Fransenschildkröte
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chelus fimbriata (bzw. Chelus orinocensis als zweite Art der Gattung)
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Unterordnung: Halswender-Schildkröten (Pleurodira)
- Familie: Schlangenhalsschildkröten (Chelidae)
- Gattung: Chelus
- Lebensraum: Langsam fließende und stehende Süßgewässer Südamerikas
- Größe: Carapaxlänge bis 45 cm, in Ausnahmefällen bis 50 cm
- Gewicht: 10–15 kg
- Lebenserwartung: Über 30 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn nicht genau bekannt
Aussehen & Merkmale
Die Fransenschildkröte, im Englischen als „Matamata" bekannt, gehört zu den ungewöhnlichsten Schildkrötenarten überhaupt. Ihr gesamtes Erscheinungsbild ist auf Tarnung ausgerichtet. Der stark abgeflachte, dreieckige Kopf trägt zahlreiche hautlappige Fortsätze – die namensgebenden Fransen –, die sich über die gesamte Halsregion und das Kinn erstrecken. Diese Hautlappen dienen sowohl der Tarnung als auch als Sinnesorgane, da sie feinste Wasserbewegungen in der Umgebung wahrnehmen können.
Der Rückenpanzer (Carapax) ist auffallend rau und unregelmäßig geformt. Drei deutliche Längskiele verlaufen über die kegelförmig aufgewölbten Schilde, sodass der Panzer an ein Stück Baumrinde oder ein mit Algen bewachsenes Blatt erinnert. Die Färbung variiert von dunkelbraun über rotbraun bis grau-schwarz und verstärkt die Ähnlichkeit mit pflanzlichem Detritus auf dem Gewässergrund. Der Bauchpanzer (Plastron) ist im Vergleich klein und schmal, was der Schildkröte eine gewisse Flexibilität verleiht.
Die Nase ist zu einer auffälligen, rüsselartigen Spitze ausgezogen, die als Schnorchel dient: Das Tier kann so knapp unter der Wasseroberfläche atmen, ohne seinen restlichen Körper sichtbar zu machen. Die Augen sind klein und seitlich am Kopf positioniert. Die Gliedmaßen sind kräftig, mit Schwimmhäuten versehen und enden in langen Krallen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Fransenschildkröte erstreckt sich über weite Teile des nördlichen und zentralen Südamerikas. Chelus fimbriata besiedelt das Amazonasbecken und angrenzende Flusssysteme in Brasilien, Peru, Kolumbien, Ecuador, Bolivien und den Guyanas. Die erst 2020 als eigenständige Art beschriebene Chelus orinocensis kommt im Einzugsgebiet des Orinoco sowie in Gewässern Trinidads vor.
Ihr bevorzugtes Habitat sind flache, langsam fließende oder stehende Gewässer: überflutete Wälder (Várzea und Igapó), Sumpfgebiete, Altarme, Teiche und schlammige Flussabschnitte mit weichem Substrat. Klare, schnell fließende Flüsse werden gemieden. Die Tiere halten sich bevorzugt in Biotopen mit dichter Laubschicht am Gewässergrund auf, wo sie durch ihre Körperform nahezu unsichtbar sind.
Ernährung
Die Fransenschildkröte ernährt sich ausschließlich karnivor und ist ein hoch spezialisierter Lauerjäger. Ihre Jagdtechnik ist unter Schildkröten einzigartig: Sie verharrt regungslos auf dem Gewässergrund und wartet, bis ein Beutetier – in der Regel ein Fisch – in unmittelbare Reichweite gelangt. Dann reißt sie das Maul blitzartig auf. Durch die plötzliche Vergrößerung des Rachenraums entsteht ein starker Sog, der das Beutetier mitsamt dem umgebenden Wasser einsaugt. Dieser Vorgang wird als Saugschnappen bezeichnet und dauert nur wenige Millisekunden. Das eingesaugte Wasser wird anschließend durch leichtes Schließen des Mauls wieder herausgepresst, während die Beute verschluckt wird.
Auf dem Speiseplan stehen hauptsächlich kleine Fische, daneben aber auch Kaulquappen, Wirbellose und gelegentlich kleine Frösche. Die Fransenschildkröte kaut ihre Nahrung nicht, sondern schluckt Beutetiere stets im Ganzen. Die Fransen am Kopf spielen bei der Jagd eine doppelte Rolle: Sie brechen die Körpersilhouette auf und registrieren durch ihre Empfindlichkeit für Druckwellen die Annäherung potenzieller Beute.
Verhalten & Lebensweise
Fransenschildkröten sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber auch tagsüber auf Beute lauern. Sie sind ausgeprägte Einzelgänger ohne feste Revierstrukturen. Die Tiere bewegen sich am Boden ihres Gewässers langsam schreitend fort; aktives Schwimmen ist selten zu beobachten. Ihr gesamtes Verhaltensspektrum ist auf Energieeinsparung und Tarnung ausgelegt. Über Stunden und sogar Tage hinweg können sie in völliger Bewegungslosigkeit verharren.
Als Halswender-Schildkröte zieht Chelus fimbriata den langen Hals nicht in den Panzer zurück, sondern legt ihn seitlich unter den Panzerrand – ein charakteristisches Merkmal der Unterordnung Pleurodira. Trotz ihrer Trägheit an Land sind die Tiere bei Störung im Wasser zu schnellen Reaktionen fähig.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet im Wasser statt. Das Männchen nähert sich dem Weibchen und führt bei der Balz charakteristische Kopfbewegungen aus, bei denen die Hautlappen in Schwingung geraten. Nach der Begattung legt das Weibchen ein Gelege von 12 bis 28 Eiern in eine selbst gegrabene Mulde an einem Uferbereich ab. Die kugelförmigen Eier haben einen Durchmesser von etwa 35 mm und eine ledrige Schale.
Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur 200 bis über 300