Equine Influenza
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Definition & Überblick
Die Equine Influenza (Pferdegrippe, Hoppegartener Husten) ist eine hochansteckende, akut verlaufende Infektionskrankheit der oberen und unteren Atemwege beim Pferd. Sie zählt weltweit zu den bedeutendsten Atemwegserkrankungen bei Equiden und betrifft neben Pferden auch Esel, Maultiere und Maulesel. In seltenen Fällen können Hunde ebenfalls empfänglich sein.
Die Erkrankung wird durch Influenza-A-Viren aus der Familie der Orthomyxoviridae verursacht. Klinisch ähnelt sie der menschlichen Grippe: Betroffene Tiere zeigen plötzlich einsetzendes Fieber, trockenen Husten und Nasenausfluss. Die Morbidität (Erkrankungsrate) innerhalb eines nicht geimpften Bestandes kann nahezu 100 Prozent erreichen, während die Mortalität (Sterblichkeit) bei unkomplizierten Verläufen gering bleibt. Gefährlich wird die Pferdegrippe vor allem durch bakterielle Sekundärinfektionen, die zu schweren Pneumonien führen können.
In Deutschland ist die Equine Influenza meldepflichtig. Auf internationaler Ebene wird sie von der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH, ehemals OIE) gelistet und spielt insbesondere im Turnier- und Rennsport eine große Rolle, da sie sich explosionsartig ausbreiten kann.
Ursachen & Risikofaktoren
Erreger der Equinen Influenza sind Influenza-A-Viren. Historisch werden zwei Subtypen unterschieden:
- H7N7 (A/equi-1) – dieser Subtyp gilt seit den 1990er-Jahren als klinisch nicht mehr relevant und wird in freier Wildbahn kaum noch nachgewiesen.
- H3N8 (A/equi-2) – dieser Subtyp ist weltweit der dominierende Erreger und unterliegt einer ständigen genetischen Drift, vergleichbar mit der saisonalen Grippe beim Menschen.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich als Tröpfcheninfektion über die Luft. Hustende Pferde können das Virus über Distanzen von mehr als 30 Metern verbreiten. Daneben ist eine indirekte Übertragung über kontaminierte Gegenstände (Trensen, Tränkeeimer, Putzzeug), Transportfahrzeuge und Personen möglich. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel ein bis drei Tage.
Risikofaktoren, die Ausbrüche begünstigen, umfassen:
- Hohe Besatzdichte in Ställen und auf Veranstaltungen
- Häufiger Pferdewechsel und Transportstress
- Unzureichender oder veralteter Impfschutz im Bestand
- Junge Pferde mit noch unreifem Immunsystem
- Schlechte Stallhygiene und mangelhafte Belüftung
Symptome & Erkennung
Die Equine Influenza beginnt typischerweise abrupt. Das Leitsymptom ist ein trockener, harter, nichtproduktiver Husten, der über Wochen anhalten kann. Weitere klinische Anzeichen sind:
- Hohes Fieber (39,5–41,5 °C), oft biphasisch mit zwei Fieberspitzen im Abstand von zwei bis drei Tagen
- Zunächst seröser, später mukopurulenter Nasenausfluss
- Schwellung der Mandibularlymphknoten (Lymphknoten im Kehlgangsbereich)
- Ausgeprägte Mattigkeit und Appetitlosigkeit
- Erhöhte Atemfrequenz, gelegentlich Dyspnoe (Atemnot)
- Muskelschmerzen und Steifheit, seltener Augenausfluss (Konjunktivitis)
Bei unkompliziertem Verlauf klingen die akuten Symptome innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Der Husten kann jedoch drei bis sechs Wochen persistieren. Treten bakterielle Sekundärinfektionen hinzu – etwa durch Streptococcus equi subsp. zooepidemicus oder Actinobacillus equuli – drohen schwere Komplikationen wie Bronchopneumonie, Pleuropneumonie oder Myokarditis (Herzmuskelentzündung). Fohlen, alte und immunsupprimierte Pferde sind besonders gefährdet.
Diagnose
Die klinische Verdachtsdiagnose ergibt sich aus dem typischen Krankheitsbild in Verbindung mit einer raschen Ausbreitung im Bestand. Für die Sicherung der Diagnose stehen mehrere labordiagnostische Verfahren zur Verfügung:
- RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) – Goldstandard zum direkten Virusnachweis aus Nasentupferproben. Die Methode ist hochsensitiv und liefert innerhalb weniger Stunden ein Ergebnis.
- Virusisolierung in embryonierten Hühnereiern oder Zellkulturen – aufwendig, aber wichtig für die Charakterisierung des Virusstammes und epidemiologische Überwachung.
- Antigen-Schnelltests – können am Stall eingesetzt werden, besitzen jedoch eine eingeschränkte Sensitivität und liefern bei geringer Viruslast falsch-negative Ergebnisse.
- Serologie (Hämagglutinationshemmtest, ELISA) – erfordert gepaarte Serumproben im Abstand von zehn bis vierzehn Tagen zum Nachweis eines Titeranstiegs. Eignet sich eher für retrospektive Diagnostik.
Nasentupfer sollten idealerweise in den ersten 24 bis 48 Stunden nach Fieberbeginn entnommen werden, da die Virusausscheidung danach rasch abnimmt.
Behandlung & Therapie
Eine kausale antivirale Therapie – wie sie beim Menschen mit Neuraminidasehemmern möglich ist – wird beim Pferd in der Praxis nicht routinemäßig eingesetzt. Die Behandlung der Equinen Influenza ist daher primär symptomatisch und unterstützend:
- Strikte Ruhe: Betroffene Pferde benötigen mindestens eine Woche Ruhe pro Fiebertag