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Doppelschleiche

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Blanus cinereus (Vandelli, 1797)
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Doppelschleichen (Amphisbaenia)
  • Familie: Blanidae
  • Gattung: Blanus
  • Lebensraum: Lockere Böden in mediterranen Landschaften, Kulturland, lichte Wälder
  • Größe: 15–30 cm Gesamtlänge
  • Gewicht: 5–15 g
  • Lebenserwartung: Geschätzt 5–10 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Iberische Doppelschleiche (Blanus cinereus) gehört zu jenen Reptilien, die auf den ersten Blick leicht mit einem Regenwurm verwechselt werden. Ihr zylindrischer, langgestreckter Körper ist nahezu gleichmäßig dick und zeigt keine äußerlich sichtbare Abgrenzung zwischen Kopf, Rumpf und Schwanz. Die Haut ist von zahlreichen feinen Ringfurchen durchzogen, die ihr ein segmentiertes Erscheinungsbild verleihen. Zwischen diesen Furchen sitzen winzige, glatte Schuppen, die in regelmäßigen Ringen angeordnet sind.

Die Grundfärbung variiert zwischen blassrosa, graubraun und violettbraun. Die Bauchseite ist meist etwas heller als der Rücken. Die Augen sind stark reduziert und unter der Kopfhaut als kleine, dunkle Punkte erkennbar – eine Anpassung an die unterirdische Lebensweise. Äußere Ohröffnungen fehlen vollständig. Der Kopf ist leicht abgeflacht und keilförmig, was das Graben im Erdreich erleichtert. Gliedmaßen sind nicht vorhanden; sie wurden im Laufe der Evolution vollständig zurückgebildet.

Ein charakteristisches Merkmal der gesamten Unterordnung Amphisbaenia ist die Fähigkeit, sich sowohl vorwärts als auch rückwärts durch Erdgänge zu bewegen – daher der deutsche Name „Doppelschleiche". Die Fortbewegung erfolgt durch wurmartige, peristaltische Kontraktionen der Körpermuskulatur, wobei die lose sitzende Haut gegenüber dem Körper verschoben wird.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Blanus cinereus umfasst den Großteil der Iberischen Halbinsel. Die Art kommt in Spanien und Portugal vor, wobei sie im Norden und Nordwesten seltener auftritt. Daneben existiert mit Blanus mariae eine zweite, nah verwandte Art auf der Iberischen Halbinsel, die lange als Unterart galt und erst 2002 als eigenständige Spezies beschrieben wurde. Weitere Gattungen der Doppelschleichen sind in Nordafrika, dem Nahen Osten, Südosteuropa sowie in Amerika und Afrika verbreitet.

Als Habitat bevorzugt die Iberische Doppelschleiche lockere, sandige oder lehmige Böden, die sich gut durchgraben lassen. Typische Biotope sind Korkeichenwälder, Macchie, Olivenhaine, Gärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Steinige oder stark verdichtete Böden werden gemieden. Die Tiere halten sich meist in den oberen 20–30 cm des Erdreichs auf, gelegentlich auch unter Steinen, Totholz oder Rindenstücken.

Ernährung

Die Iberische Doppelschleiche ernährt sich ausschließlich von kleinen wirbellosen Tieren, die sie in ihren unterirdischen Gängen oder unter Steinen erbeutet. Zum Nahrungsspektrum gehören Ameisen und deren Larven und Puppen, Käferlarven, kleine Spinnen, Asseln und andere Bodenbewohner. Ameisen und deren Brut machen einen besonders großen Anteil der Nahrung aus, weshalb Blanus cinereus häufig in unmittelbarer Nähe von Ameisennestern angetroffen wird. Die Beute wird durch chemosensorische Wahrnehmung über die Zunge lokalisiert, da die reduzierten Augen kaum zur Orientierung beitragen.

Verhalten & Lebensweise

Doppelschleichen sind überwiegend grabende (fossorial lebende) Reptilien, die nur selten an der Erdoberfläche erscheinen. Sie legen ein verzweigtes System von Gängen im lockeren Erdreich an, das sie regelmäßig nutzen und erweitern. An der Oberfläche trifft man die Tiere vor allem nach Regenfällen, in den frühen Morgenstunden oder bei der nächtlichen Fortbewegung zwischen verschiedenen Habitatbereichen an. Ihre Aktivität ist stark von Bodentemperatur und -feuchtigkeit abhängig: In heißen Sommermonaten ziehen sich die Tiere in tiefere Bodenschichten zurück, während sie im Frühjahr und Herbst in oberflächennahen Bereichen aktiv sind.

Die Fortbewegung an der Oberfläche wirkt unbeholfen und langsam, im Erdreich hingegen können sich Doppelschleichen erstaunlich zügig bewegen. Bei Bedrohung können sie den Schwanz abwerfen (Autotomie), der noch einige Zeit zuckt und so einen Fressfeind ablenkt. Anders als bei vielen Eidechsen regeneriert der Schwanz allerdings nur unvollständig. Zu den natürlichen Feinden zählen Schlangen – insbesondere grabende Arten –, verschiedene Greifvögel und kleine Raubtiere wie Mungos und Marder.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Frühlingsmonate, hauptsächlich in den April und Mai. Über das Balzverhalten ist aufgrund der versteckten Lebensweise nur wenig bekannt. Die Männchen suchen die Weibchen vermutlich anhand chemischer Signale in deren Gangsystemen auf. Blanus cinereus ist ovipar: Das Weibchen legt in der Regel ein bis zwei längliche, weichschalige Eier in feuchte Erdkammern ab. Die Eiablage erfolgt im Frühsommer, und die Jungtiere schlüpfen nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis drei Monaten. Die frisch geschlüpften Doppelschleichen sind etwa 6–8 cm lang und sofort selbständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt.

Bedrohung & Schutzstatus

Die IUCN