Fische
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Definition und Überblick
Fische (lateinisch Pisces) sind wechselwarme, im Wasser lebende Wirbeltiere, die durch Kiemen atmen und sich in der Regel mithilfe von Flossen fortbewegen. Sie stellen keine einheitliche systematische Gruppe im strengen Sinne dar, sondern bilden eine sogenannte paraphyletische Sammelgruppe. Das bedeutet, dass der Begriff „Fische" mehrere Tierklassen umfasst, die zwar einen gemeinsamen Bauplan teilen, aber stammesgeschichtlich nicht alle näher miteinander verwandt sind als mit den Landwirbeltieren. Trotz dieser taxonomischen Besonderheit hat sich der Begriff in Zoologie und Alltagssprache fest etabliert.
Mit über 36.000 beschriebenen Arten stellen Fische mehr als die Hälfte aller bekannten Wirbeltierarten. Sie besiedeln nahezu jeden aquatischen Lebensraum – von der Tiefsee über tropische Korallenriffe bis hin zu Gebirgsbächen, Höhlengewässern und zeitweise austrocknenden Tümpeln. Ihre ökologische Bedeutung als Primär- und Sekundärkonsumenten in aquatischen Nahrungsnetzen ist enorm.
Systematik und Klassifikation
Die Systematik der Fische gliedert sich in drei große Hauptgruppen, die sich in Körperbau, Skelettstruktur und Entwicklungsgeschichte grundlegend unterscheiden:
- Kieferlose Fische (Agnatha): Zu ihnen gehören die heute noch lebenden Neunaugen (Petromyzontiformes) und Schleimaale (Myxiniformes). Sie besitzen kein Kiefergelenk und gelten als die ursprünglichste Linie der Wirbeltiere. Ihr Skelett besteht vollständig aus Knorpel, und sie verfügen weder über paarige Flossen noch über Schuppen im klassischen Sinn.
- Knorpelfische (Chondrichthyes): Diese Klasse umfasst Haie (Selachii), Rochen (Batoidea) und Chimären (Holocephali). Wie der Name andeutet, besteht ihr Innenskelett aus Knorpel, der teilweise verkalkt sein kann. Knorpelfische besitzen keine Schwimmblase und müssen daher ständig in Bewegung bleiben oder aktiv Auftrieb erzeugen. Weltweit sind etwa 1.200 Arten bekannt.
- Knochenfische (Osteichthyes): Mit rund 35.000 Arten bilden sie die bei weitem artenreichste Gruppe. Ihr Skelett ist ganz oder teilweise verknöchert. Innerhalb der Knochenfische unterscheidet man die Strahlenflosser (Actinopterygii), zu denen die große Mehrheit aller Fischarten gehört, und die Fleischflosser (Sarcopterygii), deren bekannteste Vertreter die Lungenfische und der Quastenflosser Latimeria sind. Die Fleischflosser sind stammesgeschichtlich besonders bedeutsam, da aus ihnen die Landwirbeltiere (Tetrapoda) hervorgegangen sind.
Körperbau und Anatomie
Der typische Fischkörper ist stromlinienförmig und seitlich abgeflacht – eine Anpassung an die Fortbewegung im Wasser. Abweichungen von dieser Grundform sind häufig und spiegeln die jeweilige Lebensweise wider: Plattfische wie Scholle und Flunder sind dorsoventral abgeflacht, Aale besitzen einen schlangenartigen Körper, und Kugelfische können sich bei Gefahr kugelförmig aufblähen.
Die Flossen dienen der Fortbewegung, Steuerung und Stabilisierung. Man unterscheidet unpaare Flossen (Rücken-, After- und Schwanzflosse) von paarigen Flossen (Brust- und Bauchflossen). Die Schwanzflosse ist der Hauptantrieb; ihre Form – gegabelt, gerundet oder halbmondförmig – gibt Aufschluss über die Schwimmweise.
Die Kiemen sind das zentrale Atmungsorgan. Wasser wird über das Maul aufgenommen und über die stark durchbluteten Kiemenblättchen geleitet, wo der Gasaustausch stattfindet. Das Gegenstromprinzip zwischen Blutstrom und Wasserstrom ermöglicht eine besonders effiziente Sauerstoffaufnahme. Einige Arten besitzen zusätzliche Atmungsorgane: Lungenfische nutzen eine primitive Lunge, Labyrinthfische ein spezielles Labyrinthorgan zur Luftatmung.
Die Schwimmblase ist ein gasgefülltes Organ, das den meisten Knochenfischen den hydrostatischen Auftrieb reguliert. Durch Gasabgabe oder -aufnahme kann der Fisch ohne Muskelaufwand in unterschiedlichen Wassertiefen schweben. Grundlebende Arten wie viele Grundeln haben die Schwimmblase sekundär reduziert oder ganz verloren.
Das Seitenlinienorgan ist ein für Fische charakteristisches Sinnesorgan. Es registriert Druckwellen und Strömungen im Wasser und ermöglicht die Orientierung bei Dunkelheit, das Aufspüren von Beute und die Koordination im Schwarm.
Fortpflanzung und Entwicklung
Die Fortpflanzungsstrategien der Fische sind außerordentlich vielfältig. Die Mehrzahl der Arten pflanzt sich durch äußere Befruchtung fort: Weibchen geben Eier (Laich) ins Wasser ab, die vom Männchen besamt werden. Die Zahl der Eier variiert erheblich – ein Kabeljau kann mehrere Millionen Eier pro Laichvorgang produzieren, während manche Buntbarsche nur wenige Dutzend Eier legen und intensive Brutpflege betreiben.
Bei Knorpelfischen erfolgt die Befruchtung dagegen stets innerlich. Einige Arten sind lebendgebärend (vivipar), andere legen Eikapseln ab (ovipar). Auch unter den Knochenfischen gibt es lebendgebärende Vertreter, etwa die Guppys und andere Zahnkärpflinge.
Bemerkenswerte Sonderfälle sind der Geschlechtswechsel (Hermaphroditismus), der bei vielen Lippfischen und Anemonenfischen vorkommt, sowie die Maulbrutpflege, bei der ein Elternteil die Eier oder Jungfische im Maul ausbrütet.
Ökologische Bedeutung und Gefährdung
Fische nehmen in aquatischen Ökosystemen eine zentrale Stellung ein. Als Konsumenten verschiedener trophischer Ebenen regulieren sie Populationen von Plankton, Wirbellosen und anderen Fischen. Gleichzeitig dienen sie Vögeln, Meeressäugern und dem Menschen als Na