Deutsche-landraße
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Steckbrief
- Herkunft: Deutschland
- Rassestandard: Deutsche Landrasse (DL), international als German Landrace geführt; Zuchtbuch bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sowie den Landesverbänden der Schweinezüchter
- Nutzungstyp: Fleischschwein, vorwiegend als Mutterrasse in der Kreuzungszucht eingesetzt
- Größe: Große Schweinerasse; Sauen erreichen eine Rumpflänge von etwa 155–170 cm, Eber bis zu 180 cm
- Gewicht: Sauen ca. 250–300 kg, Eber ca. 300–350 kg, im Einzelfall darüber
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre bei artgerechter Haltung; in der Zucht werden Sauen meist 4–6 Jahre genutzt
- Fell/Farbe: Weiße Borsten auf rosafarbener Haut, vereinzelt kleine dunkle Hautflecken zulässig
Herkunft & Geschichte
Die Deutsche Landrasse gehört zu den bedeutendsten Schweinerassen in Mitteleuropa und hat ihre Wurzeln im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie entstand aus der systematischen Veredelung heimischer Landschläge, vor allem norddeutscher Schweinepopulationen, die über Generationen hinweg an die regionalen Haltungsbedingungen angepasst waren. Ab den 1860er-Jahren wurden britische Rassen – insbesondere das Large White (Yorkshire) – eingekreuzt, um die Wuchsleistung und Fleischfülle zu verbessern.
Einen entscheidenden Einfluss übte zudem die Dänische Landrasse aus, deren lange, gestreckte Körperform in der deutschen Zucht gezielt aufgegriffen wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die planmäßige Herdbuchzucht, koordiniert durch die neu gegründeten Zuchtverbände in den einzelnen Regionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rasse im Rahmen der sogenannten Schweineherdbuchzucht konsolidiert. Die Zuchtbuchführung liegt heute bei den jeweiligen Landeszuchtverbänden unter dem Dach der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Das Zuchtziel wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren stark in Richtung Fleischfülle und geringen Speckanteil verschoben – eine Reaktion auf die veränderten Verbraucherwünsche.
Heute ist die Deutsche Landrasse neben dem Deutschen Edelschwein (Large White) und Piétrain eine der drei Säulen der deutschen Schweinezucht. Sie wird hauptsächlich als Mutterrasse eingesetzt und mit Piétrain-Ebern gekreuzt, um leistungsfähige Mastschweine zu erzeugen.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Deutsche Landrasse ist ein großrahmiges, langgestrecktes Schwein mit ausgeprägt fleischreichem Körperbau. Der Kopf ist mittelgroß, leicht gestreckt und mit großen, nach vorne hängenden Schlappohren versehen – ein markantes Unterscheidungsmerkmal zum Deutschen Edelschwein, das Stehohren trägt.
Der Rücken verläuft gerade bis leicht gewölbt, die Lende ist breit und gut bemuskelt. Besonders die Schinkenpartie fällt bei der Deutschen Landrasse durch ihre Tiefe und Breite auf. Die Gliedmaßen sind kräftig, korrekt gestellt und trockener Natur, was auf gute Fundamentstabilität hindeutet. Die Haut ist gleichmäßig rosa bis hell pigmentiert und mit feinen, weißen Borsten bedeckt. Einzelne dunkle Pigmentflecken auf der Haut werden im Rassestandard toleriert, solange sie nicht zu großflächig auftreten.
Sauen zeigen ein harmonisches Gesäuge mit mindestens 14 gleichmäßig ausgebildeten Zitzen – ein zuchtrelevantes Merkmal, das die hohe Aufzuchtleistung widerspiegelt.
Charakter & Wesen
Die Deutsche Landrasse gilt als ausgeglichen, umgänglich und nervenstark. Diese Wesenseigenschaften sind züchterisch gewünscht, da sie die Handhabung in der Gruppenhaltung erheblich erleichtern. Sauen zeigen ein ausgeprägtes Mutterverhalten: Sie sind fürsorglich, milchstark und ruhig im Umgang mit ihren Ferkeln, was die Aufzuchtverluste gering hält.
Im Vergleich zu reinen Fleischrassen wie Piétrain ist die Deutsche Landrasse deutlich stressresistenter. Ihre Gutmütigkeit macht sie auch für weniger erfahrene Halter beherrschbar. Grundsätzlich sind Schweine dieser Rasse neugierig, intelligent und sozial. Sie brauchen Kontakt zu Artgenossen und zeigen bei Langeweile oder Einzelhaltung schnell Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen oder Stangenbeißen.
Haltung & Pflege
Die Deutsche Landrasse stellt keine außergewöhnlich hohen Ansprüche an die Haltungsumgebung, profitiert aber spürbar von artgerechten Bedingungen. Empfohlen wird eine Gruppenhaltung auf Stroh oder in Systemen mit Auslauf, in denen die Tiere ihrem natürlichen Wühl- und Erkundungsverhalten nachgehen können. Beschäftigungsmaterial wie Stroh, Holzstücke oder Jutesäcke beugt Verhaltensproblemen vor.
Die Stallhygiene spielt eine zentrale Rolle: Regelmäßiges Entmisten und trockene Liegeflächen sind unverzichtbar, um Klauenerkrankungen und Hautproblemen vorzubeugen. Die helle Haut der Deutschen Landrasse ist sonnenempfindlich – bei Freilandhaltung müssen Schattenbereiche und Suhlmöglichkeiten vorhanden sein, um Sonnenbrand zu verhindern.
Die Klauenpflege wird häufig unterschätzt. Auf weichen Böden nutzen sich die Klauen nicht ausreichend ab, weshalb regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls fachgerechter Klauenschnitt notwendig sind.
Ernährung
Als großrahmige Rasse mit hoher Milchleistung und guter Fruchtbarkeit stellt die Deutsche Landrasse erhöhte Anforderungen an die Fütterung, insbesondere in der Säuge- und Trächtigkeitsphase. Die Grundversorgung erfolgt über ein proteinreiches Alleinfutter auf Getreide-Soja-Basis, ergänzt durch Mineralfutter mit ausreichend Calcium, Phosphor und Spurenelementen.