt erstaunlich zutraulich und folgt diesen häufig auf Schritt und Tritt durch den Garten.
Hähne können während der Balzzeit territorial und gegenüber anderen männlichen Tieren durchsetzungsstark auftreten, zeigen aber gegenüber Menschen selten Aggressivität. Die Hennen gelten als zuverlässige Brüterinnen mit stark ausgeprägtem Brutinstinkt – eine Eigenschaft, die bei modernen Hochleistungsrassen längst verloren gegangen ist. Die Hennen führen ihre Küken aufmerksam und wachsam, was die natürliche Aufzucht erheblich erleichtert.
Haltung & Pflege
Als robuste Landputenrasse benötigt die Cröllwitzer Pute vor allem eines: ausreichend Platz. Ein großzügiger Freiauslauf mit Grasnarbe, Büschen und Schattenplätzen entspricht ihrem natürlichen Bewegungsdrang und Erkundungsverhalten. Pro Tier sollten mindestens 50 Quadratmeter Freilauffläche eingeplant werden, mehr ist stets besser.
Der Stall muss trocken, zugluftfrei und gut belüftet sein. Puten schlafen bevorzugt auf erhöhten Sitzstangen, die stabil genug für ihr Gewicht sein müssen. Die Einstreu aus Stroh oder Hobelspänen ist regelmäßig zu wechseln, um Feuchtigkeit und Parasitenbefall vorzubeugen. Anders als bei vielen Hühnerrassen ist eine regelmäßige Gefiederpflege durch den Halter nicht notwendig – die Tiere pflegen sich selbst, sofern ihnen Sandbademöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Die Cröllwitzer Pute ist relativ flugfähig, insbesondere Junghennen und leichtere Tiere können problemlos über niedrige Zäune fliegen. Ein Auslauf mit mindestens 1,80 Meter hohem Zaun oder eine teilweise Übernetzung ist daher ratsam. In Gebieten mit Raubwild wie Fuchs oder Habicht empfiehlt sich ein sicherer Nachtpferch.
Ernährung
Die Fütterung der Cröllwitzer