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Krait

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Bungarus (Gattung)
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
  • Familie: Giftnattern (Elapidae)
  • Gattung: Bungarus (Daudin, 1803)
  • Artenanzahl: ca. 16 anerkannte Arten
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Regionen Süd- und Südostasiens
  • Größe: Je nach Art 0,8–2,1 m Gesamtlänge
  • Gewicht: 0,5–3 kg (artabhängig)
  • Lebenserwartung: Ca. 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Kraits sind mittelgroße bis große Schlangen mit einem charakteristischen, seitlich leicht abgeflachten Körperquerschnitt und einem auffällig vergrößerten Wirbelkiel entlang der Rückenmitte. Dieser hexagonale Querschnitt ist ein verlässliches Erkennungsmerkmal der Gattung Bungarus und unterscheidet sie von vielen anderen Giftnattern. Die Rückenschuppen der Mittelreihe sind deutlich vergrößert und haben eine sechseckige Form.

Die Grundfärbung variiert stark zwischen den einzelnen Arten. Der Gewöhnliche Krait (Bungarus caeruleus) zeigt eine blauschwarze bis schwarze Oberseite mit schmalen weißen oder cremefarbenen Querbändern, die sich über den gesamten Körper erstrecken. Der Gebänderte Krait (Bungarus fasciatus), die größte Art der Gattung, besitzt auffällige, breite gelbe und schwarze Querbänder von nahezu gleicher Breite. Andere Arten, etwa der Malaiische Krait (Bungarus candidus), tragen ein kontrastreiches Schwarz-Weiß-Muster.

Der Kopf ist relativ klein, oval und kaum vom Hals abgesetzt – ein typisches Merkmal der Elapidae. Die Augen sind klein mit runden Pupillen. Die Giftzähne sitzen als kurze, starre Fangzähne (proteroglyphe Bezahnung) im vorderen Oberkiefer. Der Schwanz ist kurz und stumpf endend.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Bungarus erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südostasiens. Es reicht vom indischen Subkontinent einschließlich Sri Lankas über Nepal, Bangladesch, Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha bis nach Südchina, Malaysia und Indonesien. Einzelne Arten haben eng begrenzte Areale, während andere – wie Bungarus caeruleus – großflächig verbreitet sind.

Als bevorzugtes Habitat dienen Kraits offene Kulturlandschaften, Reisfelder, Gärten, lichte Wälder und buschbestandene Gebiete in Tieflagen und Hügelland. Sie halten sich häufig in der Nähe von Gewässern auf und meiden dichte, geschlossene Wälder. Viele Arten zeigen eine ausgeprägte Bindung an menschliche Siedlungen, wo sie in Mauerspalten, unter Holzstapeln, in Scheunen und sogar in Wohnhäusern Unterschlupf finden. Diese Nähe zum Menschen ist einer der Gründe für die hohe Zahl an Bissvorfällen in ländlichen Gebieten Südasiens.

Ernährung

Kraits ernähren sich überwiegend von anderen Schlangen, darunter auch Giftschlangen, und sind damit ausgeprägte Ophiophage. Daneben stehen Blindschlangen, Eidechsen, Frösche und gelegentlich kleine Nagetiere auf dem Speiseplan. Jungschlangen fressen vorwiegend kleine Echsen und Wirbellose. Die Beute wird durch einen Biss festgehalten und durch das hochwirksame Neurotoxin rasch immobilisiert, bevor sie im Ganzen verschlungen wird. Kraits jagen aktiv, indem sie Bodenverstecke und Erdlöcher systematisch nach Beute absuchen.

Verhalten & Lebensweise

Kraits sind streng nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Verstecken wie Erdhöhlen, unter Steinen, in Termitenhügeln oder in lockerer Erde und sind in dieser Phase auffallend träge und wenig bissbereit. Nachts ändert sich ihr Verhalten grundlegend: Die Tiere werden aktiv, durchstreifen ihr Revier auf Nahrungssuche und reagieren deutlich empfindlicher auf Störungen.

Diese Tag-Nacht-Differenz im Verhalten hat medizinische Bedeutung. Die meisten Bissvorfälle ereignen sich nachts, wenn schlafende Menschen auf dem Boden liegend von wandernden Kraits gebissen werden – häufig ohne den Biss sofort zu bemerken, da die kleinen Fangzähne nur geringfügige lokale Schmerzen verursachen.

Kraits leben einzelgängerisch und beanspruchen kein festes Territorium im engeren Sinne, nutzen aber regelmäßig dieselben Tagesverstecke. Bei Bedrohung rollen viele Arten den Körper zu einer engen Spirale zusammen und verbergen den Kopf unter den Körperschlingen. Der Schwanz wird dabei gelegentlich angehoben, möglicherweise als Ablenkungsmanöver.

Fortpflanzung & Aufzucht

Kraits sind ovipar, das heißt, sie legen Eier. Die Paarungszeit fällt bei den meisten Arten in die kühlen oder trockenen Monate. Nach einer Tragzeit von etwa 60 Tagen legt das Weibchen zwischen 4 und 14 Eier, je nach Art und Körpergröße. Die Eiablage erfolgt in feuchten, geschützten Verstecken wie verfallenen Termitenhügeln oder Erdlöchern.

Bei einigen Arten, insbesondere bei Bungarus caeruleus, wurde eine Bewachung des Geleges durch das Weibchen beobachtet – ein für Elapiden ungewöhnliches Verhalten. Die Schlüpflinge messen 20–30 cm und sind von Geburt an mit funktionsfähigen Giftdrüsen ausgestattet. Eine elterliche Fürsorge über das Schlüpfen hinaus findet nicht statt.