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FIV

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten

Definition & Überblick

FIV steht für Felines Immundefizienzvirus – ein Retrovirus, das ausschließlich Katzen befällt und deren Immunsystem langfristig schwächt. Die Erkrankung wird häufig als „Katzenaids" bezeichnet, da das Virus strukturell und in seiner Wirkungsweise dem humanen Immundefizienzvirus (HIV) des Menschen ähnelt. Eine Übertragung auf den Menschen oder andere Tierarten ist nach aktuellem Wissensstand nicht möglich.

FIV gehört zur Familie der Lentiviren (lateinisch lentus = langsam), was auf den charakteristisch schleichenden Krankheitsverlauf hinweist. Nach der Infektion kann eine Katze über Jahre hinweg symptomfrei leben, bevor sich ein manifestes Immundefizienzsyndrom entwickelt. Weltweit sind schätzungsweise 2–30 % der Katzenpopulation betroffen, wobei die Prävalenz regional stark schwankt. In Mitteleuropa liegt die Durchseuchungsrate bei Freigängern bei etwa 3–6 %.

Das Virus befällt vorrangig die T-Helferzellen (CD4+-Lymphozyten), die eine zentrale Rolle in der Immunabwehr spielen. Durch deren fortschreitende Zerstörung verliert der Organismus zunehmend die Fähigkeit, Infektionen und Tumorerkrankungen wirksam zu bekämpfen.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Hauptübertragung erfolgt durch Bissverletzungen, da das Virus in hoher Konzentration im Speichel infizierter Katzen vorkommt. Tiefe Bisswunden, wie sie bei Revierkämpfen entstehen, sind der mit Abstand häufigste Infektionsweg. Seltener kann eine Übertragung durch gemeinsames Nutzen von Futternäpfen oder gegenseitige Fellpflege stattfinden, wobei hierfür in der Regel Schleimhautverletzungen vorliegen müssen.

Eine vertikale Transmission – also die Übertragung von der Mutterkatze auf die Kitten – ist möglich, kommt jedoch vergleichsweise selten vor. Sie kann transplazentar, während der Geburt oder über die Muttermilch erfolgen.

Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen:

  • Freigang ohne Kastration: Unkastrierte Kater mit Freigang tragen das höchste Infektionsrisiko, da sie am häufigsten in territoriale Auseinandersetzungen verwickelt sind.
  • Männliches Geschlecht: Kater sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als weibliche Katzen.
  • Alter: Die meisten Infektionen werden bei Katzen zwischen 3 und 10 Jahren diagnostiziert.
  • Streunender Lebensstil: Verwilderte Katzen und solche in unkontrollierten Mehrkatzenhaushalten zeigen eine deutlich höhere Seroprävalenz.

Symptome & Erkennung

Der Krankheitsverlauf einer FIV-Infektion wird in fünf Stadien unterteilt:

1. Akute Phase (Wochen bis Monate nach Infektion): Vorübergehendes Fieber, Lymphknotenschwellung (Lymphadenopathie), leichte Abgeschlagenheit. Diese Phase wird häufig übersehen.

2. Asymptomatische Trägerphase: Die Katze erscheint klinisch gesund. Diese Phase kann Jahre bis über ein Jahrzehnt andauern. Das Virus vermehrt sich jedoch weiterhin und schädigt das Immunsystem schleichend.

3. Phase der generalisierten Lymphadenopathie: Dauerhafte Schwellung mehrerer Lymphknoten ohne sonstige klinische Auffälligkeiten.

4. ARC-Phase (AIDS-Related Complex): Erste deutliche Krankheitszeichen treten auf – chronische Entzündungen der Maulhöhle (Stomatitis, Gingivitis), wiederkehrende Infektionen der oberen Atemwege, Durchfall, Gewichtsverlust und struppiges Fell.

5. AIDS-Stadium: Das Immunsystem ist schwer geschädigt. Es kommt zu schweren opportunistischen Infektionen (Toxoplasmose, Kryptokokkose, chronische Herpesvirusinfektionen), Tumorerkrankungen wie dem Lymphom, neurologischen Störungen (Verhaltensänderungen, Krampfanfälle, Koordinationsstörungen) und hochgradiger Abmagerung (Kachexie).

Charakteristisch für FIV-positive Katzen sind zudem chronisch-rezidivierende Hautinfektionen, schlecht heilende Wunden und hartnäckige Ohrmilben- oder Pilzinfektionen.

Diagnose

Die Standarddiagnostik erfolgt über einen serologischen Bluttest, der Antikörper gegen das FI-Virus nachweist. In der tierärztlichen Praxis kommen meist ELISA-basierte Schnelltests (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) zum Einsatz, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis liefern. Viele dieser Tests sind als Kombitests konzipiert und prüfen gleichzeitig auf FeLV (Felines Leukämievirus).

Wichtige Einschränkungen bei der Diagnostik:

  • Nach einer Infektion dauert es etwa 8–12 Wochen, bis Antikörper in nachweisbarer Menge gebildet werden (diagnostisches Fenster). Ein negativer Test kurz nach möglicher Exposition schließt eine Infektion nicht sicher aus.
  • Kitten unter 6 Monaten können maternale Antikörper tragen, die zu falsch-positiven Ergebnissen führen. Eine Nachtestung nach dem 6. Lebensmonat ist erforderlich.
  • Jedes positive Schnelltest-Ergebnis sollte durch einen Bestätigungstest abgesichert werden – idealerweise mittels Western Blot oder PCR (Polymerase-Kettenreaktion), die das Virusgenom direkt nachweist.

Ergänzend liefern ein großes Blutbild und ein biochemisches Organprofil wichtige Informationen über den aktuellen Immunstatus und mögliche Organschäden.

Behandlung & Therapie

Eine Heilung der FIV-Infektion ist nach heutigem Stand der Veterinärmedizin nicht möglich. Die Therapie konzentriert sich auf die Erhaltung