Eierstock
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Definition & Überblick
Der Eierstock (lat. Ovarium, Plural: Ovarien) ist das primäre weibliche Geschlechtsorgan (Gonade) und erfüllt bei allen weiblichen Wirbeltieren eine doppelte Funktion: Er dient der Bildung befruchtungsfähiger Eizellen (Oogenese) und der Produktion weiblicher Geschlechtshormone, insbesondere Östrogen und Progesteron. Als paarig angelegtes Organ liegt der Eierstock bei den meisten Haussäugetieren beidseits in der Bauchhöhle, kaudal der jeweiligen Niere, und ist über das Mesovarium – eine Duplikatur des Bauchfells – am breiten Mutterband (Ligamentum latum uteri) aufgehängt. Zusammen mit dem Eileiter (Tuba uterina), der Gebärmutter (Uterus), der Scheide (Vagina) und der Vulva bildet der Eierstock den weiblichen Geschlechtsapparat (Organa genitalia feminina).
Aufbau & Struktur
Makroskopisch zeigt das Ovar eine artspezifisch variierende Form, die von oval-bohnenförmig bis traubenförmig reichen kann. Es wird von einer bindegewebigen Kapsel, der Tunica albuginea, umgeben, die ihrerseits von einem einschichtigen Epithel, dem Epithelium superficiale (früher fälschlich als „Keimepithel" bezeichnet), überzogen ist.
Histologisch lässt sich das Ovar in zwei Zonen gliedern:
- Rinde (Cortex ovarii): Sie enthält die Follikel in unterschiedlichen Reifungsstadien – von den ruhenden Primordialfollikeln über Primär-, Sekundär- und Tertiärfollikel (Graafscher Follikel) bis hin zu den postovulatorischen Gelbkörpern (Corpora lutea). Das Stroma der Rinde besteht aus dicht gepacktem, spindelzelligem Bindegewebe mit eingelagerten interstitiellen Zellen.
- Mark (Medulla ovarii): Lockeres Bindegewebe mit Blut- und Lymphgefäßen, Nerven sowie dem arteriellen Gefäßknäuel (Rete ovarii). Die Gefäßversorgung erfolgt über die Arteria ovarica, die über das Mesovarium an das Organ herantritt und sich im Mark stark aufzweigt.
Eine Besonderheit bildet die Fossa ovarii (Ovulationsgrube) bei der Stute, bei der sich die funktionelle Rinden-Mark-Anordnung geradezu umkehrt (siehe Abschnitt „Unterschiede zwischen Tierarten").
Funktion
Die Funktionen des Eierstocks lassen sich in eine generative (exokrine) und eine endokrine Komponente unterteilen:
- Generative Funktion: Im Rahmen der Follikulogenese reifen Eizellen in den Follikeln heran. Unter dem Einfluss von FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) aus der Adenohypophyse wachsen ausgewählte Follikel bis zum sprungreifen Tertiärfollikel heran. Beim Eisprung (Ovulation) wird die reife Oozyte aus dem Follikel freigesetzt und vom Eileiter aufgefangen.
- Endokrine Funktion: Die Granulosazellen und Thekazellen des wachsenden Follikels synthetisieren Östradiol-17β, das den Deckreflex, die Uterusvorbereitung und sekundäre Geschlechtsmerkmale steuert. Nach der Ovulation wandelt sich der entleerte Follikel zum Gelbkörper (Corpus luteum) um, dessen Luteinzellen Progesteron produzieren. Dieses Hormon ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit, da es die Uterusschleimhaut in einen sekretorischen Zustand versetzt und die Myometriumkontraktilität hemmt.
Bei ausbleibender Befruchtung wird der Gelbkörper durch Prostaglandin F2α aus dem Endometrium lysiert (Luteolyse), woraufhin ein neuer Zyklus beginnt.
Unterschiede zwischen Tierarten
Form, Größe und Feinbau der Ovarien variieren erheblich zwischen den Tierarten:
- Stute (Equiden): Die Ovarien sind groß, nierenförmig und besitzen eine markante Fossa ovarii (Ovulationsgrube). Anders als bei anderen Haussäugetieren liegt die Rinde zentral und das Mark peripher. Die Ovulation ist ausschließlich über diese Grube möglich – ein einzigartiges Merkmal unter den Haussäugetieren.
- Wiederkäuer (Rind, Schaf, Ziege): Die Ovarien sind relativ klein und oval. Am Rinderovar sind häufig prominente Gelbkörper sichtbar, die über die Oberfläche vorragen. Die Kuh ovuliert überwiegend monoovulatorisch, während Schaf und Ziege – je nach Rasse – polyovulatorisch sein können.
- Schwein: Das Ovar der Sau zeigt sich durch zahlreiche Follikel und Gelbkörper charakteristisch traubenförmig (maulbeerartig). Als polytoke Spezies ovuliert die Sau 15–25 Eizellen pro Zyklus.
- Fleischfresser (Hund, Katze): Die Ovarien sind klein und von der Bursa ovarica, einer Fettgewebskapsel, nahezu vollständig umhüllt, was den chirurgischen Zugang bei der Ovariektomie bzw. Ovariohysterektomie erschwert. Die Katze ist eine induzierte Ovulatoren – die Ovulation wird erst durch den Deckakt ausgelöst.
- Vögel (Huhn und andere Geflügelarten): Funktionell ist in der Regel nur das linke Ovar ausgebildet; das rechte Ovar