Feuerfisch
FTierart – Fische > Meerwasserfische – Aquarium
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pterois volitans (Gewöhnlicher Rotfeuerfisch)
- Ordnung: Scorpaeniformes (Drachenkopfartige)
- Familie: Scorpaenidae (Skorpionfische)
- Gattung: Pterois
- Lebensraum: Korallenriffe, Lagunen, Felsküsten im tropischen und subtropischen Indopazifik
- Größe: 25–38 cm (je nach Art)
- Gewicht: bis ca. 1,2 kg
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre (in Aquarienhaltung bis 18 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Feuerfische gehören zu den auffälligsten Erscheinungen unter den Meerwasserfischen. Ihr Körper ist seitlich abgeflacht und von einem Muster aus breiten, alternierend roten, braunen und weißen Querstreifen überzogen. Die Grundfärbung variiert je nach Art und Herkunftspopulation von blassrosa bis tiefrot. Die Schuppen sind relativ klein und ctenoid – also am hinteren Rand fein gezähnt.
Das hervorstechendste Merkmal sind die stark verlängerten Flossenstrahlen der Rücken-, Brust- und Bauchflossen. Die Brustflossen sind fächerartig aufgespreizt und erinnern an Vogelfedern, was dem Tier seinen englischen Namen „Lionfish" eingetragen hat. Die 13 Strahlen der Rückenflosse (Dorsale) sind jeweils mit Giftdrüsen ausgestattet. Diese Stacheln dienen ausschließlich der Verteidigung – das Tier setzt sie nicht aktiv zum Beuteerwerb ein. Auch die drei Stacheln der Afterflosse und die beiden Bauchflossenstacheln tragen Gift. Die Augen sind vergleichsweise groß, was auf die überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise hindeutet. Über den Augen tragen viele Arten federartige Hautanhänge (Supraorbitaltentakel), deren Funktion vermutlich in der Tarnung liegt.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung Pterois erstreckt sich über den tropischen Indopazifik – vom Roten Meer und der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis nach Südostasien, Australien und die Inselwelt des westlichen Pazifik. Feuerfische besiedeln dort Korallenriffe, Felsriffe, Seegraswiesen und Lagunen in Tiefen von 1 bis etwa 50 Metern. Sie bevorzugen Habitate mit reichlich Struktur – Überhänge, Spalten und Höhlen –, die ihnen tagsüber als Ruheplätze dienen.
Seit Mitte der 1980er-Jahre breiten sich Pterois volitans und Pterois miles als invasive Neozoen im westlichen Atlantik, in der Karibik und im Golf von Mexiko aus. Genetische Untersuchungen legen nahe, dass diese Invasion auf wenige, wahrscheinlich aus Aquarien freigesetzte Exemplare vor der Küste Floridas zurückgeht. Die Populationen wachsen dort mangels natürlicher Fressfeinde rasch und stellen eine erhebliche Bedrohung für einheimische Riff-Ökosysteme dar. Auch im östlichen Mittelmeer wurden vereinzelt Feuerfische nachgewiesen – eingewandert über den Suezkanal als sogenannte Lesseps'sche Migration.
Ernährung
Feuerfische sind carnivor und ernähren sich überwiegend von kleinen Fischen, Garnelen und anderen Krebstieren. Ihre Jagdtechnik ist charakteristisch: Sie nähern sich der Beute langsam, spreizen die großen Brustflossen trichterförmig ab und treiben das Beutetier so in eine Ecke, bevor sie mit einem blitzschnellen Vorstoß zuschlagen. Der gesamte Vorgang dauert oft nur Millisekunden. Der Magen kann sich dabei erheblich dehnen – Feuerfische sind in der Lage, Beutetiere zu verschlingen, die mehr als die Hälfte ihrer eigenen Körperlänge erreichen.
In ihrem invasiven Verbreitungsgebiet im Atlantik fressen Feuerfische nachweislich über 70 verschiedene Fisch- und Krebstierarten. Diese Polyphagie trägt maßgeblich zu ihrem Erfolg als Neozoon bei und hat messbare negative Auswirkungen auf die Rekrutierung juveniler Rifffische.
Im Aquarium nehmen sie nach einer Eingewöhnungsphase neben Lebendfutter (kleine Fische, Garnelen) auch Frostfutter an. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Mysis, Krill und Stinten beugt Mangelerscheinungen vor.
Verhalten & Lebensweise
Feuerfische sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verharren sie oft kopfüber unter Überhängen oder in Höhlen, wobei sie sich kaum bewegen. Mit einsetzender Dämmerung beginnen sie ihre Jagdzüge über das Riff. Sie sind in der Regel Einzelgänger, tolerieren jedoch in beutereichen Gebieten die Nähe von Artgenossen. Territorial im engeren Sinne verhalten sie sich vor allem gegenüber gleichgeschlechtlichen Rivalen.
Im Aquarium zeigen Feuerfische ein ruhiges, bedächtiges Schwimmverhalten. Sie etablieren feste Ruheplätze und verteidigen diese mit Drohgebärden – dabei stellen sie die giftigen Rückenflossenstrahlen auf und richten sie dem Gegner entgegen. Gegenüber dem Halter verlieren sie mit der Zeit ihre Scheu und entwickeln ein erstaunlich individuelles Verhalten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Feuerfische sind getrenntgeschlechtlich, wobei ein Geschlechtsdimorphismus nur schwach ausgeprägt ist. Männchen sind tendenziell etwas größer und zeigen zur Balzzeit eine intensivere Färbung. Die Balz findet in der Regel bei Dämmerung statt: Das Männchen schwimmt in kreisenden Bahnen um das Weibchen und zeigt dabei ausgebreitete Flossen.
Das Weibchen gibt zwei gallertartige Eiballen ab, die jeweils 12.000 bis 15.000 Eier enthalten. Diese Eiballen treiben als Plankton an der Wasseroberfläche und quellen nach dem Kontakt mit Meerwasser auf. Die Larven schlüpfen nach etwa 36 Stunden und leben zunächst pelagisch. Nach rund 25 bis 40 Tagen siedeln sich die Jungfische am Riff an.