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Emdener-gans

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Rassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Emden, Ostfriesland (Deutschland)
  • Rassestandard: Anerkannt durch den Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG); internationale Anerkennung durch zahlreiche Geflügelzuchtverbände weltweit
  • Kategorie: Schwere Gänserasse, Nutztierrasse
  • Gewicht: Ganter 10–12 kg, Gans 8–10 kg
  • Körpergröße: Großrahmig, aufrechte Haltung, Körperlänge ca. 80–100 cm
  • Lebenserwartung: 15–25 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Gefieder/Farbe: Reinweiß, dicht und fest anliegend
  • Legeleistung: 40–60 Eier pro Jahr, Eigewicht ca. 150–200 g

Herkunft & Geschichte

Die Emdener Gans zählt zu den ältesten und bekanntesten deutschen Gänserassen. Ihren Ursprung hat sie in der Stadt Emden und der weiteren Region Ostfrieslands, wo sie bereits seit dem 13. Jahrhundert nachweislich gezüchtet wird. Ostfriesland bot mit seinen weitläufigen Marschweiden, feuchten Wiesen und dem milden Seeklima ideale Voraussetzungen für die Gänsehaltung. Die fruchtbaren Weideflächen ermöglichten eine natürliche Mast, die den Tieren ihr beeindruckendes Gewicht verlieh.

Im 18. und 19. Jahrhundert erlangte die Emdener Gans internationale Bekanntheit. Über den Seehafen Emden wurden große Herden nach England, in die Niederlande und nach Nordamerika exportiert. In England wurde sie unter dem Namen „Embden Goose" bekannt und dort gezielt weitergezüchtet. Die britischen Züchter kreuzten sie teilweise mit einheimischen Gänserassen ein, was zu regionalen Zuchtlinien führte. In Nordamerika wurde die Emdener Gans zu einer der beliebtesten Farmgänse und bildet dort bis heute die Grundlage vieler kommerzieller Gänsezuchten.

Die erste offizielle Standardbeschreibung in Deutschland erfolgte im Rahmen der Gründung von Rassegeflügel-Zuchtverbänden Ende des 19. Jahrhunderts. Seitdem wird die Rasse unter dem Dach des BDRG betreut und nach einem klar definierten Rassestandard bewertet. Trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ist die Emdener Gans in ihrer Ursprungsregion seltener geworden, weshalb engagierte Züchter sich um den Erhalt der alten Landschläge bemühen.

Aussehen & Rassemerkmale

Die Emdener Gans ist eine imposante Erscheinung. Sie gehört zu den schwersten Gänserassen der Welt und beeindruckt durch ihren massigen, walzenförmigen Körper mit breiter, tiefer Brust. Der Rumpf ist langgestreckt und wird nahezu waagerecht getragen. Charakteristisch ist die ausgeprägte Bauchfalte, die als sogenannte Wamme oder Kehlwamme auch am Unterkiefer sichtbar sein kann – je nach Zuchtlinie und Alter des Tieres.

Das Gefieder ist ausnahmslos reinweiß, dicht und fest anliegend. Es besitzt eine ausgeprägte Daunenunterlage, die hervorragende Wärmeisolierung bietet. Der Schnabel ist kräftig, kurz und orange gefärbt, ebenso die kräftigen Läufe und Schwimmhäute. Die Augen sind blau, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen weißen Gänserassen darstellt. Der Kopf ist groß und rund, der Hals mittellang, kräftig und leicht gebogen.

Ganter wirken insgesamt massiger als die Gänse und tragen sich etwas aufrechter. Bei beiden Geschlechtern ist ein breiter, gerader Rücken gewünscht. Der Schwanz wird waagerecht oder leicht abfallend getragen. Fehler im Rassestandard sind unter anderem graue Federn, ein zu schmaler Rumpf, gelbe Augen oder eine fehlende Brustfülle.

Charakter & Wesen

Die Emdener Gans gilt als ruhig, gelassen und ausgeglichen. Im Vergleich zu leichteren Gänserassen wie der Diepholzer oder der Italienischen Gans zeigt sie weniger Nervosität und lässt sich gut an den Menschen gewöhnen. Bei regelmäßigem, ruhigem Umgang werden Emdener Gänse durchaus zutraulich und suchen den Kontakt zu ihrer Bezugsperson.

Dennoch besitzen sie den für Gänse typischen wachsamen Charakter. Sie reagieren zuverlässig auf Fremde und ungewohnte Geräusche mit lautstarkem Schnattern, weshalb sie seit jeher auch als lebende Alarmanlagen auf Höfen geschätzt werden. Ganter können während der Brutzeit territorial und durchsetzungsstark auftreten, was bei der Haltung berücksichtigt werden sollte.

Emdener Gänse leben bevorzugt in festen Gruppen und bilden stabile soziale Strukturen. Sie sind gesellig und sollten niemals einzeln gehalten werden. Paarhaltung oder kleine Herden mit einem Ganter und zwei bis vier Gänsen haben sich in der Praxis bewährt.

Haltung & Pflege

Als großrahmige, schwere Gänserasse benötigt die Emdener Gans ausreichend Platz. Pro Tier sollten mindestens 100 Quadratmeter Weidefläche eingeplant werden, besser mehr. Idealerweise steht eine weitläufige Grünfläche mit kurzem, nährstoffreichem Gras zur Verfügung. Ein Zugang zu Badewasser ist dringend empfohlen – ein Teich, Bach oder zumindest ein großer Wasserbehälter ermöglicht es den Tieren, ihr Gefieder zu pflegen und artgerechtes Verhalten auszuleben.

Der Stall muss trocken, zugfrei und ausreichend groß dimensioniert sein. Pro Tier werden etwa 1–1,5 Quadratmeter Stallfläche veranschlagt. Als Einstreu eignen sich Stroh oder Hobelspäne. Die Gefiederpflege übernehmen die Tiere weitgehend selbst, sofern Badegelegenheiten vorhanden sind. Ein regelmäßiger Wechsel der Einstreu und saubere Wasserstellen beugen Parasitenbefall und Atemwegserkrankungen vor.

Der Auslauf sollte mit einem stabilen Zaun gegen Raubtiere wie Fuchs und Marder gesichert werden. Nachts empfiehlt sich grundsätzlich das Einstallen der