Endler-Guppy
ETierart – Fische > Süßwasserfische – Aquarium
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Poecilia wingei (Poeser, Kempkes & Isbrücker, 2005)
- Ordnung: Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes)
- Familie: Lebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliidae)
- Gattung: Poecilia
- Lebensraum: Flache, warme Süßgewässer im nördlichen Venezuela
- Größe: Männchen 2–3 cm, Weibchen 3–4,5 cm
- Gewicht: unter 1 g
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Endler-Guppy ist ein kleinwüchsiger Süßwasserfisch mit auffälligem Geschlechtsdimorphismus. Männchen tragen eine intensive, kontrastreiche Färbung aus metallisch schimmernden Grün-, Orange-, Rot- und Schwarztönen, die in charakteristischen Flecken und Streifen über den gesamten Körper verteilt sind. Je nach Population und Fundort variieren die Farbmuster erheblich, wobei bestimmte Farbkombinationen populationsspezifisch auftreten. Die Schuppen der Männchen reflektieren unter Lichteinfall metallisch, was dem Fisch ein beinahe fluoreszierendes Erscheinungsbild verleiht.
Weibchen sind deutlich schlichter gefärbt. Ihre Grundfarbe ist ein unauffälliges Silbergrau bis Olivgrün, das eine gute Tarnung in ihrem natürlichen Habitat bietet. Gelegentlich zeigen auch Weibchen schwache Farbakzente, vor allem im Bereich der Schwanzflosse.
Im Vergleich zum gewöhnlichen Guppy (Poecilia reticulata) ist der Endler-Guppy insgesamt kleiner und schlanker gebaut. Die Flossen der Männchen sind weniger stark verlängert als bei vielen Zuchtformen des Guppys. Das Gonopodium – die zu einem Begattungsorgan umgewandelte Afterflosse der Männchen – ist schlank und spitz zulaufend, ein typisches Merkmal der Lebendgebärenden Zahnkarpfen.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Poecilia wingei beschränkt sich auf wenige Gewässer im Nordosten Venezuelas. Die Art wurde erstmals 1937 von Franklyn F. Bond in der Laguna de Patos nahe der Stadt Cumaná gesammelt, geriet dann aber in Vergessenheit. Erst 1975 entdeckte der Biologe John Endler die Population erneut und machte sie einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit bekannt – ihm verdankt der Fisch seinen Trivialnamen.
Das Biotop des Endler-Guppys besteht aus flachen, stark verkrauteten Tümpeln, Lagunen und langsam fließenden Bachläufen mit warmem, oft leicht brackigem Wasser. Die Wassertemperaturen in diesen Habitaten liegen ganzjährig zwischen 24 und 30 °C. Der pH-Wert bewegt sich im leicht alkalischen Bereich von 7,0 bis 8,5. Typisch sind dichte Bestände von Fadenalgen und Wasserpflanzen, die den Fischen Deckung und Nahrung bieten.
Die Laguna de Patos, der bekannteste Fundort, hat in den vergangenen Jahrzehnten durch Urbanisierung und Müllentsorgung erhebliche Veränderungen erfahren. Weitere Populationen wurden in der Laguna de los Patos, in Campoma und in einigen kleineren Gewässern der Region Sucre dokumentiert.
Ernährung
Endler-Guppys sind Allesfresser (Omnivoren) mit einer starken Tendenz zu pflanzlicher und detritus-basierter Kost. In der Natur weiden sie überwiegend Algenaufwuchs und Mikroorganismen von Oberflächen ab. Kleine Wirbellose wie Mückenlarven, Wasserflöhe und Ruderfußkrebse ergänzen den Speiseplan.
Im Aquarium nehmen die Fische handelsübliches Flockenfutter, feines Granulatfutter sowie Lebend- und Frostfutter bereitwillig an. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit regelmäßiger pflanzlicher Komponente – etwa Spirulina-Flocken oder blanchiertem Gemüse – unterstützt die Farbintensität und das allgemeine Wohlbefinden. Aufgrund ihres kleinen Mauls sollte das Futter entsprechend fein zerkleinert sein.
Verhalten & Lebensweise
Endler-Guppys sind tagaktive Schwarmfische, die sich bevorzugt in den mittleren und oberen Wasserschichten aufhalten. Männchen zeigen ein ausgeprägt aktives Verhalten und sind fast ununterbrochen mit der Balz beschäftigt. Dabei präsentieren sie ihre Farbmuster in schnellen, ruckartigen Schwimmbewegungen vor den Weibchen. Eine Revierverteidigung im klassischen Sinne findet nicht statt; die Männchen konkurrieren stattdessen durch ständiges Werben um die Gunst der Weibchen.
Die Fische sind friedlich und können in Gesellschaftsaquarien mit anderen kleinen, ebenfalls friedfertigen Arten vergesellschaftet werden. In einer Gruppe sollten idealerweise mehr Weibchen als Männchen gehalten werden, um den Balzdruck auf einzelne Weibchen zu reduzieren. Endler-Guppys zeigen kein ausgeprägtes Fluchtverhalten und sind gegenüber Menschen wenig scheu, was sie zu dankbaren Pfleglingen in der Aquaristik macht.
Fortpflanzung & Aufzucht
Poecilia wingei gehört zu den lebendgebärenden Fischen. Die innere Befruchtung erfolgt über das Gonopodium des Männchens. Weibchen können Spermien über mehrere Monate speichern und so auch ohne erneute Paarung mehrere Würfe hervorbringen.
Die Tragzeit beträgt je nach Wassertemperatur 23 bis 28 Tage. Ein Wurf umfasst bei ausgewachsenen Weibchen zwischen 5 und 25 Jungfische, wobei jüngere und kleinere Weibchen weniger Nachwuchs zur Welt bringen. Die Jungfische sind bei der Geburt etwa 5 mm groß und sofort schwimmfähig. Sie suchen instinktiv Deckung in dichter Vegetation, um dem Nachstellen durch erwachsene Artgenossen zu entgehen.
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